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Die Pomodoro-Technik [Lerntechniken] 01/08/2016

Posted by Hermione in #medlife, Hermiones Lernmethoden, Lernen, Manage Mischief, Medizinstudium, Prokrastinationsscheiße.
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Manage Mischief

Ich hab zwar bereits in einem Blogartikel über Pomodoro geschrieben, aber nur nebenbei, und ich finde diese Technik verdient ihren eigenen Artikel.

Pomodoro? Tomate??

Ja, die Technik wurde nach einem tomatenförmigen Küchen-Timer benannt.
Was steckt dahinter? Anstatt sich zu sagen „Ich lerne jetzt zwei Stunden lang!“ und dann erstmal gar nicht anfangen zu wollen (weil es so weig verlockend ist) oder nach spätestens einer Stunde mit den Gedanken ganz woanders zu sein (weil die Konzentration halt irgendwann nachlässt) stellt man sich einen Timer (es gibt eine große Auswahl an Pomodoro-Apps für jedes Endgerät) und arbeitet 25 Minuten intensiv an der Aufgabe. Wenn die Zeit rum ist, darf man sich fünf Minuten lang erholen. Am besten auch intensiv – laute Musik hören, durch die Wohnung tanzen, Eis essen, usw. Danach geht es frisch und motiviert an die nächsten 25 Minuten Arbeit.

Zwei Stunden Arbeit, das sind knapp fünf Pomodori. Und doch finde ich persönlich es deutlich angenehmer, fünf 25min-Einheiten zu arbeiten, als einen Rutsch durchhalten zu müssen.
Ich kann mich besser konzentrieren, wenn ich zwischendurch Pausen mache. Wer die #Prokrastinationsscheiße schon länger verfolgt, wird vielleicht mitbekommen haben, dass ich bisher immer 45 Minuten gearbeitet und dann 15 Minuten Pause gemacht habe. Damit bin ich ganz gut zurechtgekommen. Ich muss aber schon sagen, dass es mir leichter fällt, mich zu noch einer Einheit zu motivieren (und danach zu noch einer), wenn es sich nur um 25 Minuten handelt.
Sollte ich irgendwann das Gefühl haben, dass mich die kurze Einheit bei Pomodoro doch eher bremst als motiviert, kann ich den Timer meiner App auch auf ne andere Dauer einstellen, meine bewährten 45 Minuten zum Beispiel.

Schafft man denn in 25 Minuten überhaupt etwas? Da lohnt es sich doch kaum, den Stift in die Hand zu nehmen!

Oh doch! Aufgaben neigen dazu, die Zeit zu füllen, die man sich für sie nimmt. Wenn ich mir 45 Minuten für ein Thema in meinem Lehrbuch nehme, schaffe ich es auch in annähernd 45 Minuten, mir dazu zusammenfassende Notizen zu machen.
Der Witz ist, wenn ich mir für ein ähnlich umfangreiches Kapitel 25 Minuten Zeit nehme, schaffe ich es auch in dieser fast halb so kurzen Zeit.

Notizen sind Notizen, und damit ist der Lernprozess noch lange nicht abgeschlossen, aber es ist ein guter Anfang.

Ich brauche ein Pomodoro, um meine Zusammenfassung zu schreiben, aber danach beschäftige ich mich noch weiter damit. Vielleicht noch eine weitere Tomate lang, vielleicht auch mehrere.

Wenn man bildlich gesprochen das Telefonbuch einer Großstadt auswendig lernen soll (#medlife), also sehr viel Stoff in recht kurzer Zeit durcharbeiten muss, dann kommt es auf Effizienz an.
Die Prüfungen rücken näher, und allzuoft sollte man nicht die Nacht durchmachen, um vom Lernstand her in allen Kursen wieder mit den Vorlesungen gleichauf zu sein.
Deswegen finde ich es für mich sinnvoll, so wenig Zeit wie möglich (aber so viel wie nötig) in meine Notizen und Zusammenfassungen zu investieren.

Denn: je weniger Zeit ich damit verbringe, Karteikarten oder Cornells zu schreiben, desto mehr Zeit kann ich damit verbringen, mit diesen Materialien zu lernen oder Alt-/Übungsklausuren durchzuarbeiten.

