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Warum ich einen Organspendeausweis besitze [Themenwoche Organspende] 11/11/2010

Posted by Hermione in Themenwoche.
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Warum sollten wir uns eigentlich überhaupt Gedanken über Organspende machen?
Es ist nicht angenehm, über den eigenen Tod nachzudenken, keine Frage.
Bei diesem Thema kommen wir aber nicht drum herum, uns auch damit auseinanderzusetzen. Das muss halt einfach sein.


Und wenn wir es nicht jetzt tun und unsere Entscheidung festhalten oder darüber sprechen, werden unsere Angehörigen nach unserem Tod damit konfrontiert und müssen diese Entscheidung für uns treffen.
Ganz davon abgesehen, dass ich meiner Familie diese zusätzliche Belastung gar nicht aufbürden wollte, wär ich mir auch gar nicht sicher, ob sie diese Entscheidung dann in meinem Sinne treffen würden.

Wissen eure Angehörigen denn, wie ihr zum Thema Organspende steht? Habt ihr mit ihnen darüber gesprochen? Haben sie euch auch zugehört, oder war ihnen das Thema so unangenehm, dass sie dieses Gespräch nicht führen wollten?

Vielleicht denken sie sich ja auch, dass es noch zu früh ist, sich darüber Gedanken zu machen, die Entscheidung festzuhalten und darüber zu reden.

Klar, wer will sich schon gern vor Augen führen, dass vielleicht nicht noch vierzig, fünfzig Jahre auf einen warten?
Ich würde auch gern mit 85 Jahren im Schlaf sterben. Aber weiß ich, ob das wirklich so kommt?

Vor zwei Wochen wäre ich beinahe von einer Straßenbahn überfahren worden. Es hat nicht viel gefehlt, und meine letzten Worte wären „Oh fuck!“ gewesen. Davon abgesehen, dass ich gern mit eleganteren Worten aus dem Leben scheiden würde, und ganz davon abgesehen, dass meine Organe nach der Begegnung mit der Straßenbahn sicher nicht im brauchbarsten Zustand gewesen wären, hat mir diese Schrecksekunde eine klare Erkenntnis gebracht:

Es kann eigentlich jeden Moment vorbei sein.

Weiß ich, ob ich morgen an einer Hirnblutung sterbe? Ich könnte auch von einem Ast erschlagen werden (gar nicht so unwahrscheinlich zur Zeit) oder von einem Auto überfahren werden. Vielleicht kipp ich aber auch mit 90 beim Kartoffelschälen um.
Ich kann nicht in die Zukunft sehen, weiß nicht, wann und wie ich sterben werde.

Aber wenn es möglich ist, ich dafür in Betracht komme, dann möchte ich meine Organe spenden.
Deswegen besitze ich seit inzwischen elf Jahren einen Organspendeausweis, den ich regelmäßig erneuere (damit deutlich wird, dass meine Entscheidung immer noch aktuell ist) und den ich in meinem Portemonnaie zusammen mit meinem Perso und meiner Krankenkassenkarte deutlich sichtbar mit mir rumtrage.

Wenn ich tot bin, brauch ich meine Nieren ja nicht mehr. Aber vielleicht gibt es einen Menschen, der genau diese Niere zum Überleben braucht.
Wär doch schade, wenn der andere auch stirbt, nur weil ich im Leben den Gedanken an meinen eigenen Tod gescheut habe.

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Kommentare»

1. Lele - 11/11/2010

Ich besitze auch einen. 😉

Ich finde, du hast das echt gut geschrieben. 🙂

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Hermione - 11/11/2010

Danke! 😳

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2. blaulichtblog - 11/11/2010

Ich fahre jeden Tag um die 20km Rad. Da gibt es weniger „Oh fuck!“ Situation sondern eher „Dieser Spast!“ wenn man mal wieder von einem Auto geschnitten wird.

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blaulichtblog - 11/11/2010

Deshalb bin ich ebenfalls Organspender. 😉

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3. Hermione - 11/11/2010

Ich seh grad, das hier war mein 500. Artikel! *konfettischmeiß*

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Lele - 11/11/2010

Gratuliere!! 🙂

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4. eyeIT - 11/11/2010

Bin auch Organspender. Seit ca. 10 Jahren, oder mehr.

Auch Blutspenden sind wichtig! Es hat mir das Leben gerettet.

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5. Tina - 12/11/2010

Durch den Tod meines kleinen Bruders kenne ich die Seite der Familie, die diese Entscheidung treffen musste – meine Eltern und ich haben uns dafür entschieden. Daher habe ich auch seit fast 20 Jahren einen Organspendeausweis. Genauso wie der Rest meiner Familie…..

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6. Jan - 12/11/2010

Ich habe mir vor 2 Jahren einen geholt, und da stand dann drauf, dass man sinnvollerweise seine (nächsten) Angehörigen darüber informiert.
Hab ich auch gemacht, mit dem Ergebnis, dass es jetzt nochmal 3 potentielle Organspender mehr gibt.

Meine Empfehlung ist daher: Sprecht auf jeden Fall mit nahen Verwandten und guten Freunden drüber. Damit wächst nicht nur die Zahl potentieller Spender, sondern es gibt auch hoffentlich weniger potentielle Fälle, in denen ihr vielleicht plötzlich für einen anderen diese Entscheidung treffen müsst.

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