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Abends halb zehn in Deutschland… 05/08/2009

Posted by Hermione in Alltag, Intensivstation, Krankenhaus, misc, Praktika.
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…und ich kann einfach nicht einschlafen, solange es noch hell ist. -.-

Kann die Sonne bitte jetzt gleich untergehen? Augenblicklich und mit sofortiger Wirkung?
Verdammt, ich will wieder eine Wohnung mit Rollläden vor den Fenstern haben.

Zum Lernen bin ich schon zu müde, also nutz ich die Zeit einfach sinnvoll, indem ich ein bisschen Schwachsinn laber ein oder zwei Geschichten aus dem Krankenhaus erzähle, zu denen ich bis jetzt noch nicht gekommen bin. Unfassbar! ; )

Da gab es diese unheimlich nette und freundliche, schlichtweg liebenswerte Patientin (und das alles wirklich völlig ironiefrei!) auf der Intensivstation, die aussah als wäre sie in der 76. Schwangerschaftswoche. Also leicht drüber. Schwanger war sie aber nicht. ; )
Bei zwei Aszitespunktionen im Abstand von drei Tagen haben wir insgesamt 19 Liter aus ihrem Bauch geholt. Neunzehn. Der Wahnsinn.
Für mich war’s cool, zusehen zu dürfen, und ganz nebenbei war es ein toller Anlass, mich nochmal mit dem Thema Aszites zu beschäftigen. Ist ja doch nochmal ne ganze Runde spannender, wenn man die Dinge nicht mehr nur aus dem Lehrbuch kennt, sondern selbst mal gesehen hat. Schöne Farbe, interessanter Geruch. xD

Praxisbezogenes Lernen ftw! : )

Außerdem hatten wir gegen Ende meines Praktikums auf der Intensivstation nochmal einen Patienten, der mir deutlich vor Augen geführt hat, wie wichtig eine Patientenverfügung doch ist.
Der Bruder des Patienten hat mir und dem Pflegepersonal gegenüber mehrfach angedeutet, dass der Patient eigentlich gar nicht künstlich beatmet werden und dadurch am Leben erhalten werden will, dass er füher immer gesagt hat dass er unter gar keinen Umständen so ein Leben fristen möchte – selber seinen Willen äußern kann er inzwischen nicht mehr. Und der Rest der Familie (Ehefrau und die erwachsenen Kinder) bestanden nunmal darauf, dass der vom Hals abwärts querschnittsgelähmte, apallische Ehemann und Vater künstlich beatmet wird. Eine Patientenverfügung gibt’s leider nicht.

Für mich eine wahre Horrorvorstellung.

Und dann hatten wir noch eine Patientin, die durch den langen, langen Aufenthalt auf der Intensivstation langsam ein wenig wirr im Kopf geworden ist. Eines Morgens (kurz vor sieben) teilte sie mir empört mit, dass der Chefarzt eben kurz dagewesen sei, sie aber nicht behandelt habe, weil er dringend nach Holland musste. : D
Ich hab ihr dann natürlich erklärt, dass sie da was falsch verstanden haben muss, und dass der Chefarzt bestimmt nicht so überstürzt nach Holland gefahren ist.
Nachdem ich sie davon halb überzeugen konnte, bat sie mich darum, eine Gebissreinigungstablette in ihren Tee zu geben, damit sie ihre Zähne darin reinigen kann. Hab ich natürlich nicht gemacht… 
Zum Glück für die Patientin wurde sie einen Tag später auf Normalstation verlegt, da hat sie sicher mehr Abwechslung und verbringt hoffentlich nicht den ganzen Tag damit, über ihr Leben und ihre Krankheit zu grübeln.

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