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Aufschrei 25/01/2013

Posted by Hermione in Krankenhaus, Praktika.
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Ja, auch ich hab etwas dazu zu berichten. Und es hat sogar was mit dem eigentlichen Thema dieses Blogs zu tun. Was es irgendwie noch trauriger macht.

Mein Anästhesiepraktikum für den RettAss war großartig. Die beste Zeit in meiner gesamten Ausbildung. Das würde ich ohne zu zögern unterschreiben.
Aber leider gabs auch Schattenseiten.

Warum ich darüber erst jetzt schreibe?

Weil ich einfach in einer unterlegenen Position bin/war. Auf der einen Seite der gutaussehende, charmante, erfolgreiche Oberarzt, auf der anderen Seite ich: die junge Praktikantin. Na? ; )

Ich fand ihn wirklich nett. Nicht auf die schwärmerische Art, sondern einfach menschlich. Er war eigentlich nie von oben herab, hat mir immer alles erklärt und jede meiner tausend Fragen beantwortet. Und er gehörte zu den Ärzten, die mich wirklich alles machen lassen haben. Einer der Gründe, warum sein Saal zu denen gehörte, in denen ich mich bevorzugt aufgehalten habe.

Er scheint das fehlinterpretiert zu haben. Vielleicht ist er es ja auch gewohnt, dass Praktikantinnen und Studentinnen ihn anhimmeln. Keine Ahnung.

Während einer Sectio stand ich vornübergebeugt unterm Narkosebügel bei der extrem aufgeregten Patientin und hab beruhigend mit ihr über Gott, die Welt und unsere Angst vor Zahnärzten geredet. Hat ihr sehr gutgetan und ich hatte das schöne Gefühl, ihr wenigstens ein bisschen zu helfen.
Angenehm ist diese Haltung auf Dauer nicht, also hab ich mich irgendwann kurz aufgerichtet um mich zu strecken, was von besagtem Oberarzt mit “Och nö, das war so ein schöner Anblick!” kommentiert wurde. Ähm. Ich habs ignoriert.

Später an diesem Tag, wir standen beide allein in der Einleitung, während ich den benutzten Laryngoskopspatel reinigte und in die Desibox legte, wurde er dann wirklich übergriffig.

Mit beiden Händen griff er mir an die Brüste und fragte mich, ob da alles okay ist. Dann langte er mir in den Schritt und fragte “Da auch?”.

Ja, ich weiß, ich hätte ihm eine scheuern sollen. Ich hätte das melden sollen, ihn anzeigen, wasweißich.
Ich hab es nicht getan. Warum? Ich war zu baff. Mit so ner Scheiße rechnet man doch nicht.

Und: mir hätte doch eh niemand geglaubt.

Wie gesagt, auf der einen Seite der gutaussehende, charmante, umschwärmte Oberarzt, auf der anderen Seite die kleine, junge, (naive?) Praktikantin.

Die ihn mochte.

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Kommentare»

1. Jule - 25/01/2013

(Ich lese sonst nur still mit, aber heute muss ich mal kommentiere)

Das so etwas immer noch passiert ist einfach sch***. Ich wurde bisher immer davon verschont, muss aber zugeben dass ich oft diejenige bin die sagt, warum wehrst du dich nicht du bist im recht, ich hätte ihm ein gescheuert.

Aber umso mehr ich vom Studentenleben ins Berufsleben einsteige sehe ich; so einfach ist das nicht. Eben weil die Frau oft die Rangniedrigere ist, alle anderen davor gesehen haben wie toll man sich versteht (dann hat sie es ja bestimmt provoziert)…. und diese Erkenntnis macht mich traurig, wütend und vor allem hilflos. Selbst wenn man so etwas meldet kann es passieren dass man dann im Betrieb für immer abgestempelt ist.

Es tut mir so leid, dass dir das widerfahren ist!

2. Katha Rina (@kathakatze) - 25/01/2013

Du hast mein volles Mitgefühl.

