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„Das gibt jetzt mal keinen Pieks…“ 25/05/2012

Posted by Hermione in Rettungswache, WTF.
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Wollen wir nen Running Gag draus machen? Ratet mal die Uhrzeit …

Japp, wieder mal nachts um halb drei. Irgendwas stimmt nicht mit dieser Tageszeit. Haltet euch um diese Zeit besser von allem fern. Wer weiß, was euch sonst passieren könnte. ; )

Unser Patient gehört zu der Gruppe Mensch, die Samstagnacht in der Kneipe vom beinahe Stuhl kippen. Ja, ich weiß, was ihr jetzt denkt. Wir sind auch davon ausgegangen, dass er nen höheren Blutalkoholgehalt hat als unser Lieblingspraktikant Pettigrew IQ …

… hat er aber nicht. Der Gute ist nahezu nüchtern, ich würde seinen Zustand noch nicht einmal als „leicht angetrunken“ bezeichnen.
Also mal nachgefragt, wie’s dazu gekommen ist. Er weiß es nicht. Während wir seinen Blutdruck messen und das Pulsoxy an seinen Finger klemmen, erzählen seine Freunde uns, dass er auf einmal total blass wurde und angefangen hat, zu zittern.

Der geneigte Retter schließt an dieser Stelle dann eine mögliche Hypoglykämie in den Kreis der möglichen Diagnosen mit ein, und möchte gern den Blutzuckerwert erfahren. Wir wollen das auch. Also nehm ich mir unser BZ-Messgerät und informier den Patienten darüber, dass ich gern seinen Blutzucker messen möchte, und ihn dafür ein bisschen pieksen müsste.

Unser Patient ist da aber anderer Meinung. Ich habe selten jemand so panisch und abwehrend reagieren erlebt, wenn es um den BZ ging.
Klar, angenehm ist es jetzt nicht unbedingt, aber es ist auch kein Schmerz, der einem den Verstand raubt.

Also nochmal behutsam erklärt, dass es nur kurz und leicht wehtut, und ebenso behutsam erklärt, warum es gerade wichtig ist, dass wir seinen Blutzuckerwert kennen. Kein Einsehen. Mein sehr einfühlsamer, sehr verständnisvoller Kollege versucht sein Glück. Ohne Erfolg.

Patient brüllt immer noch vor Angst, als das NEF eintrifft. Notarzt und Assistent müssen in dem Moment wirklich davon ausgehen, dass wir unseren Patienten im RTW zu Tode foltern … Nicht, dass man uns sowas zutrauen müsste. ; )

Die beiden versuchen es dann auch mal, mit dem Erfolg, dass der Patient sich nun auch noch weigert, mit ins Krankenhaus zu kommen, aus Angst, dass man ihm dort den BZ misst, ihm sonstwie Blut abnimmt oder ihm sogar nen Zugang legt.

Tja, jetzt werden wir nie erfahren, welche Ursache sein Beinahezusammenbruch hatte. 

(Habt ihr auch so große Angst vor Nadeln?)

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Kommentare»

1. OP-Tisch-Pilotin - 25/05/2012

ich mags zwar nicht, aber von angst kann man da nun wirklich nicht sprechen. ich würde das legen eines zugangs nichtmal als schmerzhaft beschreiben.

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Hermione - 25/05/2012

Joah… Die Alternative für ihn war ja, wie Katha schon erwähnt hat, dass er die Ursache nicht erfährt… Würde mir persönlich auch mehr Angst machen als so ne Winznadel.
Wobei ich schon soweit gehen würde, es als schmerzhaft zu bezeichnen. Vielleicht (nadelabhängig) zwischen 0,2 und 1 auf der Schmerzskala. 😉

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OP-Tisch-Pilotin - 25/05/2012

okay, 0,2 – 1 passt! ist genehmigt! 😀

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2. delfinstern - 25/05/2012

Ich war gestern Blutspenden, demnach ein klares Nein. Die Nadel war wohl deutlich größer 😉

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Hermione - 25/05/2012

Witzig, ans Blutspenden musste ich auch denken. Die Kanüle ist ja ein Ofenrohr im Vergleich zu dem kleinen Ding…

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3. katha - 25/05/2012

Ich hab auch schon viel größere Nadeln in mir versenken lassen, zwei Piercings inklusive. Aber so ein Mininädelchen is doch echt harmlos und sofort vergessen! Wie kann man nur soooo ein Theater machen? Also mir wäre das ganze Drumrum mit erstmal fast-Umkippen und dann RTW+NEF viel unangenehmer als so ein winziger Pieks. Und vor allem die Unklarheit, wieso und die Angst, dass es nochmal passiert.

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Hermione - 25/05/2012

Ach, unangenehm (im Sinne von peinlich) muss es einem ja nicht sein, wenn man mal umkippt und ein besorgter Mensch den Rettungsdienst ruft. 🙂
Aber bei allem Verständnis für Menschen mit Angst vor Nadeln (ich hatte früher selbst panische Angst vor denen…), ich hätte auch mehr Angst davor, dass es vielleicht doch nicht an einem zu niedrigen Blutzucker lag, sondern was ernsteres wäre… Da dann doch lieber nen kleinen Pieks und Klarheit.

