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Ich glaub’s ja nicht… 17/04/2010

Posted by Hermione in Lernen, Lernmarathon, Prüfungen, Schule.
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Anders als ursprünglich geplant ist knapp die Hälfte der Teams bereits heute in die mündliche Prüfung gegangen. Mein Teampartner und ich waren unter diesen Teams.
Einerseits echt blöd, weil ich eigentlich vorhatte, heute Nachmittag noch mal schön brav alle wichtigen Themen durchzugehen und meinem Wasserkocher ein bisschen was zur Herzinsuffizienz zu erzählen (wer macht das nicht?). Dieser Plan wurde also radikalst durchkreuzt…
Andererseits fand ich den Gedanken aber ganz angenehm, nicht bis morgen Nachmittag auf die Ergebnisse warten zu müssen, sondern schon heute Abend durch zu sein.

Aber der Reihe nach. Dies ist ja ein passwortgeschützter Artikel, also kann ich ein wenig mehr ins Detail gehen. Weil ich aber mehr ins Detail gehe als bei meinen alten Prüfungsposts, ist es mir besonders wichtig, dass das Passwort unter gar keinen Umständen weitergegeben wird. Ich will nicht geoutet werden. ; )

(Edit August 2016: Passwortschutz entfernt.)

Mein Teampartner und ich waren als viertes Team auf der Liste, und da immer drei Teams gleichzeitig in der praktischen Prüfung waren (wie auch beim letzten Mal gabs ein Mega-Code-Fallbeispiel, ein internistisches Fallbeispiel und ein chirurgisches Fallbeispiel), waren wir also bei Runde zwei dabei.

Unser erster Fall war das Mega-Code-Beispiel. Es war ein Einsatz am Flughafen, Polizei vor Ort, unklare Bewusstlosigkeit. Wir haben recht schnell rausgefunden, dass es sich bei dem Patienten um einen Drogenschmuggler mit Kokain-Intox handelte, und weil wir ruck-zuck die EGK-Elektroden angebracht haben, kamen wir auch in den Genuss eines beobachteten Arrests, den wir nahezu direkt geschockt haben (wenn man den kleinen Moment für das Anbringen der Therapie-Elektroden und die Analyse mal außen vor lässt). Also wie aus dem Lehrbuch. Wir (bzw unser Patient) hatte dann auch nach der dritten Defibrillation einen ROSC, den wir ebenfalls sofort erkannt und dementsprechend gehandelt haben – also Puls sowie Atmung überprüft (Puls ja, sonst wär’s auch kein ROSC gewesen; Atmung nein), mein Teampartner hat den Patienten weiterbeatmet und ich habe Blutdruck gemessen und das therapeutische Cooling (weil’s neuroprotektiv ist) eingeleitet. Klar haben wir auch Fehler gemacht, aber keine schwerwiegenden.

Als zweites kamen wir in den Raum mit dem internistischen Patienten. Akutes Abdomen, und auch hier haben wir an alles gedacht (engmaschiges Monitoring, Absaugbereitschaft, Seitenlage als der Patient bewusstlos wurde und sogar den Wärmeerhalt haben wir gerockt.) Unser Patient hatte übrigens einen Mesenterialarterieninfarkt (fleißige Galgenmännchen-Mitspieler dürften das Notfallbild noch kennen *g*).

Unser letztes Beispiel war ein Polytrauma nach einer Schlägerei. Der Ärmste hatte echt so ziemlich alles: offenes SHT, Blow-out-Fracture, Rippenserienfraktur mit Pneumo- oder Hämatothorax, eine offene Radiusfraktur 2. Grades… Also echt gut dabei.
Wir haben hier beide wirklich gut gearbeitet, an alles gedacht und im kurzen Frage-Antwort-Spiel nach dem Beispiel (gibts nach jedem Fallbeispiel) die Dozenten mit unseren genauen Arbeitsdiagnosen überzeugt. Nur unser Gerätemanagement fand ich nicht so berauschend, aber wir hatten echt kaum Platz in diesem Raum und so musste ich EKG und Koffer ein paarmal hin- und herschieben, um mich freier bewegen zu können. Wir haben uns bei diesem Patienten übrigens für das Spineboard entschieden (und natürlich auch für nen Stifneck, den wir direkt zu Beginn angelegt haben) und nicht für Schaufeltrage & Vakuummatratze. Cool auch, dass wir endlich einmal daran gedacht haben, erst den Körper auf dem Spineboard zu fixieren, bevor wir die Headblocks anbringen und den Kopf festschnallen. In umgekehrter Reihenfolge ist die Gefahr von Schäden der HWS nämlich echt hoch…

Ja. Danach waren wir mit allen drei Fallbeispielen durch und hatten jede Menge Freizeit bis zur mündlichen Prüfung. Mein Teampartner und ich sind zu ihm gefahren und sind in seinem Garten in der Sonne in gemütlicher Atmosphäre noch ein paar Themen gemeinsam durchgegangen. Ja, und vier Stunden später haben wir uns dann wieder auf den Weg zurück zur Schule gemacht.

