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Früh anfangen, regelmäßig lernen [Lerntechniken] 02/08/2016

Posted by Hermione in #medlife, Hermiones Lernmethoden, Lernen, Manage Mischief, Medizinstudium, Prokrastinationsscheiße.
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Manage Mischief

Nun, nicht wirklich eine Lerntechnik im klassischen Sinn, aber eine Herangehensweise, die ich persönlich sehr erwähnenswert finde, weil sie vielleicht nicht für alle naheliegend ist.

Lasst mich ein bisschen ausholen. Ich verspreche, ich erzähle euch nicht wie Weihnachten früher war oder wie ich morgens um halb fünf im meterhohen Schnee barfuß auf dem Weg zur Schule mit tollwütigen Wölfen gekämpft habe.

Ich musste früher nie lernen und war trotzdem Klassenbeste. Ich hab den ganzen Scheiß einfach sofort verstanden. Warum dann lernen?
In der Mittelstufe wurde dann alles etwas komplizierter und ich hab ohne zu lernen zwar noch okaye Noten geschrieben, aber ich war nicht so gut wie ich hätte sein können.
Richtung Abitur ging es wirklich nicht mehr ohne lernen. Da ich aber nie gelernt hatte, wie man lernt, bestand meine Taktik darin, mir einfach vor den Klausuren alles Wissen ins Kurzzeitgedächtnis zu knallen und es einfach auswendig zu lernen.

Das hat funktioniert, aber es ist scheiße. Und es geht im Medizinstudium wirklich nicht mehr.

Ja, ich weiß, es ist das Studium des Auswendiglernens. Stimmt leider auch größtenteils. Aber ich will das nicht, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt. Ich hab keine Lust auf Bulimielernen vor den Prüfungen. Ich habe keine Lust, alles nur für die Prüfungen zu lernen und nicht für den Beruf.

Auswendiglernen ist das Gegenteil von Verstehen.

So ungefähr zumindest. Auswendiglernen geht aber schnell, das ist ein Vorteil wenn man wenig Zeit hat. Allerdings ist irgendwann auch die Kapazitätsgrenze erreicht, gerade wenn man wenig Zeit hat.

Packen wir das Problem also an der Wurzel.

Wie kann man etwas an “zu wenig Zeit” ändern? Es ist naheliegend, aber unsere Prokrastinationsäffchen hindern uns oft daran: indem wir frühzeitig anfangen, uns auf Prüfungen vorzubereiten.
Und nein, nicht nur auf Prüfungen. Wir müssen (sollten) frühzeitig anfangen, den Stoff nachzuarbeiten. Wir sollten (müssten) nicht warten, bis sich genug Stoff angesammelt hat, “dass es sich auch lohnt” oder bis die Prüfung in Sichtweite ist, “weil ich unter Druck besser lerne” (das redet man sich halt gerne ein, nicht wahr?), sondern direkt loslegen.

Je früher wir anfangen zu lernen, desto mehr Zeit haben wir. Wow. Welch Erkenntnis.

Habt ihr Lust auf einen Vergleich?

Damals in der Mittelstufe wollten meine beste Freundin und ich unbedingt ein bisschen sportlicher werden. Leider waren wir beide eher faul.
Irgendwann beschwerte sie sich darüber, dass sie gestern zwanzig Minuten lang Sit-ups gemacht hätte und trotzdem keinen Sixpack bekommen hat. Sie war wirklich völlig fassungs- und verständnislos.

Ungefähr so hab ich bisher auch vor Prüfungen gelernt. Zwei Tage vorher alles komplett wiederholt und an mir selbst gezweifelt, wenn ich mir vieles einfach nicht merken konnte, obwohl ich ja wirklich viel Zeit investiert habe. Hab ich auch.

Aber ich hätte mit dem gleichen Zeitaufwand sicher mehr erreicht, wenn ich nicht zwei Tage vor der Prüfung zwei mal sechzehn Stunden durchgebüffelt hätte, sondern zwei Wochen vor der Prüfung begonnen hätte, sechzehn mal zwei Stunden zu lernen.