Wenn man meint, jemanden daten zu wollen, kann man allerdings auch einfach mal angemessen sondieren, ob das umgekehrt auch so sein könnte. Das allerdings bitte nicht einfach mitten während der Arbeit.
Aber das bisschen Selbstkontrolle, nicht einfach so zu loszugrabschen, ist doch wirklich nicht zu viel verlangt.
Wer das nicht kann, sollte nicht als Arzt arbeiten. Erst recht nicht in der Anästhesie.
Denn speziell OPs unter Vollnarkose haben sehr viel mit Vertrauen zu tun. Bei Eingriffen in intime Bereiche ist das noch viel stärker. Als Patient fühlt man sich sowieso ausgeliefert und hilflos, da sind irgendwelche sexuellen Übergriffe das allerletzte, was man vom Personal erwartet.
Da warst es “nur” du (ohne es relativeren zu wollen), aber wer weiß, ob er immer die Finger von Patientinnen lassen kann. Die bekommen das unter Umständen gar nicht mit.
Ich kann nur hoffen, dass es die üblichen Vorsichtsmaßnahmen, nie männliches Personal mit Patientinnen allein zu lassen, auch da gibt und sie eingehalten werden.

Das waren übrigens auch die Sorgen einer Freundin, als sie sich den Blinddarm entfernen lassen musste.
Eine nette Assistenzärztin hat ihr die Angst aber weitgehend nehmen können, indem sie ihr versprochen hat, auf sie aufzupassen. Sie war nämlich selbst schon einmal Patientin.

3. stellinchen - 25/01/2013

Mann -.-
Du Arme. Und nachträglich würdest dus nicht wollen?

4. Pharmama - 25/01/2013

Was soll ich sagen? Ich glaube Dir. Ich bin sicher, andere tun das auch (und hätten das – damals).
Und: Mann, das ist ja plump. Der scheint das nicht das erste Mal zu machen.

5. Krangewarefahrer - 25/01/2013

Wenn ich das lese schäme ich mich für die männliche Gattung in Grund und Boden. Das ist so peinlich. Und diese ganze Aufschrei-Aktion lässt ja die Dunkelziffer solcher Übergriffe auch nur erahnen.
Gerade bei solchen Menschen in höheren Positionen, die sich dann an “Rangniederen” vergehen, in welcher Form auch immer, fehlen mir echt die Worte. Diese Schweine wissen genau, dass sie aufgrund ihres Ansehens nichts zu befürchten haben und nutzen es schamlos aus.
Ich bin ja echt ein ruhiger Mensch, aber wenn ich solche Dinge lese bekomme ich echt Blutdruck. Und Puls.
Am liebsten würde ich mich für alle diese Übergriffe entschuldigen, auch wenn ich ja gar nichts dafür kann, aber das würde es ja auch nicht besser machen :-(
Ich hoffe diese Schweine erhalten irgendwann die Quittung für ihr Verhalten, in welcher Form auch immer!

6. Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram. - 25/01/2013

Der #Aufschrei. Meiner….

Natürlich bin auch ich nicht frei von Fehlern und trete sicherlich schon mal weiblichen Wesen auf den Schlips. Aber davon will ich eigentlich nicht schreiben. Denn das sind im Zweifelsfalle Dinge……

7. ulf_der_freak - 25/01/2013

Ich habe mal in meinem Blog ein Geständnis abgelegt.

turtle of doom - 25/01/2013

Been there, done that.

Vor etwa 12 Jahren, da war ich deutlich älter als Ulf damals, tat ich auch so etwas. Ich übernachtete bei einer Kollegin, wir beide lagen auf dem Bett, und da berührte ich sie an den Brüsten.

Ich weiss jetzt nicht ob es bald Kritik hagelt, aber eine Situation, wo sie kein klares “Nein” sagt, aber wir einander so vertraut sind, dass wir im selben Zimmer und auf dem selben Bett übernachten…

…und erst am Morgen sagte sie mir, dass sie das doof fand. Sie verzieh es mir auch.

