Dreist. 01/02/2013
Posted by Hermione in Rettungsdienst.Tags: Angehöriger, dreist, nervig, Patient, Rettungsdienst
trackback
Dreiste Patienten. Dreiste Angehörige. Dreiste Kollegen.
Kennt jeder, oder?
Was waren denn eure Erlebnisse? Wie reagiert ihr in solchen Situationen?
Ich hatte letztes Jahr einen Einsatz, da frag ich mich heute noch, wie ich den Impuls unterdrücken konnte, dem Sohn meiner Patientin die Divi-Kladde um die Ohren zu haufen. PAFF! Das hätte so gut getan … (Und es wäre verdient gewesen!)
Der Artikel dazu kommt am Montag.
Bis dahin würd ich gern von euch hören, welchen Dreistigkeiten ihr im Einsatz (oder, um auch Nicht-RD’ler einzuschließen: im Berufsalltag) schon erdulden musstet. Und vor allem auch, wie ihr drauf reagiert habt, und wie ihr im nachhinein lieber reagiert hättet. Das ist ja auch so eine Sache …
Bin schwer gespannt! : D





Ich denke mal den Klassiker:
RTW auf der Strasse (blockiert) und laden Rolli aus. Ein Fahranfaenger (um die 19) faengt dann an zu hupen, Lichthupe und zu krakeelen. Genau was man so braucht nach 5 Stunden (Freiwilligen-)Maloche (nach 8 Std regulaerer Arbeit). Mein Fahrer (zu der Zeit der Commissioner meiner ehemaligen HiOrg – also LV-Leiter) hat dann einmal tief eingeatmet und beim ausatmen einige Sache klargestellt.
Ansonsten mus ich sagen, dass wir (HiOrg’s) eigentlich keine Probleme haben. Der reg. RD ist ne gaaaaaaanz andere Geschichte
Was hat er dem freundlichen Mitbürger denn so mitgeteilt?
Ja…doch, da gibt es so einige. Mit Kunden, Lieferanten, nervigen “Zivilisten” (aus meiner Zeit in Uniform)…
Besonders gut kann ich mich an einen schweren Verkehrsunfall auf der A5 vor Frankfurt erinnern. Ich stand an der Sperrung ganz vorne und der eine Polizist kam ans Auto, sah die Uniform und sagte nur “Au Klasse, hilf mal eben mit beim Absperren.”
Kein Problem, sollte man meinen…zumal noch ein Kamerad von der gleichen Dienststelle direkt hinter mir stand und auch gleich verpflichtet wurde.
Alle hatten halbwegs Verständnis dafür, dass bei großflächig ausgelaufenem Benzin ein bisschen weiträumiger abgesperrt wurde und auch nicht geraucht werden durfte, aber als sich der Fahrer eines Oberklasse-Autos mit seinem Wagen erst zwischen LKW und Leitplanke durchgequetscht hatte, dann beinahe meinen Kollegen umgefahren hat und sich dann noch demonstrativ eine Kippe angezündet hat und diese nach einem Zug weggeworfen hat, wurde es auch dort ein bisschen lauter.
Leider hat der gute Mann weder Einsicht noch Verständnis dafür gezeigt, dass einige Meter weiter Notarzt und Rettungsdienst um das Leben einer jungen Frau kämpften, die mit ihrem Kleinwagen beinahe im Tank eines LKWs hing.
Oh Gott, was für ein Vollidiot! Scheiße!
Oh ja, das dachte ich auch.
