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Realitätsbezug herstellen [Lerntechniken] 03/08/2016

Posted by Hermione in #medlife, Hermiones Lernmethoden, Lernen, Manage Mischief, Medizinstudium, Prokrastinationsscheiße.
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Manage Mischief

Nicht unbedingt eine Lerntechnik im klassischen Sinn, aber eine Methode, die durchaus dabei hilft, das Interesse für ein Thema aufrecht zu erhalten oder zu wecken.

Einen Realitätsbezug herzustellen, das funktioniert „in beide Richtungen“.
Manchmal finden sich in unseren Fachbüchern zwischen sehr viel sehr langweiligem, sehr theoretischem Kram Hinweise, wofür wir das eigentlich lernen. Es gibt immer mal wieder kleine Ausblicke, sei es in Form von Krankheiten, die mit dem langweiligen Grundwissen zusammenhängen oder (in Nebenfächern zum Beispiel) wie genau man sich in der Medizin bestimmte Phänomene zum Nutzen macht (zum Beispiel den Doppler-Effekt).
Mit etwas Glück ist da etwas dabei, dass wirklich interessant ist und dazu verleitet, ein bisschen Hintergrundrecherche zu betreiben.
Geht diesem Drang ruhig nach, solange es nicht in Prokrastination ausartet und ihr beginnt, Wikipedia-Zufallsartikel zu lesen oder auf Youtube russischsprachige Tutorials darüber guckt, wie man Katzen die Krallen lackiert.
Macht am besten dabei Notizen, legt für „eure“ Krankheiten kleine Dossiers an, die ihr dann in euren Ordner zu den anatomischen oder physiologischen Grundlagen heften könnt. Versucht so gut es geht, euer Interesse zu wecken. Je mehr „Realitätsbezüge“ ihr für ein an sich ödes und langweiliges Thema finden könnt, desto besser.

Umgekehrt geht das aber auch, vor allem wenn man das Glück hat, nebenbei in einem Beruf zu arbeiten, der ansatzweise in die gleiche Richtung geht wie das Studium.
Wenn man mit offenen Augen und eingeschaltetem Hirn zum Dienst geht, gibt es eigentlich immer was zu entdecken, das sich verwerten lässt. Auch der langweiligste Patient mit dem nicht-notfallmäßigsten Grund, den Rettungsdienst zu rufen, könnte eine Grunderkrankung haben, die irgendwie interessant ist und irgendeinen Bezug zu etwas hat, das man momentan lernen muss.
Wenn man das Glück hat, im Laufe des Tages in viele Arztbriefe gucken zu dürfen, kommt man eigentlich immer mit einer langen Liste im Notizbuch nach Hause. Da stehen Krankheiten und Begriffe drauf, die interessant klingen oder die einem gar nichts sagen (das muss sowieso geändert werden), oder bei denen sich eine Verbindung zu nem Lernthema herstellen lässt.

Manchmal habe ich auch Patienten mit Erkrankungen, die wir mal in Anatomie oder Physiologie kurz im Nebensatz angesprochen haben, und das ist dann ne tolle Gelegenheit, ein wenig mehr zu recherchieren.

Wissen mit Leben füllen.

Je mehr Hintergrundinfos ich zusammentragen kann und je mehr die Patienten mir über ihre Erkrankungen und deren Folgen für sie erzählen (die meisten machen das sehr gerne, und wenn es gut informierte Patienten sind, hat man eine kleine Goldgrube des Wissens gefunden – trotzdem immer nachprüfen!), desto besser kann ich mir dann auch die Basics einprägen, die ich kurz voher noch mit „den Scheiß kann ich mir doch nie merken!“ gelabelt habe.

Natürlich darf man dabei nicht vergessen, den Patienten zu versorgen, und die Fragen im Anamnesegespräch und überhaupt in einem Notfalleinsatz sollten erstmal zielführend für den aktuellen Einsatz sein.
Wenn der Patient gut versorgt ist und keine weiteren Fragen mehr gestellt werden müssen, oder wenn es sich um nen Krankentransport handelt, kann man dann die Fragen aus eigenem Interesse stellen. Wie gesagt, die meisten Patienten reden sehr gerne über ihre Erkrankungen und freuen sich, wenn jemand ehrlich interessiert nachfragt.
Will jemand nicht darüber reden, solltet ihr das dann aber akzeptieren und eure Enttäuschung nicht allzu deutlich zeigen.

Googlen könnt ihr ja später immer noch.

Kommentare»

1. chaosqueenlein - 17/10/2016

Genau aus dem Grund, dass kaum einer meine Erkrankung kennt schreibe ich darüber ( mit Fachliteratur im Hintergrund) und bin auch als Patient in Unikliniken immer bereit gewesen auch Studenten ran zu lassen. Sei es das sie kamen und Anamnese und Untersuchung im Kurs übten. Sei es das die Neurologen mich filmten. Oder ich in einem Rollstuhl bzw einmal im Bett in den Hörsaal gebracht wurde… Worüber ich mich freuen würde sollte man auch anderen nicht verwehren!

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