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Suizid 11/02/2013

Posted by Hermione in Rettungsdienst.
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Um es direkt am Anfang vorwegzunehmen: Einen vollendeten Suizid hatte ich noch nie. Also, als Patienten. Bzw, dann eben nicht mehr Patienten.

Suizid-Ankündigungen sind jedoch leider häufiger zu verzeichnen.

Auch wenn’s eher bedrückend ist, möchte ich diesem Thema meine nächsten paar Artikel widmen. Eigentlich sind diese Einsätze nämlich ziemlich interessant.
Gerade bei so einem sensiblen Thema werde ich darauf achten, dass die Eckpunkte so sehr verfälscht sind, dass niemand Rückschlüsse auf die wahre Identität meiner Patienten ziehen kann. Außerdem werden die Artikel passwortgeschützt sein, damit Auszüge davon nicht ergooglet werden können.
Kostet mich zwar wahrscheinlich einiges an Zugriffszahlen, schützt aber meine Patienten noch zusätzlich zu allen Verfremdungen. Und das ist es mir wert.

Das Passwort für alle entsprechenden Artikel wird schlicht „Suizid“ sein, ohne Anführungsstriche.
(Diesmal kommt der Passwortankündigungsartikel vor dem geschützten Artikel, um Missverständnisse zu vermeiden.)

Ich weiß nicht, inwiefern das nötig ist, aber ich möchte für diese Artikel auch eine Triggerwarnung aussprechen. Also, schaut bitte nicht rein, wenn ihr in irgendeiner Form davon getriggert werden könntet.

Es ist ein heikles Thema, aber ich möchte es nicht totschweigen.
(Das war jetzt ein unbeabsichtigtes Wortspiel.)

Der erste Artikel dieser Reihe geht morgen online, voraussichtlich in den Abendstunden. Hängt davon ab, wie schnell ich morgen meine To-Do-Liste abgearbeitet bekomme. Und es ist eine laaaaaaaange Liste.

Bis dahin vielleicht die Frage an die mitlesenden Rettungskräfte (und das schließt Polizei und Feuerwehr mal mit ein), welche Erfahrungen ihr in dieser Hinsicht schon machen musstet? Damit meine ich jetzt nicht nur Ankündigungen (aber auch!), sondern auch besonders den vollendeten Suizid (das Wort „erfolgreich“ erspar ich uns in diesem Zusammenhang mal).

Ich hab von meinen direkten Kollegen ziemlich traurige Geschichten gehört, Einsätze, die einen wirklich mitnehmen und die man nicht einfach mit der Dienstkleidung im Spind lassen kann.
Wie geht ihr damit um?

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Kommentare»

1. M - 11/02/2013

Ehrenamtlicher ex BRKler, mit nem Bereitschaftskollegen aufm Weg zum Pokerabend gewesen.War ca. 2130, alles fett verscheit. Am Bahnübergang kurz vorm Haus vom Spezl sehen wir die S-Bahn halb aufm Übergang stehen…

Hat sich rausgestellt:
1) Suizid

2) Person ca. 150m an den Schienen entlanggewandert, hatte sich dort auf die Schienen gelegt

3) Person „nur“ mit Genickbruck, ansonsten war die Leiche unbeschädigt

4) Spurenvernichtungskommando Feuerwehr => die Polizei hatte null Chancen zu sehen woher die Person gekommen ist (der Fundort war zwischen zwei 500m entfernten Bahnübergängen)

5) der Lokführer war die ärmste Sau von allen: 2 Monate zuvor hatte er schonmal, nicht 1km weiter, nen Suizidanten und wurde krankgeschrieben. Kaum 2 Stunden wieder im Dienst (er kam frisch aus der Psychiatrie!) kam ihm schon der nächste unter die Räder

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Hermione - 11/02/2013

Oh verdammt… Für die Lokführer muss das der furchtbarste Moment überhaupt sein. Genau zu wissen, dass man nicht mehr rechtzeitig bremsen kann. 😦
Und diesen speziellen Lokführer hat es dann natürlich besonders hart getroffen. Verdammt. 😦

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Krangewarefahrer - 11/02/2013

Bei uns hat mal ein Unfallmanager der Bahn in einer Fortbildung erzählt, dass einem Lokführer in seinem Berufsleben im Schnitt 4-5 Suizidanten vor den Zug springen. Das finde ich schon sehr heftig, da sie ja wirklich nur zugucken und nichts tun können.