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4. blaulichtengel - 25/05/2012

Also ich kann den Patienten auch nicht so recht verstehen, denn der Pieks beim BZ messen ist ja echt fast nicht spürbar, am Ohr am wenigsten. Die meisten erschrecken eher immer beim Desinfektionsspray, wenn ich sage, dass es mal kalt wird.
Aber naja, wenn man so viel Angst hat, dann würde ich das auch schon als krankhaft Phobie bezeichnen.
Ich selbst hatte schon als kleines Kind nie Angst vor Spritzen. Naja und heute gehe ich regelmäßig Thrombozyten spenden und bekomme 2 große Nadeln in die Arme „gerammt, wobei ich da liebe nicht über die größe nachdenke, denn ich glaube, dass ist schon orange.

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5. Andre - 25/05/2012

Also ein Fan vom Gepieks bin ich nicht, aber nach Jahren ohne OPs ging es dann auch. Und BZ-Messungen durfte ich im Krankenhaus auch schon erleben. War harmlos, aber da hab ich ja auch eher mit/ums Auge gekämpft (mal kurz zusammengefasst: Totalamotio mit komplizierter Lage, damals erst mit Cortison IV vorbereitet, und dann mit so ziemlich dem ganzen Programm operiert.

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Hermione - 26/05/2012

Hm, dann waren die BZ-Messungen ja wirklich noch das Harmloseste bei Dir…

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Andre - 26/05/2012

Waren die auch. Im letzten halben Jahr ‚durfte‘ ich dann meine OP-Vorbereitungen nochmal testen. Erst gab’s noch ne ppV, und dann hat der Katarakt nach OP verlangt. Reicht mir jetzt erstmal wieder. Für OP 20 hab ich jetzt eine Shunt-OP bestellt, wenn der in 11 Jahren die 15 Jahre voll hat, die sein Vorgänger geschafft hat. Beim Shunt durfte ich mir den Venenzugang wenigstens nach links in den Handrücken wünschen, die Anästhesisten bei den Augen-OPs haben den lieber rechts gelegt…

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6. Cashgirl - 25/05/2012

Wahrscheinlich hatte der Patient wirklich eine ‚echte‘ Phobie, also eine krankhafte Angst vor der Nadel bzw. dem Stich in die Haut. Dafür spricht ja, dass der Angstzustand deutlich länger angehalten hat, als ’nötig gewesen wäre‘ und der Patient sich nicht wirklich gut beruhigen ließ. Hatte der Patient denn einfach ’nur‘ Angst oder hat er z.B. auch gezittert/gebebt oder so was? Und ist der Patient dann letztendlich nicht mit ins Krankenhaus gekommen?
Solche Spritzenphobien kommen leider häufiger vor als man denkt, ich selbst habe/hatte auch damit zu kämpfen. Oft hat man sich einfach selbst nicht mehr unter Kontrolle, da denkt man auch nicht unbedingt dran, dass es eigentlich viel schlauer wäre, sich pieksen zu lassen und dafür zu wissen, was mit einem los ist. 🙂

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Hermione - 26/05/2012

Sagen wir’s mal so, seine Tätowierung am Arm dürfte dagegen sprechen, dass es sich um eine echte Phobie gehandelt hat…
Ausschließen kann man’s natürlich nicht, aber ich würde eher auf ne einfache Angst tippen…
Mitgekommen ist er dann nicht, er hat sich mit Händen und Füßen geweigert. Naja, was will man machen.

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Katja - 06/12/2012

Auch wenn’s schon älter ist, ich habe es erst jetzt gelesen…
Ich habe ebenfalls eine echte Phobie was Nadeln angeht, mit Gänsehaut am Kopf, Denkaussetzern, unkontrolliertem Verhalten, etc.
Aber mit dem Tätowieren habe ich keinerlei Probleme. Das dürfte daran liegen, dass dabei die Nadeln nicht so richtig stechen sondern fast schon kratzen, was kein Problem darstellt (zumindest gedanklich).
Auch ist der Schmerz ein gänzlich anderer und kann ganz anders abgeleitet werden.
Mit dem Pieks einer Spritze, von dem ich rational natürlich weiß, dass er kaum spürbar ist im Gegensatz zu den vielen Malen am Tag, wo man sich stößt, umknickt oder sonstwas, was ich aber wiederum nicht als großen Schmerz empfinde, kann ich dagegen kaum umgehen.
Da hilft es nur die Spritze aus der Hand zu legen, das ist für mich extrem wichtig, und dann erst mit mir, dem Patienten, zu reden. Noch besser ist es, die Spritze/ den Pen/ die Lanzette gänzlich wegzuräumen, damit sich ein gewisses Vertrauen aufbauen kann. Zumindest bei mir ist es dann so, dass ich wieder einigermaßen normal reagiere und Möglichkeiten anbieten kann, damit die Behandlung dennoch klappt.
Mir ist klar, dass dies völlig irrational ist, aber das ändert nichts an den Tatsachen. Es ist total peinlich, aber kaum zu ändern.