Wenn ich zuhause lerne, hab ich in meinen Laptop an (auch wenn ich ihn nicht direkt zum Lernen nutze, außer wenn ich mal was googeln will), höre darüber auf Spotify leise meinen Lernsoundtrack (momentan Harry Potter 7) und habe die Pomodoro-App offen, sodass ich groß sehen kann, wieviel Zeit ich noch bis zur nächsten kurzen Pause habe.
Das motiviert mich, die verbleibende Zeit so gut es geht zu nutzen.

Die Pomodoro-App bei aktivem Fenster

Es ist aber genausogut möglich, die App im Hintergrund laufen zu lassen, angezeigt wird die verbleibende Zeit auch so neben dem kleinen Tomaten-Icon.

Ein großer Teil der Motivation bei dieser Technik kommt aber auch daher, dass man sich vorher Ziele setzt (und sich ungefähr überlegt, wie viel Zeit man für jedes Ziel brauchen wird).

Ich setze mich nicht hin und sage mir “Ich muss jetzt zwei Stunden Chemie lernen” – also doch, eigentlich mache ich genau das, aber ich habe einen Lernplan ausgearbeitet und weiß ganz genau, welche Kapitel und Aufgaben ich heute abarbeiten muss.
Dadurch komme ich nicht in die Situation, nicht zu wissen was ich machen soll, ziellos in der Gegend rumzulernen, oder stundenlang ein Thema zu wiederholen, das ich bereits kann (oder das mir im Gegenteil so gar nicht in den Kopf will).
Irgendwann muss man ein Thema (für den Moment) auch abschließen.
Wenn ich das Gefühl habe, noch mehr Zeit investieren zu müssen, kann ich das auch immer noch zu einem späteren Zeitpunkt machen. Es sei denn, die Klausur ist in zwei Tagen, dann würde ich sagen “Mut zur Lücke” und die verbleibende Zeit lieber in Themen investieren, bei denen ich bessere Chancen habe, und mir so mehr Punkte in der Klausur sichere, als wenn ich zwei Tage lang nur ein einziges Thema lerne.

Zum Lernplan, wie ich ihn mir erstelle und was sich für mich bewährt hat (und was nicht) komme ich aber in einem späteren Artikel nochmal. Zum Notfall-Lernplan kurz vor der Prüfung ebenfalls. 😁

Lernt ihr auch mit der Pomodoro-Technik oder einer ähnlichen Methode?

Kommentare»

1. angelsdevilblog - 01/08/2016

Anfangs habe ich auch einfach drauf losgelernt ohne Ziel und Zeitangabe. Dann bin ich auch auf die 45 Min und 15 Min Pause umgestiegen, das ging einigermaßen gut, aber manchmal war auch das sehr lang. Vor allem, wenn man sich Sachen dann doch viel schneller merken konnte als gedacht.
Ich habe die Pomodori-Technik ausprobiert und ich muss sagen, dass die recht gut ist. Außerdem kann man auch mal zwischendurch, wenn wenig Zeit ist, z.B. wegen Arbeit etc., eine kurze Lerneinheit einschieben und dann wiederholen. 25 Min hat man eigentlich immer mal übrig.

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Hermione - 02/08/2016

Ja, 25 Minuten kriegt man eigentlich immer irgendwo unter, und die sind auch herrlich überschaubar.😀

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2. high voltage engi (@electric_engi) - 01/08/2016

Ich bin auch im Studium über die Pomodoro Technik geschupst worden. Mein Bruder hat mir netterweise die Technik gezeigt, um mir bei meiner Abschlussarbeit unter die Arme zu greifen. (Neben div. weiteren Ansätzen und einer guten Struktur)

Hierbei haben ich die Arbeit soweit aufgegliedert, dasss zufällig immer 25 min Einheiten (bzw. ein n-tes vielfaches davon) herauskam. Genauso habe ich das ganze soweit aufgearbeitet, dass man von einem diffusen, aber dennoch „fertigen“/nutzbaren Stand, zu einem detaillierteren Stand entwickelt. Einfach um sich nicht fest zu fahren. (Zufällig entstammt dieser Ansatz der Agilen Software Entwicklung)

Seit dem konnte konnte ich die Technik lange nicht benutzen… Dein Vorstellen des Ganzen motiviert mich gerade wieder die Technik wieder zu nutzen, da ich in meinem neuen Job weniger Handwerklich und wieder erheblich mehr Wissenschaftlich arbeite.