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2. saraangelina - 11/02/2013

Hatte zum Glück nie direkt mit zu tun. Ein älterer Patient kam deswegen zu uns, und starb nach Verlegung auf andere Station. War irgendwie ein komischer Moment den Tod zu erfahren und froh zu sein, dass er zu seiner Frau kann, aber nicht wissen, ob man das jetzt so sagen kann, denn immerhin ist ein Mensch gestorben. Was berührt.

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Hermione - 11/02/2013

Ich hab schon ein paar mal von älteren Menschen gehört, die sich umgebracht haben weil der Partner nach doppelt sovielen Jahren Ehe als ich Lebensjahre vorweisen kann (teilweise unerwartet) verstorben ist. Und da muss ich auch ganz klar sagen, dass ich Verständnis für die Situation habe, sich nach so vielen Jahren plötzlich ohne den Partner hilflos und entwurzelt zu fühlen. Traurig ist es dennoch.

(Diesen Kommentar hab ich jetzt ungefähr hundertmal umgeschrieben, um nicht missverstanden zu werden.)

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3. M - 11/02/2013

Nächste Episode in Sachen Zugsuizidanten, diesmal von meinem Vater (ehemaliger Streifenpolizist), muss so an die 20 Jahre her sein: München Haar (aka Bezirksklinikum), gelegen (wie passend) an einer 4-gleisigen Bahnstrecke (2x S-Bahn, 2x Fernverkehr). Eines Tages im Hochsommer warf sich ein Ausgebrochener vor einen Zug… also durfte ne ganze Kompanie Cops die Schienen absuchen. Ihm schauderts heut noch wenn er dran denkt wo die Teile gelegen sind und in welchem (geruchlichem) Zustand die gewesen sind. Und wie es den Typen über die hunderten Meter verteilt haben muss…

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Hermione - 11/02/2013

Mir graut es ehrlich gesagt auch vor dem Tag, an dem ich mit meiner ersten Bahnleiche konfrontiert werde.
Nicht nur im Rettungsdienst, sondern auch als Pendler.
Die Schienen vor und hinter meinem Heimatbahnhof sind da leider sehr beliebt…
Ich erinner mich an eine sensationsgeile Anwohnerin, die unbeirrbar versucht hat, durch die polizeiliche Absperrung zu gelangen, und auch schon überlegt hat ob sie irgendwie vor bzw hinter dem Bahnhof über die Gleise zur Einsatzstelle laufen könnte. Ich war einfach nur entsetzt über so schmerzbefreite Schaulust, und sie hörte gar nicht mehr auf mich zuzulabern, dass sie gehört hätte dass der junge Mann vom Güterzug über mehrere hundert Meter verteilt wurde, und dass sie unbedingt einen Weg finden muss, näher ranzukommen, weil sie sich das unbedingt angucken muss.

Ich verstehe es wirklich nicht.

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4. blaulichtengel - 11/02/2013

Ich habe leider bereits bei einer meiner ersten Schichten auf dem Rettungswagen als Dritte den ersten Suizid erlebt. Ein Mann hatte sich an der Garderobe direkt hinter der Eingangstüre erhängt.
Ich wurde durch die Besatzung vorgewarnt und bin bewusst mit in die Wohnung gekommen, auch danach gab es ein Nachgespräch (und einen Kuchen für meinen ersten Toten).
Leider verfolgt mich diedes Thema immer wieder, ziemlich oft Androhungen, aber auch Zugtote oder einen erschossenen Polizisten (nicht im Rettungsdienst, aber in meiner anderen beruflichen Ausbildung)