Und der Typ hinterher auch, vermute ich…
Das gibt es als Realsatire bei den Jungs in Oliv aber genau so. Hatte ich, als wir einen Wehrpflichtigen mit Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung ins städtische Krankenhaus bringen mussten. Habe extra bei der Wache angerufen, dass wir mit blaue Blinkelanpen ankommen, damit die schon mal das Stahltor aufmachen können. Dann komme ich da an, mit Blaulicht (TatüTata habe ich wegen nachtschlafender Zeit nicht angemacht) – und? Genau. Tor zu. Schranke runter. Die Wache pennt im Häuschen. Eine Schulterglatze (ich war da immerhin schon Einzelpommesträger) kommt rausgeeiert und prüft erst mal umständlich meinen Fahrbefehl. Ich fange schon an, unwirsch zu werden, da stellt derjenige fest, dass er alleine das Tor nicht aufgeschoben bekommt. Wär der Zaun aus Maschendraht gewesen (und nicht aus betonarmierten Stahlgittern) – ich glaub ich wär mit dem Unimog durchgefahren. Der Stabsarzt neben mir konnte das ganze Treiben aber auch nur verwundert zur Kenntnis nehmen… Und damit will ich sagen: Deppen gibt es überall. Und der wachhabende Offizier – der meinen Anruf persönlich entgegengenommen hat, war so einer…
(Und zum Abschluss – der nette Wehrpflichtige hatte glücklicher Weise keine Rückenmarksverletzung, aber konnte zu diesem Zeitpunkt seine Beine auf Grund des Genusses anderer *ähäm* lokalanästhetischer Mittel nicht mehr spüren. Aber darum ging es in dieser Situation nicht!)
Ein klassischer Grund fürs Schulterglatzenbashing
Ich glaube, ich hätte das Tor zumindest ein bisschen eingedrückt – oder den Torschieber zumindest etwas…beschleunigt. Mit nem Unimog könnte das sogar klappen
Wäre blöd gewesen. Das Tor lief mit Rollen in einer Schiene quer zu meiner Fahrtrichtung. Um es einzudrücken hätte ich erst den Schlagbaum kaputt fahren müssen und dann hätte ich es aus der Schiene geschupst und es wäre nix mehr gegangen.
Die Schulterglatze als Befehlsempfänger konnte ja nix dafür. Gebasht hätte ich lieber den Wachoffizier, der zu zurückhaltend war, selber einmal in die laue Sommernacht zu treten, um meine Meinung zu der Aktion zu hören. Und zwar mit seiner eigenen Dienstwaffe (sowohl das Bashing als auch meine Meinung). Anschließend hätte ich ihn auch versanitötert. Da hätte ich das Behandeln einer Platzwunde unter feldmäßigen Bedingungen mit dem “Nähset BW einfach” – wie es in der Ausrüstung jedes Soldaten zu finden ist – gern mal trainiert. Ohne örtliche Betäubung natürlich…
Das härteste Erlebnis hatte ich vor sechs Jahren hier verewigt: http://weblog.hundeiker.de/item-219.html
DAS ist natürlich schwer zu toppen.
Da fällt mir nur so spontan ein Krankentransport vom Arzt nach Hause ein.
Ja Patient war bekannterweise schwierig und etwas nervig. Aber die Krönung war dann als wir wieder in der Wohnung waren die Frage ob wir nicht noch eben den Müll mit runternehmen können……………
Bwahahahahaha!! Wie habt ihr reagiert?? Ernsthaft? Konntet ihr noch was anderes tun außer fassungslos gucken?
Genaue Reaktion muss ich passen, aber der Müll blieb oben. Und bei nächster Gelegenheit war auch das Schlaglochsuchgerät defekt
Zwei meiner Kollegen kommen zu einer Dame um sie per Einweisung (kein Notfall) in das Krankenhaus zu bringen. Laut des Kollegen war sie relativ fit.
Einer ihrer ersten Worte: “Ach, ihr könnt mich gleich runtertragen, ihr habt sonst nichts den ganzen Tag zu tun..!”
Aha.
Zum Glück vergisst man aber viele Geschichten
Hey, wenn man sich eh den ganzen Tag nur langweilt und die Eier schaukelt, kann man auch mal zum Spaß Patienten durch die Gegend tragen. Der Bandscheibenvorfall will schließlich gründlich vorbereitet werden!
