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Defibrillation 06/10/2009

Posted by Hermione in "Ich erklär das mal kurz...", Hermione lernt..., Lernen.
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So, da ich zur Zeit nichts Spannendes über meine Ausbildung erzählen kann, widme ich mich mal den in meinem Prüfungs-Post versprochenen ‚Erklärungen für medizinische Laien‘ zur cardiopulmonalen Reanimation.

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Weil es eben für die Leser erklärt ist, die sonst nix mit dem Thema zu tun haben, schmeiß ich natürlich nicht wie bescheuert mit Fachwörtern um mich und vereinfache vieles. Also bitte nicht denken „Was soll denn der Sendung mit der Maus-Scheiß, hat die in den letzten Monaten denn nix Vernünftiges gelernt?“ xD

Als erstes mal die Unterscheidung zwischen schockbarem und nichtschockbarem Rhythmus. In diversen Filmen und Serien *hust*RTL*hust* sieht man ja gerne mal, wie bei einer Asystolie (= Nulllinie) geschockt wird (und der Patient gleich drauf ins Leben zurückkehrt und sich beim Rettungsfachpersonal Notarzt bedankt). Das ist natürlich Schwachsinn.

Eine Asystolie zu defibrillieren, bringt gar nix. Warum?

Um das zu verstehen, muss man erstmal wissen warum überhaupt geschockt wird. Normalerweise arbeiten die Herzmuskelzellen natürlich nicht wie sie grad Bock haben, sondern richten sich nach dem Chef. Dieser Chef ist beim gesunden Herzen der Sinusknoten, der sich oben im rechten Vorhof befindet. Er wird auch als das primäre Reizbildungszentrum bezeichnet. Von ihm wird quasi der Takt vorgegeben (und dann über die Reizleiter usw… aber das führt grad zu weit. Ein andermal) und alle anderen, gewöhnlichen Herzmuskelzellen sind so vernünftig und hören auf ihn. xD
Das wäre dann der Sinusrhythmus.

Sinusrhythmus

Beim Kammerflimmern ist das aber nicht so – da kontrahieren die Herzmuskelzellen, wie es ihnen passt, was ziemlich scheiße ist, weil so einfach kein Blut durch den Körper gepumpt werden kann. Man kann das ein bisschen mit dem Tauziehen vergleichen: Wenn alle gleichzeitig ziehen, hat das Team ne Chance zu gewinnen, wenn aber alle unkoordiniert ziehen wann und wie sie Lust haben, wird das nix.

Kammerflimmern

Mit dem Elektroschock machen wir dann nix anderes, als den Herzmuskelzellen „Halt’s Maul!“ zu sagen. Und genau das tun sie dann für einen Moment. Nachdem sie alle gleichzeitig erregt wurden, sind sie alle gleichzeitig still und das ist die Chance für den Sinusknoten (oder seinen Vertreter, wenn er mal krank ist – kein Witz! xD), wieder das Kommando zu übernehmen.

Genauso siehts bei der pulslosen Kammertachykardie aus: da schlägt das Herz so schnell, dass es sich zwischen den Schlägen nicht mit Blut füllen kann und deswegen auch kein Blut durch den Körper pumpt. Pulslos, halt. Und auch hier wieder ein „Halt’s Maul!“ an die Herzmuskelzellen.
Wichtig ist, nicht nur aufs EKG zu schauen, sondern auch beim Patienten den Puls zu fühlen: ob ein Puls vorliegt oder nicht, kann das EKG nämlich nicht messen!

Bei einer Asystolie zu schocken würde also nix bringen, weil die Herzmuskelzellen eh die Klappe halten. Ohne bestehende elektrische Aktivität am Herzen bringt also die Defibrillation nichts.

Asystolie

Außerdem macht es keinen Sinn, bei einer sogenannten pulslosen elektrischen Aktivität zu schocken.
Was zur Hölle ist das nun wieder!? Aaaalso, mit dem EKG machen wir die elektrische Aktivität des Herzens sichtbar. Nicht mehr und nicht weniger. Es kann passieren, dass das Herz zwar eine elektrische Aktivität zeigt, aber den elektrischen Erregungen keine mechanische Aktivität folgt. Dann ist auf dem EKG zwar ein Rhythmus zu sehen, aber das Herz macht quasi trotzdem nix. Da bringt es auch nichts, zu schocken, weil die elektrischen Reize nicht das Problem sind, die das Herz hat.
Und auch hier muss per Hand *g* überprüft werden, ob ein Puls vorliegt.