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5. Kenner des Reisbärn - 11/02/2013

Bisher keinen Suizid „erwischt“, einmal haben wir (freiwillige Feuerwehr) systematisch in einem Anwesen Türen geöffnet. Auf unserem Auto eine recht junge Truppe, Türen immer nur Schließmechanismus überwunden und die Polizisten haben sie dann geöffnet. Die Person wurde später in einem Wald gefunden. Waldstücke hab ich nachts auch schon einige durchsucht, aber nie selbst angetroffen.
Als Pendler hatte ich bisher Glück, liegt wohl daran das ein ICE meist vorauswährt und ich meist Milchkannen-Express fahre.

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6. Krangewarefahrer - 11/02/2013

Neben diversen Versuchen kann ich leider auch schon einige Patienten vorweisen, die es „geschafft“ haben.

Den ersten hatte ich direkt im RiP-Jahr. Hatte sich vor einen Zug geschmissen. Zuerst hinter einer Mauer gewartet und kurz bevor der Zug die Stelle erreichte frontal vor den Zug gestellt. Der Zug stand rund 400 m weiter und der Aufprall war so heftig gewesen, dass der Koppelmechanismus vorne am Zug teilweise abgerissen war. Weitere Details erspare ich euch lieber. Für den Lokführer war es der dritte Suizidant.

Ein Mensch, der sich sonntagmittags in einem Wäldchen am Ortsrand mit der Leine seines Hundes erhängt hatte. Der Hund hatte die ganze Zeit bei seinem Herrchen gesessen, bis ein kleines Mädchen vorbei kam und Hilfe rief. Später war der Hund dann so aufgeregt und verstört, dass er beinahe von einem Polizisten erschossen worden wäre. Ist zum Glück gut gegangen. Selbiger Polizist wollte dann auch nicht auf uns oder die Notfallnachsorge warten und ist allein zur Ehefrau des Toten gefahren. Hatte dann zur Folge, dass wir dann auch mit Sondersignal dorthin gefahren sind. Dank dem ganzen Lallülalla und dem RTH, der als Notarzt kam, stand dann irgendwann auch das halbe Dorf am Wäldchen :-/

Noch ein Mann, der sich erhängt hatte. Als wir ihn abschnitten und auf den Boden legten lockerte sich die Schlinge und der Tote „stöhnte“ quasi, weil die durch die Schlinge eingeschlossene Luft aus der Lunge entwich. Daraufhin dachte ein Polizist total entsetzt, dass der Tote noch atmet.

Zum Glück denke ich nicht so oft daran.

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7. ulf_der_freak - 11/02/2013

Einer meiner Patienten ist mal zum Fenster raus. Das habe ich hier beschrieben.

Ansonsten habe ich bei einem meiner eigenen Versuche geschafft, von der Geschlossenen zu türmen und damit dann eine Einsatzhundertschaft, Hundeführer und Helischrapschrapp eine ganze Weile beschäftigt.

Nach meinem letzten Anlauf (das Insulin eines Mitpatienten) habe ich eine Weile gebraucht und dann so lange gequengelt, bis ich Lithium bekam. Seitdem habe ich zumindest mit Suizidalität Ruhe.

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8. Gotham City Rescue (@GothamRescue) - 12/02/2013

Bei uns in der Stadt gibt es eine U-Bahn, unter der wir schon so manchen Toten (oder gelegentlich auch Lebenden!) hervorgezogen haben. Aufgrund der geringen Fahrgeschwindigkeit im Bahnhofsbereich sind die Personen dann zum Glück meist relativ „unversehrt“ und mehr oder weniger in einem Stück.