Natürlich (wie sollte es auch anders sein), kam es zu Verzögerungen im Prüfungsablauf und deswegen kamen wir knapp vierzig Minuten später dran als geplant. Machte aber nix, so hatte ich die Gelegenheit, mein Brötchen runterzuwürgen und Traubenzucker zu futtern. *g*

Mein Teampartner wurde zuerst geprüft, er hatte echt Glück mit seiner Themenkarte und zwei Themen bekommen, die ihm leicht gefallen sind. Zyanidintoxikation und Bolusaspiration sind schon coole Themen, zu denen man viel erzählen kann. Hat er auch, auch wenn er in seiner Nervosität nicht immer drauf gekommen ist, was sein Prüfer von ihm hören wollte. Ging mir ja später auch nicht anders.

Aber der Reihe nach. Es gab da diese eine Themenkarte, die ich mir seit der Prüfungssimulation sehnlichst als Themenkombi für die mündliche Prüfung gewünscht hab. Ja, ich hätte sogar ne Niere dafür gegeben, diese eine Karte zu ziehen.

Und welche Karte greife ich? Genau, die Karte genau links neben der Karte, die ich mir gewünscht hat. Aber irgendwas, eine innere Stimme, mein Bauchgefühl, whatever, hat mir gesagt, ich soll lieber die Karte daneben nehmen. Also habe ich den Karteziehvorgang frühzeitig abgebrochen, die Karte daneben gegriffen und gesagt „Nein, ich möchte doch lieber diese Karte“.

Ja, und dann dreh ich diese Karte um und kann kaum fassen, was da steht. Mein erster Satz war dann auch „Ich glaub’s ja nicht!“, dann hab ich die Karte grinsend meinem Teampartner gezeigt und er hat auch gelacht.
Auf der Karte standen tatsächlich die Themen Herzinsuffizienz und Todesfeststellung. : D
Was für eine geile Kombination ist das denn? Ein Herzthema und Todesfeststellung, also meine beiden Favoriten unter den Themen. Und das auch noch vereint auf einer Karte. Und dann zieh ich auch noch genau diese Karte, weil ich mich im letzten Moment für eine andere Karte entschieden hab.

Ja, wenn das kein Schicksal war, was dann? : )

Todesfeststellung war übrigens mein großes, zwanzigminütiges Thema, weil mein Teampartner für seine Zyanidintox schon viel übers Herz-Kreislaufsystem erzählt hat. Lief gut, lief wirklich gut. Ich war zwar wahnsinnig nervös und hab gezittert wie blöde, und für manche Fragen hab  ich auch ein bisschen länger gebraucht weil ich mich vor Nervosität und Schlafmangel schwer konzentrieren konnte, aber trotzdem lief es gut.
Zuerst hab ich die sicheren Todeszeichen aufgezählt und zu den Livores und zu Rigor mortis noch die Eckdaten (wann tritt es ein, warum ist es so, usw) geliefert, hab einiges zum Totenschein des Landes Nordrhein-Westfalen erzählt und bin dann noch ausgiebig auf die Unterscheidung von natürlichem Tod, unnatürlichem Tod und ungeklärter Todesursache eingegangen. Ich hab sogar daran gedacht zu erwähnen dass vor einer Kremierung eine zweite Leichenschau stattfinden muss. Jahaa! *g*
Einfach ein tolles Thema, das viel hergegeben hat.

Witziges Detail: Der ÄLRD fragt mich, wie lang es dauert bis eine Leiche anfängt zu verfaulen, wenn sie einfach so auf dem Boden in einer Wohnung liegt. Mein erster Versuch, die Frage zu beantworten, lautete „Ich habe leider noch nie eine Leiche eine Woche lang in meiner Wohnung liegen gehabt“, hab dann gemerkt was ich gesagt hab und den Satz dann mit „glücklicherweise“ anstelle von „leider“ wiederholt. *g*

Herzinsuffizienz lief auch, ich hatte da erstaunlich viel zu zu sagen und konnte auch fast alle Fragen beantworten (wenn ich auch für einige ein bisschen länger gebraucht habe… *g*)

Kommen wir zum Eingemachten: Ich habe in allen drei Prüfungsteilen eine 2, und somit die Prüfung mit 2,0 bestanden. Yeah! : D

Mein Teampartner und ich haben erstmal unsere Bierflaschen aus dem Schulkühlschrank geholt (die wir in weiser Voraussicht dort deponiert hatten) und auf unseren Erfolg angestoßen. Er hat übrigens die gleichen Noten wie ich. : )
Die Laune war natürlich super, ich freu mich schon auf unsere Absch(l)ussparty morgen Abend, gemeinsam mit unseren Dozenten. Das wird sicher lustig, und es wird schön sein, mal ausgelassen und ohne Prüfungsstress zusammen zu sitzen und einfach nur Spaß zu haben.