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7. BRC_MEDIC - 25/05/2012

Ich muss mal den Kollegen aus Liverpool danach fragen (er scheint genetisch mit Deinem Prakti verwandt zu sein); er hat es doch geschafft 7x die Lancet falsch rum zu halten und sich selber zu penetrieren (er hat auch im weiteren Verlauf einen Patienten falschrum (Kopf -> Fussende) auf die Trage gelegt.

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Hermione - 26/05/2012

Ich mag Deinen Kollegen. Vielleicht sind er und unser Prakti wirklich bei der Geburt getrennte eineiige Zwillinge. 😀

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8. Rebecca Schnell - 26/05/2012

Hallo liebe Hermione 🙂

Leider muss ich hier deine Frage mit einem grossen JA beantworten. Gehöre leider zu den Kandidaten die nur schon bei der Erwähnung von Nadeln nervös werden.
Hatte zwar vor einer weile den Kurs zum Sanitätsassistent gemacht und bin wenigstens soweit, dass ich Nadeln wieder anfassen kann und andere stechen, aber mich stechen lassen ist für mich der absolute Horror. Sogar der damalige Kursleiter hatte verzichtet darauf, mich wirklich zu stechen (Figuranten wurden alle gepiekst >.<) im waren die EKG-Werte nicht mehr geheuer und der kannte eigentlich keine Gnade. Von 80 auf 179 in 2 Sek XD
Ich versuche die Angst los zu werden, aber ich habe leider beim letzten Arztbesuch total versagt und war wiedermal am durchdrehen. :-/

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9. silver price - 29/05/2012

Mir tun Ärzte leid…Ich weiß, dass die meisten keine bösen Menschen sind, sondern unter Systemzwängen ihren Job nicht in dem Maß nach gehen können, wie sie sich das mal gedacht haben…Zumindestens die Altruisten und Weltverbesserer -unter ihnen- haben im Grundstudium vermutlich wirklich davon geträumt Menschen zu helfen/zu heilen/zu unterstützen…Dann gibt es natürlich den Typus: Dynastie Arzt…Tradition verpflichtet und wenn schon Großvater und Vater Neurologe ist, dann wird der Sohn das auch…Dies kann zu Verbitterung, Pragmatismus oder Beidem führen….

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10. Pebbles - 29/12/2012

hab jetzt erst den Blog entdeckt. Ich leide auch unter einer absoluten Phobie vor Nadeln und medizinischem Personal im Allgemeinen. Bei mir hängt es aber von absoluter Sympathie/Vertrauen ab, ob ich mich stechen lasse. Bei Fremden, die womöglich noch laut und unfreundlich werden neige ich sehr schnell zu aggressiven Abwehrverhalten, wenn die mir mit einer Nadel nicht von der Pelle rücken. Ich hab in dem Moment auch keine Kontrolle darüber. Da ist mir auch komplett egal, ob eventuell mein Leben davon abhängen würde. Die Angst vor Nadeln und Ärzten ist bei mir wesentlich größer als die vorm Tod. Wenn ich die Leute gut kenne und weiß, daß sie Verständnis haben oder sie wenigstens einfühlsam und behutsam mit mir umgehen , dann besteht zumindest die Chancce, daß ich sie an mich ran lasse. Am allerbesten gehts aber wenn ich vorher Emla Plaster draufkleben kann, nur das braucht 1h Einwirkzeit.
Grund ist bei mir: einige sehr traumatische Erlebnisse mit Ärzten und Nadeln.

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11. Lovely xd 07 - 12/07/2016

Ich habe den block jetz erst gefunden.
Ich kann den patienten gut verstehen, ich habe selbst angst aber ich würde es versuchen ruhig zu bleiben, zwar hatte ich noch nie eine sitation wo der rettungsdienst mir helfen müsste aber dafür meiner familie, vieleicht hat er ne schlechte erfahrung gemacht kann man ja nie wissen. Ich reagiere seit kurzem schon panisch wenn ich mich in der schule verletze und die schulsanitäter kommen, aber ich lass mir trotzdem helfen. Ich find es besser zu wissen was mann hat als es nicht zu wissen. Unsere schulsanis sind im gleichem alter wie zwischen 15-16jahre

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Hermione - 18/07/2016

Ja, ich denke auch, dass er entweder eine schlechte Erfahrung gemacht haben muss, oder dass er doch irgendwelche Drogen genommen hat und Angst hatte, dass das bei einer Blutuntersuchung rauskommt und er dann in Schwierigkeiten ist.

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12. Denise Daniel - 12/07/2016

Ich kann ihn verstehen, hab selber angst aber würde mir lieber helfen lassen und wenn es halt auch ein pieks sein müste

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13. HeroesWanted - 22/08/2016

Ich kriege alle drei Monate eine Hormonspritze und über ein Jahr hinweg wurde mir wöchentlich Blut abgenommen, weil meine Thrombozyten gerne Richtung null wandern (jetzt gibt’s die Kontrolle nur noch alle drei Monate). Das leichte Unbehagen vor Spritzen hab ich schon lange verloren, sonst würde ich ja gar nicht mehr zu Ruhe kommen.

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