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Die maulende Myrte 16/06/2013

Posted by Hermione in Rettungsdienst, so bitte nicht.
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Ich werde nie wieder behaupten, dass das Fernsehprogramm nicht inspirierend ist.

Samstag lief mal wieder Harry Potter im TV, und das erinnerte mich an einen Artikel, den ich schon eeeeeewig geschrieben haben wollte!

Die maulende Myrte. Meine Arbeitskollegin, die jeden Tag schlecht gelaunt ist und das an Passanten, den Kollegen und, schlimmer noch, an den Patienten auslässt.

Ich finde es ja immer wahnsinnig unangenehm, mich bei Patienten und dem Krankenhauspersonal für meine Kollegin entschuldigen zu müssen. Und das Gefühl hab ich quasi rund um die Uhr, wenn ich mit ihr unterwegs bin.

Hinzu kommt noch das enorme Fremdschämpotenial außerhalb der Einsätze.
Es ist ja nicht unüblich, in einer ruhigen Minute mal ein paar Erledigungen in Angriff zu nehmen. Und nein, damit meine ich jetzt nicht nur den obligatorischen McDonald’s-Besuch in den späten Abendstunden … ; )
Man holt sich zwischendurch noch den ein oder anderen Snack, Zutaten fürs gemeinsame Mittagessen auf der Wache, immer wieder gerne auch Dinge die man nach Feierabend Zuhause benötigt – wenn der Feierabend zeitgleich mit dem Feierabend der letzten Supermarktmitarbeiter stattfindet oder auf den Sonntagmorgen fällt, kann man danach nicht so leicht einkaufen gehen.

Es gibt Kollegen, mit denen macht Shopping im Dienst Spaß. Und es gibt Kollegen, bei denen möchte man es wenn irgend möglich vermeiden.
Die maulende Myrte gehört zu letzteren.

Ich freu mich immer sehr darüber, wenn Bürger uns an der Kasse oder bei der Bestellung vorlassen. Wir wissen ja nie, wann der Melder geht und wir quasi alles stehen und liegen lassen müssen. Es ist also eine sehr nette Geste, Menschen in Einsatzkleidung vorzulassen – aber kein Muss. Ich würde das auch niemals einfordern, wie käme ich dazu! Wenn jemand so entgegenkommend ist, bedanke ich mich auch immer sehr herzlich. Ich freue mich ja auch aufrichtig darüber! : )

Tja, und dann gibt’s da Myrte. Myrte sieht die Dinge oft anders, als normale Menschen das tun würden.

Myrte bringt es fertig, Samstag nachmittags im Aldi an die volle Kasse zu kommen, eine herrische, ausladende Geste mit der Hand zu machen und laut “Einmal Platz machen, bitte!” zu rufen. Das ‘Bitte’ reißt es da auch nicht wieder raus. Das ist übrigens der Moment, in dem man sich am liebsten hinterm nächsten Supermarktregal verstecken möchte.

Myrte betont auch gerne in gehobener Lautstärke ihre Wichtigkeit. Das kann man praktischerweise überall machen, z.B. auch bei McDonald’s, besonders gern wenn’s dort besonders voll ist.
Leider ist dieses Verhalten nicht nur peinlich, sondern auch grenzwertig, was Dienstgeheimnisse angeht. Klar lästert man untereinander auch mal über Internes, aber nicht in der Öffentlichkeit, bzw nicht so, dass irgendwer es zuordnen kann … ; )
Muss ja nicht jeder im Städtchen wissen, was im Rettungsdienst und in den örtlichen Krankenhäusern so schiefläuft. Ist ja manchmal nicht so vertrauenserweckend.

