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Nicht die Mama! 01/01/2014

Posted by Hermione in Rettungsdienst.
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Siebzehn Jahr’, blondes Haar komplett besoffen.
Unser Gast klammert sich mit aller Kraft an den Friedhofzaun, um halbwegs aufrecht stehenbleiben zu können. Das hat durchaus ein bisschen was von “The Walking Dead”, nur dass von “walking” hier ganz und gar nicht mehr die Rede sein kann.
Mit Müh’ und Not unterstützen wir ihn bei der Weltreise zum RTW. Dort angekommen, schlägt erstmal unser CO-Warngerät Alarm, als er einsteigt – der Gute hat wohl etwas viel Zeit im Raucherbereich verbracht. Immerhin ist dadurch die Stimmung ein wenig aufgelockert, zumindest bei meinem Kollegen und mir. Unser Kunde ist für seinen angeheiterten Zustand alles andere als heiter, und sieht außerdem immer noch nicht so wirklich ein, warum wir da sind und ihn einsammeln; zusätzlich ist er nicht mehr in der Lage, uns seinen Namen und seine Anschrift in für nüchterne Menschen verständlicher Form mitzuteilen.

Immerhin gibt er uns sein Handy, sodass wir seine Mama anrufen können. Die war dann auch sehr begeistert, so um halb drei nachts …

Während der gesamten Fahrt ins Krankenhaus diskutiert unser Patient darüber, dass er da nicht hinwill. Oder versucht es zumindest. Zumindest glaube ich, dass er das mit seinen unverständlichen Lauten meint. Ein gewisser Unwille ist durchaus spürbar.
Im Krankenhaus angekommen, entleert der Gute erstmal seinen Mageninhalt im Wartebereich und schläft dann recht friedlich ein. Gut, so hört er wenigstens auf zu diskutieren und geht den Schwestern und Pflegern nicht auf die Nerven. Mami kann ihn dann ja ins Auto tragen, sobald sie da ist.

Die Ankunft der Mutter verpassen wir leider, weil wir zum nächsten tollen Einsatz müssen. Schade, immer wenn’s spannend wird…

Als wir mit dem nächsten Patienten dann im KH ankommen, steht die Mutter des Burschen entnervt im Wartebereich und diskutiert mit der Schwester – er selbst ist kurz nach unserer Abreise wach geworden, hat nochmal schön jeden angepöbelt und ist dann getürmt. So ein lieber Junge.

Weit kann er nicht gekommen sein, also hat seine Mutter gute Chancen ihn auf dem Heimweg noch einzuholen. Begeistert wirkt sie wirklich nicht. Er wird am nächsten Tag seine wahre Freude mit ihr haben, sobald nüchtern genug ist. So schön!

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Kommentare»

1. ulf_der_freak - 04/01/2014

Samstag abend. Feiern bis zum Reihern.

2. anna - 04/01/2014

Ach ja, immer wieder schön. Hatte neulich so ein Modell, das partout nicht mitkommen wollte, aber uns dann noch anmaulte, wo denn sein Telefon hin sei.

3. oberschwesterhildegard - 05/01/2014

Ihr seid aber auch gemein… immer schon VOR der Tür zum reihern bringen…. nicht drinnen, wo es an den armen Schwestern hängen bleibt, den Kram wieder weg zu machen …. *tztztz

Flo - 05/01/2014

Naja, draussen vor der Tür besteht aber die Gefahr das der Patient in die Mechanik der Trage kotzt. Das müsste a) der RD selber putzen und ist b) kein Vergnügen weil die viele kleine, mit den üblichen Putzutensilien, schwer zugängliche Ecken hat.

oberschwesterhildegard - 05/01/2014

Nee, noch bevor die wirklich auf der Trage sind ;)

Flo - 06/01/2014

DAS wäre in der Tat die optimalste Lösung. Klappt aber leider eher selten mit dem auskotzen-lassen-in-sicherer-entfernung.

4. tobwin - 06/01/2014

Ich vermute, es war euch nicht vergönnt, den Buben an dem Abend noch ein zweites Mal aufzugabeln?

5. tobwin - 06/01/2014

Ältere Semester eines solchen Kalibers pöbeln dann nachts auch gerne auf Station herum, warum sie ihren Stoff nicht kriegen, basteln dann in ihrer gekonnt sanften Art die Sterilium-Flaschen auf den Fluren aus den Spendern, exen diese und spazieren fröhlich aus der Klinik. Das Leben kann so schön sein. Nicht.


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