Mir tun die Zeugen & Zugfahrer immer am meisten leid und ich krieg dann manchmal ne richtige Wut auf den Springer, auch wenn das sicher unprofessionell und unpassend ist. Aber was muss der da andere mit reinziehen und traumatisieren? Neulich haben wir einen jungen Mann gefahren, der 5 Meter daneben stand, als der Suizidant direkt vor die U-Bahn sprang. Er (also der Zeuge) erzählte, der Springer hätte ihm Sekunden vorher noch ins Gesicht gesehen und ihn angelacht, und als der Typ dann auf die Gleise sprang, konnte der Zeuge einfach nicht wegsehen und hat jetzt dieses Bild für immer eingebrannt. Und der Zeuge befand sich aus anderen Gründen sowieso seit längerem in psychiatrischer Behandlung und war also mental eh schon angeknackst. Ist doch Scheisse…

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9. Leyla - 12/02/2013

Ich hab als Kleinkind (so 2-3 Jahre) einmal miterlebt, wie eine Frau bei rot über die Straße lief. Nichtsahnend stand ich damals mit meiner Mami an der Ampel, wir wollten grad zur Post gehen, als eine fremde Frau plötzlich zu laufen beginnt… ob es nun Suizid oder einfach nur Dummheit war, weiß ich nicht. Aber obwohl ich damals so klein war und noch gar nicht wusste, dass es Menschen gibt, die sich absichtlich töten, kann ich mich noch genau erinnern… diese Szene, dieses Bild ist in mein Gedächtnis eingebrannt.
Ein LkW hat sie überrollt.

Ich weiß nurnoch, dass wir ein wenig später mit dem Bus wegfuhren und da gerade der RTW kam und ich noch fragte, ob der sie jetzt abholt…

Es war schon krass… theoretisch wären wir ja Zeugen gewesen, aber ich glaube wegen meines Alters wollte meine Mum mir das ersparen…
(und es gab ja genug andere!) -> Kreuzung..

[Jahre später]:

Letztes Jahr hat sich ein Jugendlicher bei uns in der Nähe erhängt… auf dem Spielplatz direkt vor meinem Haus. Seine Mutter hat ihn gefunden. Das stelle ich mir schrecklich vor! Das eigene Kind an der Schaukel baumelnd zu finden… jedes Mal, wenn dort heute Kinder schaukeln, muss ich an ihn denken. Ich kannte ihn nicht sehr gut, aber ab und zu hat man sich ja doch gesehen.

Naja, wie ich damit „umgehe“… – da brauche ich irgendwie nicht viel. Klar, es ist schlimm. Aber mal krass gesagt: solage es kein Angehöriger ist, ist es okay.

Nein, ich bin NOCH kein Mediziner. Aber ich will unbedingt mal etwas in der Richtung machen. Hab grad ein Praktikum hinter mir – tolle Erfahrung! – und habe gemerkt, dass ich erstaunlich gut mit dem Tod umgehen kann.

Was ich mir schlimm vorstelle ist, wenn die Angehörigen dann am „Unfalls“ort sind und die Verzweiflung, die Trauer…

Aber auch das gehört dazu, oder? Vielleicht hat man den ein oder anderen Fall, den man nie vergisst… aber naja, ich schätze da ist jeder anders! Mein Tipp: Ablenkung! – Nicht zu viel darüber nachdenken!

Oh Gott ist das lang geworden – sorry!

Liebe Grüße, Leyla

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10. MFG - 13/02/2013

Ich könnte auch einige Geschichten zum Thema erfolgreichen Suizid beitragen, könnte jedoch einige Geschehen nicht so verfremden, als das umgehend Rückschlüsse auf Standort und Patienten möglich wären.

Ich habe im Endeffekt schon fast alle Arten von Suiziden erlebt. Egal ob weitläufig verteilte Bahnleiche, Brückenspringer, Erhängte, sich selbst Vergaste, von der Autobahnbrücke vor LKW springende oder sonstige, teilweise abscheuliche Arten sich das Leben zu nehmende Arten.

Im Endeffekt ist es völlig egal, wie, warum, weshalb. Ich kann vollendete Suizide am besten damit verarbeiten, zu wissen, dass es die betreffende Person so wollte! Ich finde jeden überlebten Versuch, tlw. mit Entstellungen, etc viel schlimmer zu verarbeiten, da man mit dem Leid, der Hintergründe zur Suizidentscheidung, etc. konfrontiert wird.

