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Hermione lernt… Die Alkylphosphatintoxikation 04/04/2010

Posted by Hermione in "Ich erklär das mal kurz...", Hermione lernt..., Lernen, Lernmarathon, Prüfungen.
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Alkylphosphatintoxikation ist nicht nur ein tolles Wort für’s Galgenmännchen, sondern auch ein beliebtes *würg* Thema in der mündlichen Prüfung. Beim RS hat es meinen Teampartner getroffen…

Aber hey, was zur Hölle ist das eigentlich?

Einige von euch kennen vielleicht noch das Pflanzenschutzmittel E605. Wenn nicht – nun, es ist inzwischen auch verboten. *g*
Besser so, denn es ist alles andere als gesund. Als Kontaktgift muss man es noch nicht mal schlucken oder sonstwie invasiv aufnehmen (keine schmutzigen Gedanken, ich meine jetzt Injektionen oder so!), es reicht schon Hautkontakt aus, um sich damit zu vergiften. Und nicht nur das, es reicht schon der Hautkontakt zu einer damit vergifteten Person aus. Jahaa!

(Wikipedia sagt übrigens: Im Volksmund wird auch der Begriff „Schwiegermuttergift“ verwendet, da es für viele bekannt gewordene Suizide und Morde missbraucht wurde.)
(Und noch was: “Gegen saugende und beißende Schädlinge” – hilft es dann gegen Vampire und Werwölfe?)
(Sorry, zuviel Kaffee…)

Alkylphosphate sind Acetylcholinesterasehemmer. Ja, wtf…? Das bedeutet nichts anderes, als dass sie durch Hemmung des Enzyms Acetylcholinesterase den Abbau von Acetylcholin im synaptischen Spalt verhindern. Acetylcholin ist für die Übertragung des Parasympathikus zuständig. Wenn Acetylcholin nicht mehr abgebaut werden kann, ist der Parasympathikus also sehr aktiv – und das ist schlecht.

Die Symptome einer Alkylphosphatintoxikation sind dementsprechend die eines erhöhten Parasympathikustonus: Hypersalivation (vermehrter Speichelfluss) (und weil Alkylphosphate blau eingefärbt sind, ist der Speichel auch blau – daran sollte man die Gefahr erkennen können), Bradykardie (verlangsamte Herzfrequenz), Hypotonie (niedriger Blutdruck), Miosis (enge Pupillen), Schwitzen und tränende Augen, erschwerte Atmung durch Dyskrinie (also vermehrte Bronchialschleimsekretion) und Bronchospasmus (also Engstellung der Bronchien), Magen-Darm-Krämpfe, Übelkeit und (blaues) Erbrechen… Und Muskelzuckungen bis hin zu Lähmungen im späteren Verlauf. Kopfschmerzen und Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma gibts natürlich auch.

Keine schöne Sache also.

Was macht man da? Nun, zunächst ist es natürlich wichtig, auf die eigene Sicherheit zu achten. Also keinen Hautkontakt herstellen, Erbrochenes nicht berühren (aber wer macht das schon freiwillig?), usw. Die Feuerwehr nachzufordern ist hier eine gute Idee.

Eine weitere Kontamination des Patienten sollte verhindert werden, also Kleidung entfernen (die des Patienten, nicht die eigene) und ggf Pflanzenschutzmittelreste von der Haut abwaschen.

Welche Antidota gibt es? Nun, für den RS wurde uns nur Atropin ans Herz gelegt. Atropin ist ja bekannterweise ein Parasympatholytikum, es “hemmt” also den Parasympathikus.
Jetzt, im RA-Lehrgang, haben wir ein zusätzliches Antidot kennengelernt: Toxogonin. Ba-bämm!

Was genau Toxogonin macht, das erfahrt ihr nach der nächsten Maus. ; )

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