Ich hoffe, es ist klar war ich meine.

Natürlich haben wir nicht immer Zeit, uns auf jedes Fach optimal und von Anfang an vorzubereiten. Wir sollten aber versuchen, das zumindest bei den umfangreicheren und komplizierteren Fächern (und bei denen, in denen wir eine mündliche Prüfung absolvieren müssen!) zu machen. Je eher wir anfangen, desto mehr Zeit können wir uns nehmen, komplizierte Dinge zu verstehen, anstatt einfach Altklausuren auswendig zu lernen.

Wenn eure Klausurphasen genauso beschissen geplant sind wie meine und ihr auch jeden Tag mindestens eine Klausur habt, ist es außerdem hilfreich, auch einige der weniger wichtigen oder typischen Auswendiglern-Fächer schon ein bisschen im Voraus vorzubereiten. So bleibt in der Prüfungsphase mehr Zeit für die “wichtigen” Fächer, weil ihr für die “unwichtigen” Fächer ja schon was getan habt und da dann im Idealfall nur noch kurz auffrischen müsst, was ihr schon verstanden oder auswendig gelernt habt.

Findet also am besten direkt zu Beginn des Semesters heraus, wann die Prüfungen für eure Fächer stattfinden, und tragt euch diese Termine so in euren Kalender ein, dass ihr sie nicht ganz aus den Augen verliert.
Versucht, euch auch nach nem langen Tag in der Uni noch hinzusetzen und wenigstens eure Mitschriften nochmal durchzulesen und zumindest einen Teil davon nachzubereiten. Wenn das Semester weiter fortschreitet und ihr immer noch nicht die Grundlagen nachbereitet habt, wird es nicht leichter, irgendwann den Anfang zu machen.

25 Minuten bekommt man eigentlich immer irgendwie unter, und für 25 Minuten kann man sich eigentlich immer noch irgendwie aufraffen und konzentrieren. 

Irgendwann kommt man dann an den Punkt, an dem man feststellt wie gut es war, früh anzufangen (wenn man im Gegensatz zu den anderen keine Panik schiebt, dass man vor der Klausur nicht fertig wird mit dem Lernstoff, oder wenn man schon anfangen kann, Details für die mündliche Prüfung zu lernen, weil man die Grundlagen bereits längst erarbeitet hat).
Das ist viel schöner als sich wie sonst zu sagen “hätte ich doch mal bloß eher angefangen”.

Ihr seht, wir nähern uns dem Thema „Lernplan“ in semigroßen Schritten.

Kommentare»

1. pflaegermeister - 02/08/2016

Faszinierend. Dir gings in der Schule wie mir. Und jetzt häng ich da und muss lernen lernen. Und mich nach der langen Zeit außerhalb der Schule überhaupt motivieren was zu tun.

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Hermione - 03/08/2016

Ja, Spaß macht das nicht immer, aber jetzt klappt es nicht mehr, sich irgendwie durchzumogeln… Zu riskant bei den begrenzten Prüfungsversuchen, und die schlechteste des Semesters will man ja auch nicht sein.😀

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pflaegermeister - 03/08/2016

Ob ich der beste oder der schlechteste bin ist mir grad egal. Hauptsache bestanden.

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2. lieschen - 03/08/2016

Ha. Aber das zu tun, ist doch das Problem – nicht zu wissen, dass es sinnvoll wäre?!

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Hermione - 07/08/2016

Ich versteh nicht ganz, was du meinst. Nicht wissen, dass es nicht reicht, ne halbe Woche vor den Klausuren anzufangen? Spätestens nach der ersten katastrophalen Klausurphase weiß man’s aber, und mit etwas Glück erinnert man sich im nächsten Semester daran (oder wird daran erinnert) und geht anders als bisher an die Sache heran.🙂

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