Ihre Launen sind aber das größte Problem. Wenn man morgens in der Küche oder RTW-Halle schon mit einem Gesichtsausdruck wie atomarer Winter begrüßt wird (und das jeden Morgen!), dann freut man sich nicht so sehr auf gemeinsame Tage.
Es bleibt auch nicht nur beim Gesichtsausdruck – Myrte teilt ihren Unmut lautstark mit Kollegen und Patienten. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich mir schon vor den (in der Tat nicht besonders gut koordinierten) Aufzügen im Krankenhaus unserer Stadt anhören musste, wie scheiße alles ist und wie sehr sie jedes noch so unwichtige Detail ankotzt.
Wenn Patienten dabei sind, sind Sätze wie “Kein Wunder dass die Leute hier sterben wie die Fliegen, wenn die Notfallteams ewig auf nen verknackten Aufzug warten müssen” und “Auf den Stationen hier können die ja auch nicht reanimieren, die stehen dumm daneben bis jemand von der Anästhesie mal nen Aufzug bekommen hat” nicht so hilfreich.

Was sagt man denn da zu seinem Patienten? Könnt ihr euch die entsetzten und fassungslosen Blicke vorstellen, die ich jedes Mal ernte?

Dieses Verhalten fällt ja auch auf mich zurück …

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Kommentare»

1. schwesterle - 17/06/2013

Bin grad etwas fassungslos über so eine Kollegin. Da wäre die maulende Myrthe aus Harry Potter noch netter. Die hat auch ihre Freundlichkeit mit Löffeln gefressen. Bloß wieso sind solche Leute so, wie sie sind? Und was bewegt sie dazu, auch noch im Rettungsdienst zu arbeiten?

2. Nobelix - 17/06/2013

Hähähä solche Kollegen gibt es doch immer und überall. Leider kann man da (ausser geschickter Schichtwahl, wenn man da mitreden kann) nicht viel machen. Leider

3. Pharmama - 17/06/2013

Sterben wie die Fliegen?
Nett. Fällt das nicht schon unter … Geschäftsschädigend? Oh warte. Das Gesundheitssystem ist ja kein Geschäft.

4. alltagimrettungsdienst - 18/06/2013

Ich glaube Myrte war in Deutschland meine ehemalige Teamkollegin. Jeden Morgen mit einer scheiss Laune zur Arbeit erschienen und demonstrativ den Patient spüren lassen, dass man keinen Bock hat, ihn ins 40 km Krankenhaus zu fahren. Da staun sich auch noch heute meine Venen.

5. gnaddrig - 18/06/2013

Krass. Dass die Dame nicht wenigstens vor Patienten den Mund halten kann. Das kann ja, wie die Äußerungen am Fahrstuhl, durchaus die Heilungschancen von Leuten beeinträchtigen.

Da müsste doch eigentlich jemand Vorgesetztes dazwischenfahren und klarstellen, dass es so nicht geht!

6. Der Rettungsblog - 19/06/2013

hat die nen Bruder? Wenn ja fährt der bei uns ;)

7. Patty - 16/07/2013

Wohnt die Maulende Myrte nicht im Klo? Da war doch was … deshalb vielleicht?

8. Jolanda Jones - 09/11/2013

Bei Leuten wie diesen ist ein ehrliches Wort, sozial kompetent vorgetragen und möglichst nicht in einer emotional aufgeladenen Situation dringend erforderlich. Vielleicht hat die Kollegin Probleme, die niemand kennt, ist sich ihres inakzeptablen Verhaltens nicht bewusst oder ist einfach mit dem Helikopter durch die Erziehung geflogen.
Was immer es ist, sie verbreitet negative Stimmung und Gefühle und macht sich möglicherweise schuldig, wenn ein Patient oder Außenstehender Dinge mitbekommt, die höchstens für interne Ohren bestimmt sind.
Nimm dir ein Herz und sprich mit ihr. Wenn du dich dazu nicht in der Lage siehst, sprich mit eurem Vorgesetzten, mach ihm klar, dass du nicht petzen willst, sondern dass dies ein Notruf ist.
Es ist wirklich besser, sich dem einmalig sehr unangenehmen Gespräch zu stellen, als diese Nervensäge weiter sägen zu lassen. Der Beruf ist anstrengend genug. Da braucht es nicht auch noch Stressoren, die den Burnout beschleunigen!
Viel Erfolg!
Jolanda


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