*Trommelwirbel* Zusammengefasst kann man sagen, dass bei hyperdynamen (also zu schnellen) Herzkreislaufstillständen geschockt werden kann, und bei hypodynamen (also zu langsamen) nicht. *Tusch*

So, jetzt muss ich mich erstmal wieder erholen… xD

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Kommentare»

1. Ken - 06/10/2009

Hi Hermione,
vielen Dank für die schöne Erkärung 🙂 Für jemanden wie mich, der keine Ahnung hat genau richtig. Werde bei den nächsten Sendungen genau aufpassen, ob bei einer Nulllinie geschockt wird.

Ken

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ämpee - 06/10/2009

ich schliesse mich Ken an. In allen meinen „heiligen Büchern“, wie ich sie gerne nenne, fand ich zwar immer alles hochaktuell und genaustens erklärt. doch verstanden habe ich es nie. Und jetzt?!
*bing* ich habs verstanden!
Danke viel mals und weiter so!

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2. specialagentgibbs - 06/10/2009

Wenn die Katze nun noch eine 1a-„Maul zu Nase“ bzw. „Maul-zu-Maul“-Beatmung hinbekommt, hat sie vielen Menschen was voraus 😉 !

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Hermione - 06/10/2009

Das schafft Kitty bestimmt! xD

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specialagentgibbs - 06/10/2009

Dann mal ein Hoch auf die (tierischen) Ersthelfer 😉 !

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3. Chris - 06/10/2009

Sehr schöner und informativer Artikel!
Zu den diversen Filmen und Serien, wo auch gerne bei einer Asystolie geschockt wird: Die machen das auch gerne auf den Klamotten und reanimieren zusätzlich im Bett und ohne feste Unterlage. Denn da, wo normalerweise die feste Unterlage hingehört, sitzt im Fernsehen die Feder, damit der Patient bei jedem Schock einen halben Meter in die Luft springen kann 😉

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Hermione - 06/10/2009

Dankeschön! *rotwerd*

Irgendwie hab ich jetzt Bock, ne Runde „112 – sie verhunzen Dein Fernsehprogramm“ zu gucken… xD

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Chris - 06/10/2009

Das hab ich mir auch eben gedacht *lol*
Hab allerdings als Ausgleich ne Folge Medicopter 117 geguckt, das ist fast noch besser. Periduralanästhesie und Kaiserschnitt im Hubschrauber. Und das alles vom Doc im Alleingang, ohne jegliches Blut und mit einem blitzsauberen Baby. Das sind schon wahre Helden 😉

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Hermione - 06/10/2009

Ja, an diese Leistungen werden wir nie rankommen. Aber wir sind ja auch nicht „der Notarzt“. *kicher*

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rettungsscherge - 06/10/2009

Ich mochte die Folge wo der Pat nach der Gabe von „Ne‘ große Fenta, schnell!“ noch in der Notaufnahme mit dem Doc diskutiert hat. Wunderschön 🙂

Hermione, ganz große Klasse, absolut 2 Daumen nach oben!

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Hermione - 06/10/2009

Jetzt hab ich glatt vier Mal Fanta gelesen… -.-
Naja, besser spät als nie.

Dankeschön : )

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rettungsscherge - 06/10/2009

Immer das selbe …
–> Fenta

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4. vokalanaesthesie - 07/10/2009

Toll erklärt, wirklich. Du solltest ein (Fach)Buch schreiben. 😉

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Hermione - 07/10/2009

Dankeschön! xD
Aber bevor ich mich ans Fachbuch mache … bring ich erstmal die Ausbildung zuende. *g*

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5. treknor - 14/10/2013

und warum werden dann in hannover an den UBahnstationen Defi’s aufgehenkt? Mach ja offenbar keinen Sinn.. weil ganz ehrlich..diese Zusammenhänge kennt doch keiner .. (hat du übrigens ganz toll erklärt. <3)

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Hermione - 23/12/2013

Die öffentlich zugänglichen Geräte erkennen automatisch, ob das ein schockbarer Rhythmus ist oder nicht und geben dementsprechend auch keinen Schock frei, wenn es nichts bringen würde. : )

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6. Bookmarks vom 06. Oktober 2009 bis 09. Oktober 2009 - 09/08/2014

[…] Defibrillation […]

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