Auf dem Heimweg hab ich im Hauptbahnhof vor Freude gesungen und getanzt, während ich auf meinen Anschlusszug gewartet habe. *g*
Jetzt bin ich aber echt fertig (und nicht mehr ganz nüchtern) und will einfach nur noch schlafen. Ohne mir den Wecker zu stellen. Luxus! : D

Das waren übrigens meine beiden Glücksbringer für die Prüfungen:

Kleiner Kalziummensch hat offenbar ebenfalls sehr gute Laune (heute Morgen sah er noch gestresster aus), und Hedwig guckt immer so. *g*

Gute Nacht! : D

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Kommentare»

1. Prüfungen… « rescue blog - 18/04/2010

[…] 18/04/2010 Posted by Hermione in Prüfungen, misc, off topic. trackback In dem Artikel “Ich glaub’s ja nicht…” habe ich ziemlich detailliert über meine Prüfung berichtet. Weil es detaillierter ist als sonst […]

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2. ickedette - 18/04/2010

hehe… wie toll …herzlichen glühstrumpf zur bestandenen prüfung. 🙂 … und ick will auch so nen kalziummmenschen haben *NEID*

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Hermione - 18/04/2010

Vielen Dank! 😀

Kleiner Kalziummensch ist süß, ne? ❤
Den hab ich von ner Freundin als Glücksbringer für die Prüfungen geschenkt bekommen.

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3. skalpellbitte - 18/04/2010

Wow, also dann mal: Herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Prüfung!!! 🙂

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Hermione - 18/04/2010

Vielen Dank!! 😀 *party*

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4. alltagimrettung - 18/04/2010

Von mir auch herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Prüfung 🙂 Haste du gut gemacht 🙂 Und feier schön 🙂

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5. Thea - 18/04/2010

Herzlichen Glückwunsch!!

Mti Anlass feierts sich immer noch am besten :-D.

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6. DelfinStern - 18/04/2010

Glückwunsch!

@ Hermione: so neben bei, dein postfach ist voll… wohl zuviele Anfragen wegen Passwort bekommen? 😉

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7. RDPfleger - 18/04/2010

Herzlichen Glückwunsch zur (vorzeitig) bestandenen Prüfung. Und vorallem zur klasse bestandenen Prüfung. War ja bei dem Lernaufwand und der Wissensgier ja eigentlich nicht anders zu erwarten.
Schöne Grüße,

RDPfleger

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8. mia - 19/04/2010

na, ausgezeichnet!!!! 🙂 Aber wer hatte bei dir schon was anderes erwartet? 🙂 Gratuliere und hoffentlich hast du schön gefeiert!

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9. NK - 19/04/2010

Glückwunsch!
Auch schön, wenn man das Schicksal mal auf seiner Seite hat. 🙂

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10. Chris - 19/04/2010

Auch von mir natürlich herzlichen Glückwunsch und Willkommen im Reich der Rettungsassistenten und -tinnen. Das RIP-Jahr sehe ich ja mal schon als so gut wie bestanden an 😉

Das schlimme an diesem Beitrag ist nur, dass man wieder mal sieht, wie viel man doch schnell wieder vergisst. Aber hat sich auch viel geändert die letzten Jahre. Das therapeutische Cooling z.B. gabs bei uns „damals“ (vor 7 Jahren) noch nicht und wurde bisher auch bei uns weder in der Fortbildung behandelt, noch wird es real umgesetzt.
Spineboards gibts bei uns auch nicht, sollen wohl aber jetzt bald kommen. Aber so unterscheiden sich eben die Rettungsdienstbereiche 😉

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11. Carolin - 19/04/2010

Hey,
noch mal herzlichen glückwunsch zur bestandenen prüfung.
und danke, dass ich den artikel lesen durfte, echt super interessant.
wünsch dir jetzt für raip-jahr viel erfolg und weiterhin soviel spaß am beruf, denn wenn man deinen blog verfolgt, dann bekommt man echt immer mehr lust, sich selbst weiter in die richtung notfallmedizin zu bilden.
lg caro

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12. Mocca - 19/04/2010

BRAVO!! Meinen herzlichsten Glückwunsch!

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13. blaulichtblog - 05/05/2010

Herzlichen Glückwunsch 😉
Die zweite Leichenschaue ist für manche Leute ja sogar ein Grund sich fürs Krematorium zu entscheiden.

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Hermione - 05/05/2010

Danke!
Wirklich? Sind das die, die auf Nummer sicher gehen wollen dass ihr Verwandter nicht doch ermordet wurde?

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