Schwieriges Thema, aber besonders notwendig wenn man bedenkt, dass sich jährlich die Einwohnerzahl von Nürnberg das Leben nimmt (geschätzt wg. hoher Dunkelziffer) Eigentlich schon krass

LG MFG

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11. Dom - 13/02/2013

Leider haben es bei mir schon ein paar geschafft. Vom viel zu jungen Mädchen, bis zum recht alten Mann. Glücklicherweise war ich noch bei keiner Bahnleiche dabei – ich brauche es auch nicht.
Nur einmal waren wir schnell genug und konnten das schlimmste verhindern.

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12. Hannah - 23/02/2013

Ich bin seit gerade einmal einem halben Jahr beim aktiven Dienst und habe schon zwei Suizidpatienten eingeliefert.
A) Der Patienten war Obdachlos, hatte eine Freundin und ein neugeborenes Kind. Er schluckte Tabletten, als wir an kamen, war er top fit und schmiss und Gegenstände nach, darauf hin riefen wir die Polizei nach. Denen rannte er mit einem Messer nach (noch in Orginalverpackung), sie stürzten sich auf ihn und wir banden ihn an die Trage fest. Der Notarzt, welchen wir mit hatten, hatte angst und stand im Hintergrund. Die Tabletten waren nur Homeopatisch und konnten ihn nichts anhaben, so wurde er gleich in die Psychiatrie überwiesen.
B) Dieser Patient lag schon Bewusstlos im Badezimmer. Er hatte schon einmal versucht sich umzubringen. Der Notarzt stellte fest das die Pupillen sehr geweitet sind. Nach 5-10 Minuten verlangsamte sich der Puls immer mehr. Der Notarzt machte sich zum intubieren bereit. Dann ging der Patient in Herzstillstand. Er intubierte ihn. (Es war gleichzeitig meine erste Reanimation) Während dem Beatmen sagte dann der Notarzt (was mich noch mehr schockierte, als der Suizidversuch des Patienten), dass er selber gerne hier liegen würde und tot sein würde. Neben dem ganzen Team und Angehörigen des Patienten. Nach einmal Schocken schlug sein Herz wieder und wir lieferten ihn dann in Krankenhaus ein. Das ganze Team war geschockt von der Aussage des Notarztes.

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13. Chaoskatze - 28/02/2013

Ein interessantes Thema, das leider noch viel zu oft ignoriert wird….
Ich hatte einen Fall von der anderen Seite – eine Freundin von mir war äußerst seltsam, reagierte komisch und wich allen möglichen Fragen aus. Nachdem sie sehr instabil war, beschloss ich irgendwann, dass mir die Gefahr zu groß war, konnte auch nicht direkt handeln (wohnen nicht in der Nähe) und so ließ ich sie einweisen.
Zum Glück wurde sie noch rechtzeitig gefunden und es hat sich auch gezeigt, dass es die richtige Entscheidung gewesen war, hätte ich das nicht gemacht, hätte ich mir es nie verzeihen können.

Ansonsten, gerade bezüglich des Erzählens der Suizidarten etc… Wir Blogger sind vielleicht keine Medien an sich, aber dennoch sollten wir den Werther-Effekt beachten, finde ich…

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14. Sabrina Icks - 07/03/2013