Das Problem liegt meiner Meinung nach wirklich darin, dass Männer glauben, sie hätten einen riesigen Hand-lungsspielraum. Der ist natürlich grösser, wenn man von einer Kollegin über Nacht eingeladen wird, und viel kleiner, wo ein solches Verhalten schlicht nicht erwartet wird – wie zum Beispiel im Krankenhaus.

“Wie doof komme ich mir denn vor, wenn ich diese Rettungssanitäterin frage, ob ich sie anfassen darf? Die wird garantiert nein sagen!”. Gerade wenn man sich doof vorkommt, sollte man es lieber lassen.

Aber ich kann mir vorstellen, dass er sich als Arzt – er ist älter, erfahrener, vielleicht intelligenter, vielleicht weissnichtwas, und sich deshalb das Recht herausnimmt, gar nicht erst zu fragen.

“It’s always easier to ask forgiveness than it is to get permission.”

Wenn man um eine Erlaubnis fragt, ist es einem ja sowieso schon bewusst, dass man auf einem heiklen Pfad bewegt. Dann ist es leichter, einfach zu tun, und zu hoffen, dass einem verziehen wird.

Wenn man sich als Opfer wehrt, ist der Täter ganz baff und erstaunt – “Ich dachte, du hättest doch nichts dagegen!”. Und wenn man sich nicht wehrt, dann kann das als Verzeihen interpretiert werden. War ja doch nicht so schlimm, sonst hättest du dich ja gewehrt…

Als ich etwa 14 war, war ich mal in einer Sauna. Ein älterer Typ mit Bierbauch guckte mich an. Folgte mir zur Dusche. Folgte mir zum Fussbad. Folgte mir zum Klo. Und beim Pissoir fasste er mir an den Schwanz.

Auch da war ich viel zu erstaunt, um überhaupt zu reagieren.

8. turtle of doom - 25/01/2013

Ich schäme mich auch.

Ich frage mich immer, wie so ein Verhalten nur “nachhaltig” sein kann. Dass man sich dieses Verhalten immer wieder leisten kann, ohne dass man eine auf die Fresse kriegt, oder selbst auf die Fresse fliegt.

Und dann wundern sich andere Männer darüber, warum man ihnen Argwohn entgegenbringt.

9. Mädels, join the #Aufschrei! « robins urban life stories - 26/01/2013

[...] Merle, Kris, die Femgeeks, Nele, Hopskuller, Nonalicious, Lisa, FlauschHanu, Cloudette, Hermione, Sachensucherin, Katrin und die vielen anderen Bloggerinnen, die über oder von Übergriffe [...]

10. snoopylife - 26/01/2013

Nicht ganz passend der Song, aber… “Manchmal, aber nur manchmal, haben Männer wie du was auf die Fresse verdient” Ich hab mangels Erfahrung keine Ahnung, ob ich in so einer Situation die Nerven hätte, das LAUT zu singen, einen Versuch wäre es wert. Es handelt sich nämlich meiner Meinung nach um Machtspielchen. Schließlich kommt so was (vermutlich!) seltener von der Praktikantin, die mal eben dem Chefarzt ans Gemöcht greift, oder ? :-)

11. snoopylife - 26/01/2013

Huch Freudscher Schreibfehler – ä -

12. Tante Jay - 26/01/2013

Stichwort ist hier “die ihn mochte”.

Es ist leichter, sich gegen Übergriffe von Unsympathen zur Wehr zu setzen (auch wenn man an mir sieht, dass das auch nicht so schwer ist) als gegen Übergriffe von jemandem, den man eigentlich mag.

Man möchte ihn ja nicht in Verlegenheit bringen, ihn nicht wegstoßen – man mag ihn ja.

Und genau hier fängt das Grenze ziehen an, was wichtig ist.
*seufz* und was so schwer ist…

turtle of doom - 26/01/2013

“die ihn mochte”…

In diesem Zusammenhang muss ich http://www.zeit.de/2012/14/Grauzone-Gewalt/komplettansicht noch einmal lesen.

13. Bernd - 26/01/2013

Zum Kotzen. Bin echt geschockt. :/ Danke fürs Mitteilen!