Aber aber. Wenn ich mich jetzt anatomisch nicht völlig vertue (wobei das nicht mein Fachgebiet ist), schaukeln doch die Eier der Hermione maximal als zumeist unausgereifte Zellen im Bauchraum umher…
Und das sogar während der Arbeitszeit!
Hm. Erst letzte Woche passiert:
Ich stelle den RTW schön vorschriftsmäßig halb auf der Straße, halb auf dem Gehweg ab(man will ja nicht die ganze Straße dich machen).
Plötzlich kommt aus dem Nachbargrundstück ein älterer Herr flotten Schrittes auf mich zu und sagt das ich dort nicht parken darf, und das ich das Auto jetzt sofort auf jeden Fall umparken müsse.
Da es eh kurz vor Feierabend war und ich mich schon auf den Feierabend freute reagierte ich ganz entspannt… ich nahm wortlos den Rucksack aus dem Auto, schob die Seitentür zu, verriegelte das Auto, schaute den Mann an und sagte nur: “Das ist ein Rettungswagen… der darf fast überall parken. Und gehen sie mal da vorne weg, der NEF muss auch noch irgendwo stehen.” Dann drehte ich mich um und ließ den Mann perplex stehen.
Gefällt mir!
Da weiß ich ja gar nicht, wo ich anfangen soll
Nr 1: Eines morgens klingelte mal auf der Wache das Telefon. Der Zugführer unseres Ortsvereines war dran. Ihn hätte gerade der Kreisgeschäftsführer angerufen. Dieser wurde kurz vorher von einem Anwalt angerufen. Ein Rettungswagen (mit mir als Fahrer) hätte seine Frau von der Straße gedrängt, weil er so viel Fahrbahn wie ein Räumfahrzeug gebraucht hätte. Wenn das noch einmal passieren würde würde er rechtliche Schritte einleiten. Ja ja. Was war passiert? Wir waren auf dem Weg zu einem Notfalleinsatz. Mit vollem Sondersignal. Innerorts. Auf einer Straße ohne Mittelstreifen, auf der es auch im normalen Verkehr schon eng wird und man an manchen Stellen den Bürgersteig benutzen muss, wenn einem ein größeres Fahrzeug entgegen kommt. Seine Frau war das einzige Fahrzeug, das uns auf dieser Fahrt begegnet war und ich hatte sie definitiv nicht abgedrängt. Vielmehr hatte sie es nicht für nötig gehalten, den Bürgersteig zu nutzen, woraufhin ICH mit Sondersignal auf den Bürgersteig musste. Naja, aber Hauptsache der Mann ist Anwalt.
Nr 2: Ich erhielt einmal von einer Angehörigen quasi Hausverbot, weil ich mich erdreistet hatte, ihre Mutter, die ohne Vorwarnung synkopiert war, gute 10 Minuten auf Herz und Nieren zu untersuchen. Sie hätte schließlich Gäste und ich sollte die Mutter einfach einladen und weg bringen. Und sie möchte mich nie wieder sehen. Gut. Ich sie auch nicht
Nr 3: Gaffer, die bei einem PKW-Brand auf der Autobahn auf dem Standstreifen der Gegenfahrbahn anhalten, aussteigen und Fotos und Videos machen.
Nr 4: LKWs, die sich unbedingt noch an einer Unfallstelle und zwischen zwei RTWs durch quetschen müssen, was nur gelang, indem die Aussenspiegel eingeklappt wurden.
…
Du wurdest tatsächlich von Angehörigen dumm angemacht, weil Du die Patientin erst noch untersucht hast? Oh Gott… Was sollen denn die Gäste denken!?
Zu der komischen Anwaltsfrau fällt mir auch nix mehr ein. Was musst Du mit dem großen, lauten Auto auch ausgerechnet dort lang fahren, wo sie schon fahren möchte? Ein bisschen mehr Rücksichtnahme…