Ich bin zwar erst seit ganz kurzem Rettungsassistentin, aber allein in meinem Anerkennungsjahr bin ich zu diversen vollendeten Suiziden gerufen worden. Die Arten zu sterben reichten von Sprung aus der 11. Etage über Tablettenintoxikationen bishin zum Tod durch Erschießen oder Aufschneiden der Pulsadern (>> Großstadt mit sozialen Brennpunkten…). Was mir aber wirklich im Gedächtnis blieb, war ein Einsatz vor ein paar Wochen. Dieser Einsatz hat meine Sichtweise bzgl. der Selbsttötung vollständig verändert und ich empfinde tiefen Respekt den ‚Patienten‘ gegenüber.
Es war ein kühler Februarmorgen, als der Melder ging. „Notarzt-Einsatz – verm. Doppelsuizid in der Whg“. Die Polizei war schon vor Ort, und als wir in die Whg eintraten, bat sich uns ein Bild, das mich im ersten Moment sehr irritierte, da ich wieder einen hässlichen Anblick erwartete. Doch vor uns saß ein älteres Ehepaar auf dem Sofa, Hand in Hand und offensichtlich friedlich für immer eingeschlafen. ER hatte die Beine hochgelegt, SIE hatte den Kopf zu ihm geneigt und lächelte leicht. Sie waren schick angezogen, die Whg war 1a aufgeräumt und geputzt, auf der Fensterbank lagen drei gut beschriftete Stapel mit den Hinterlassenschaften für ihre Söhne. Der Bruder des Mannes hatte den Vorfall bei der Polizei gemeldet, woraufhin wir dorthin alarmiert wurden. Er erklärte, dass beide schwer krank waren (Parkinson seit 15 Jahren, Krebs, etc) und das von langer Hand geplant hatten. So hatten sie ein Testament aufgesetzt, ihre Särge bestellt und bezahlt, sowie sich von ihren Liebsten verabschiedet, um die Trauer möglichst gering zu halten. Es war die ganze Zeit sehr ruhig an der Einsatzstelle, auch wenn die Anzahl der Einsatzkräfte ständig stieg (Streifenwagen, unser RTW, das NEF, die Kripo – die Standardprozedur bei ungeklärter Todesursache). Ich kann diese Art zu sterben nur mit einem Wort beschreiben: Würdevoll. Jeder, der Angst oder Probleme mit dem Tod hat oder Selbstmord generell ablehnt, hätte diese Menschen sehen müssen, die in tiefer Liebe den letzten Schritt zusammen gegangen sind, indem sie eine Überdosis ihrer Medikamente eingenommen hatten.
So, ich hoffe ich konnte den ein oder anderen zum Nachdenken anregen. 🙂 Liebe Grüße, Sabrina

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Leyla - 24/04/2013

Ich glaube ich kenne das Ehepaar von dem du sprichst. Zwar nicht direkt aber über die beste Freundin einer Freundin. Deren Großeltern väterlicherseits waren das. Die ganze Familie hatte davon gewusst, es kam nur für alle überraschend, als die beiden ihren Plan dann wirklich in die Tat umsetzten… der Ehemann hatte auch per Computer einen Brief an die Kripo verfasst, da er seiner Frau die tödliche Medikamentendosis verabreicht hat und es sogesehen Sterbehilfe war. Das Schlimmste war, dass sich der Sohn des Ehepaars schreckliche Vorwürfe macht, weil er gemerkt hat, dass sich sein Vater am Tag zuvor anders verhalten hat als sonst.
… als meine Freundin mir das alles erzählte war ich nicht wirklich geschockt. Wahrscheinlich ist diese Einstellung dem Praktikum auf der Geriatriestation zu verdanken, aber ich sehe das genau wie du – eine würdevolle Art zu sterben. Gemeinsam. Ohne Jahre in Einsamkeit. Ohne allzu starke Schmerzen.

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15. sunnyday4569 - 15/05/2013

Wie schrecklich… Ich habe selbst Depression. Es wurde mir nicht von einem Arzt diagnostiziert aber weiß schon lange dass ich an einer leide. Ich habs durch einen Depressionstest bestätigt. Die Auswertung war doch klar, sie hat eine hohe Tendenz dazu aufgezeigt. Was ich noch nie verstanden habe ist wie kann man sich endgültig entscheiden, sich das Leben zu nehmen. Ich konnte noch nie plannen, wie ich sterben könnte (nun ja,ich denk oft dass ich lieber nicht auf dieser Welt sein würde aber trau mich auch nicht so extrem zu reagieren).
Schrecklich und verzweifelnd muss das Gefühl sein, denn Depression allein bringt nicht solche extreme Gedanken.
LG, María

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