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Hermione - 02/08/2016

Die Idee ist gut. Ich glaube, ich werde bei längeren Themen, die mehr als 25 Minuten brauchen, mal so vorgehen. Erst grob zusammenfassen, dann die Zusammenfassung mit Details anreichern, bis ich das komplette Thema so erschlossen habe, wie ich es können muss. Cool.

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high voltage engi (@electric_engi) - 02/08/2016

Es hat auch bei Ausarbeitungen den klaren Vorteil, dass man selbst den Detailgrad steuern kann und damit den Aufwand beschränken. Ist für eine Zeit in der man mehrere Gleichzeitig abgeben muss sehr nützlich

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Hermione - 03/08/2016

Oder auch bei mehreren Theman pro Prüfung. Da reicht die Zeit ja auch nicht immer, alles richtig gut vorzubereiten, manche Themen müssen basic bleiben. xD

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3. turtle of doom - 01/08/2016

Ich benutze seit meinen Studienzeiten sehr gerne einen Timer!

Wenn man in einer definierten (und recht kurzen Zeit) etwas zu Stande bringt, ist dies echt motivierend. Gerade bei Dingen, bei denen das Ablenkungspotenzial sehr hoch ist, muss man sich mit kurzen Pausen, in denen man sich ablenken darf (und soll), belohnen.

Man muss eigentlich nur herausfinden, wie lange man bei welchen Tätigkeiten aufmerksam bleiben kann.

Der innere Schweinehund ist ganz zufrieden, wenn man ihm ab und zu ein Leckerli hinwerft… viele Computer- und Handyspiele funktionieren übrigens ähnlich. Ein Spiel muss dem Spieler in recht kurzen Abständen Erfolgserlebnisse bieten, um ihn süchtig zu machen und seine Sucht zu erhalten.🙂

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Hermione - 02/08/2016

Ja, und wie schön es wäre, wenn irgendwann das Belohnungszentrum losfeuert, sobald man sich an den Schreibtisch setzt… Ich krieg mich noch entsprechend konditioniert.😀

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4. Nelia - 01/08/2016

Ich habe deinen einen Blogpost dazu gelesen und dachte mir, da ich mich gerade in der Prüfungsphase befinde, ich probiere es gleich mal aus.
Von dem Ergebnis war ich echt angetan: Ich habe viel mehr Seiten im Skript auf diese Weise geschafft als mit der klassischen „So ich lerne jetzt eine Stunde knallhart durch und bloß keine Pause!“-Methode. Das Lernen in den kürzeren Einheiten war konzentrierter und effektiver, so habe ich dann mehr den Lerntag über geschafft als vorher und fühlte mich auch nicht so platt nachher😉
Meine Lerneinheiten waren aber auch etwas länger, so zwischen 30 und 40 Min.

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Hermione - 01/08/2016

Cool! Toll, dass es für dich auch funktioniert! Viel Erfolg bei denen Prüfungen.🙂

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5. Nelia - 02/08/2016

Danke, den wünsch ich dir auch!🙂 Ich hab noch einen Monat Shconfrist zum Glück, bis dahin kann ich noch viel Kaffee trinken, Pauken und trotzdem Panikschübe bekommen😉

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6. Ratzupaltuff - 04/08/2016

Ich kann das leider gar nicht. Irgendwie verhedder ich mich da immer in allen möglichen Zeiten und To-Do-Listen und Lernplanung und komm dann gar nicht mit klar.

(Wend interessiert, ich hab das mal ausführlicher verbloggt: https://vitalwertemechanik.wordpress.com/2016/08/04/42-lerntechniken-2/ )

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7. Forest: Den Wald vor lauter Bäumen lernen. [Lernmethoden] | rescue blog - 29/09/2016

[…] Was ist Pomodoro? Hab ich hier schon mal vorgestellt. Sehr empfehlenswert, gerade für nen Lernmarat… […]

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