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Aufgezogene Medikamente, unbeschriftet. 09/09/2016

Posted by Hermione in Krankentransport, Rettungsdienst.
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Bin ich die einzige, die Bauchschmerzen bekommt bei auf Spritzen aufgezogenen, unbeschrifteten Medikamenten?
Vor allem, wenn man sie nicht direkt selbst verwendet, sondern weitergibt.

Sehr gern wird das bei Clexane (zur Hemmung der Blutgrinnung) gemacht, wenn wir Patienten ein paar Tage nach ner OP zurück ins Altenheim bringen.
Drei Spritzen, befüllt, verschlossen, unbeschriftet. Immer.

Ich kann mir denken, dass es sich um Clexane handelt, aber ein educated guess hat bei Medikamenten nichts verloren.

Wenn etwas nicht sofort verwendet wird, wird es bei uns beschriftet. Hinterher weiß niemand mehr, in welcher Spritze jetzt das Adrenalin und in welcher das Wasweißich drin war. Oder man vermutet, was wo drin ist, aber Vermutungen sind gefährlich.
Ziehe ich ein Medikament für die Notärztin oder den Notarzt auf, dann überreiche ich die aufgezogene Spritze, zeige dabei die leere Ampulle so, dass die Beschriftung lesbar ist, und sage laut und deutlich Name und Dosierung des Medikaments.

Natürlich fehlt im Krankenhaus Zeit und Personal an allen Ecken und Enden, das krieg ich ja jeden Tag mit, und ich weiß auch dass auf Station immer tausend Dinge auf einmal anfallen und drölf Patienten gleichzeitig was wollen, während zwei für die OP vorbereitet oder hingebracht werden müssen, einer kotzt, drei entlassen werden und einer reanimiert werden muss. Gefühlt. Ohne Scheiß.
Und ich bin die letzte, die anderen sagen will, wie jemand zu arbeiten hat (außer es handelt sich um jemanden, den ich einarbeiten darf oder um einen Teamkollegen, der unter aller sau arbeitet), erstens weil ich da selbst so hasse wenn andere das bei mir versuchen und zweitens, weil ich kein Arschloch bin.

Deswegen einfach nur ne freundliche Bitte an alle, die es betrifft: Es wäre super, wenn ihr euch den Moment nehmen könntet, die Spritzen zu beschriften.

Im Rettungsdienst verwerfen wir Medikamente, die nicht mehr eindeutig zuordbar sind und ziehen neu auf, einfach aus Sicherheitsgründen. Und auch wenn in dem Rutsch jetz ausschließlich Clexane für die drölf Patienten, die gleichzeitig entlassen werden, aufgezogen wurde: die Spritzen gehen über mehrere Schnittstellen und durch viele Hände. Ich würde keinem Patient etwas spritzen, dass ich nicht entweder selbst aufgezogen habe und deswegen weiß, was es ist, oder das beschriftet wurde und ich deswegen weiß, was ich da hab.

Better safe than sorry.

Nachtrag (10.09.2016):

Kommentare»

1. pflaegermeister - 09/09/2016

Medikamente zur Weitergabe gehören grundsätzlich beschriftet oder in originaler Verpackung abgegeben.
Clexane ins Altenheim mitzugeben entbehrt allerdings jeder Logik. Üblicherweise dosiert man das mit 40mg 0-0-1, das hieße die drei Spritzen werden über drei Tage gegeben und gelagert. selbst aufgezogene Spritzen dürfen im Bestfall 24h gelagert werden, von daher scheidet das ohnehin aus. Entweder Fertigspritzen vom Hersteller nehmen oder eine verschlossene Ampulle und die entsprechenden Dosierspritzen mitgeben. Aber so verstößt man ja gleich gegen mehrere Regeln.

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2. Julia - 09/09/2016

Immer wieder schön, wenn ich zu Patienten nach Krankenhausentlassungen komme, die ein Dosette mit tausend Medikamenten bekommen haben (der Gedanke ist ja nett, so hat der Patient für den Tag noch etwas dabei…), ich aber ohne genaue ärztliche Anordnung keine Medikamente verabreichen kann. Telefonate bringen da meist genauso viel wie das Reden mit einer Wand. Damit will ich niemals alle über einen Kamm scheren, eigentlich sind es sogar eher die Ausnahmen der Pfleger/Schwestern im Krankenhaus. Dennoch ist es nicht nur nervig, sondern mir auch verboten einfach irgendwelche Medikamente in den Patienten reinzukippen. Oft genug habe ich gesehen was passiert, wenn der Arzt unzureichend über vorige Krankheitsbilder und Medikamente des Pat. Bescheid wusste und dann etwas mit erheblichen Wechselwirkungen aufschrieb…

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3. Holzhammer - 09/09/2016

Ich bestehe auch im Rettungsdienst mittlerweile auf „Vier Augen“.
Soll heißen: Ich will die Ampullen sehen. Und zwar auch NaCl. (Nach einer Horrorgeschichte, bei dem es nicht Aqua+Aspisol war, sondern Cordarex und Aspisol. Ist aber nicht mir passiert.)

Und wenn ich etwas aufziehe, zeige ich die Pullen auch jemand.

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4. turtle of doom - 09/09/2016

Ich glaube, bei gewissen(haften) Chemieprofessoren gilt die Regel, dass alle Behälter, die unbeschriftet herumliegen, vom zuständigen Studenten auf der Stelle ausgetrunken werden müssen…

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5. Lotterliese - 09/09/2016

Huhu! Unbeschriftet geht garnicht! Fliegt bei mir (Anästhesiepflege) direkt in den Eimer! Klar muss es mal schnell gehen, dann behalte ich Spritze in der Hand, bzw. gebe mit Ansage direkt zum Spritzen weiter. Aber nur wenn es direkt in den Patienten kommt…
Es gibt seit geraumer Zeit schicke Aufkleber, da muss man nur noch die Konzentration des Medikaments eintragen.

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6. babbedeggl - 10/09/2016

unbeschriftet gibt’s bei mir maximal zur sofortigen Anwendung.
alles andre wird beschriftet, kurz und knackig.
zudem bekommen bei mir Medikamentenspritzen rote Verschlusskonen, alles nacl oder aqua bekommt blaue Verschlusskonen.
Kanüle in Ampulle Heparin gesteckt mit Verschlusskonus? Ab in den Abwurf!
rest von diazepam in der Spritze? findet den gleichen Weg in den Abwurf.
alles andre, was nicht benötigt wurde oder wird – richtig, ab in Abwurf!
gibt nichts gefährlicheres als unbeschriftete, falsch aufgezogene, falsch gelagerte und unübersichtliche Medikamentenspritzen.

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