14. Sammelmappe » Blog Archive » Aufschrei-Sammlung - 26/01/2013

[...] Merle, Kris, die Femgeeks, Nele, Hopskuller, Nonalicious, Lisa, FlauschHanu, Cloudette, Hermione, Sachensucherin, Katrin, Robin, Claudia Klinger, [...]

15. admin - 27/01/2013

Diese Debatte zeigt schon ihre ersten Folgen: Endlich gibt es keinen Schutzraum für einen Täter mehr. Denn jetzt muss er fürchten, dass sein Name öffentlich wird – nicht nur der Spitzenpolitiker, sondern auch der Exfreund oder Chef:

http://deraufschrei.wordpress.com/2013/01/27/endlich-werden-die-tater-genannt/

Vielleicht ja auch bald der Oberarzt?

16. BRC_MEDIC - 27/01/2013

Das ist doch typisch – wenn mwas passiert ist man (Frau) es selbst schuld:
siehe Indien, siehe UK (Jimmy Saville)

So lange die Schweine Deckung “von oben” haben oder in der oeffentlichen Meinung als Unfehlbar gelten rennst Du gegen Waende – so hart es auch klingt. Ich hoffe mal das die Chnesen recht haben: Steter Tropfen hoehlt den Stein.

17. Jan - 28/01/2013

Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Wenn ich sowas lese, werd ich einfach nur wütend. Ich kann nicht nachvollziehen, wie es einem als Opfer in so einer Situation geht. Aber ich verspüre nur vom Lesen schon das Bedürfnis, dem Typen eine reinzuhauen.
Es tut mir echt leid, was sich manche meiner Geschlechtsgenossen erlauben.

PS: Setz am besten mal eine Triggerwarnung vor deinen Text.

18. Artikelsammlung #Aufschrei | zeitrafferin - 29/01/2013

[...] Aufschrei « rescue blog [...]

19. #aufschrei – eine kurze Bestandsaufnahme | Kleinerdrei - 30/01/2013

[...] Aufschrei « rescue blog [...]

20. Endlich werden die Täter genannt | Der Aufschrei - 30/01/2013

[...] Aufschrei « rescue blog [...]

21. eyeIT - 30/01/2013

Ich bin geschockt aus zwei Gründen: Erstens ist das eindeutig ein sexueller Übergriff, zweitens ist der Täter auch noch Arzt. :(

22. Desert - 08/02/2013

Indiskutabel. Ein anderes Wort gibt es für dieses Verhalten nicht. Es war definitif eine, um mich mal vorsichtig auszudrücken, Sexuelle belästigung. Nur das hier auch ein “Ausbildungsverhällnis” angenommen werden kann. Macht das jaaa nicht schlimmer, oder etwa doch? //ironie
Hier würde ich mich auf jedenfall zur wehr setzen.

Bei mir ist der Job-Sexualitätskontrast sehr klar geregelt, Wenn ich nicht grade als Sani Dienste schiebe, bin ich einer von 5 Männern in einem Unternehmen von 150 Frauen. Wenn ich mir nur einen Falschen Spruch erlaube ist die Hölle los. (Mein Vorgänger durfte dafür gehen).

Ich finde, Sexualität darf überall sein, aber nicht am Arbeitsplatz, und nochweniger in einem Ausbildungsverhälltniss, schon garnicht sowas! Einfach nur Indiskutabel.

Flirten mag manchmal OK sein, WENN die Situation passt. Aber mehr gehört nicht an den Arbeitsplatz. Das mit dem Anhimmeln mag ja vlt. so wargenommen werden. Das könnte zu einer Fehleinschätzung führen, aber auch hier ist dann der Normale ablauf: Flirten > Küssen > Fummeln, und nicht wie in diesem “Vollpfosten leehrbuch Exempel”: Begrapschen > noch schlimmer machen > glauben das man jetzt richtig toll war. Wie kann Mann nur so was machen und dabei glauben richtig gehandelt zu haben?
Aber doch keinesfalls ein derartiger Übergriff. Sowas darf generell NIEMALS vorkommen.
Für sowas muss Mann sich wirklich Fremdschämen.


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