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„Sie können den Patienten jetzt in den Behandlungsraum bringen!“ 21/09/2016

Posted by Hermione in Krankentransport.
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Heute habe ich eine schöne Krankenwagengeschichte für euch.🙂

Es ist Nachmittag. Das Weltrettungsteam bringt einen Patienten zum Zahnarzt. Der arme Patient.
Er hat nicht nur Probleme mit den Beißerchen, sondern auch mit den Beinen – sprich, er kann auch mit Hilfe kaum gehen. Ne Gehhilfe hat er allerdings nicht, er rutscht zuhause immer auf nem Schreibtischstuhl durch die Wohnung. (Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie verbreitet das ist!)

Sein Zahnarzt ist in einer ziemlich schicken Praxis, die sich über drei Stockwerke erstreckt, wobei die Wartezimmer auf ner anderen Etage sind als die Behandlungsräume. Es gibt aber nen Aufzug, immerhin.
Wir fragen die Zahnarzthelferin am Empfang, ob wir ihn direkt in einen der Behandlungsräume (auf ner anderen Etage!) bringen sollen, weil er nicht so gut (also eigentlich gar nicht) laufen kann.

„Nein, das dauert noch ein bisschen, bis er drankommt. Bringen Sie ihn bitte in den Wartebereich.“

Ich erkläre ihr nochmal, dass er kaum gehen kann und frage, ob es vielleicht nen Rollstuhl in der Praxis gibt oder ob man nen Stuhl neben das Behandlungszimmer stellen kann, damit es nachher nicht schon vor der Behandlung zur Tortur (für alle Beteiligten) wird.

„Aber der Stuhl da hat doch Rollen!“
„Ja, das ist unser Stuhl vom Krankenwagen. Den nehmen wir jetzt wieder mit.“
„Ach, Sie warten nicht?“
„Wir sind ein Krankenwagen. Wir warten nicht.“
„Und wie kommt der Patient nach Hause?“
„Sie rufen an, wenn er fertig ist. Hier ist unsere Nummer: …“
„Können Sie den Stuhl nicht da lassen?“
„Nein, ohne den können wir nicht weiterarbeiten. Sollen wir den Patienten jetzt vor den Behandlungsraum bringen?“
„Nein, bitte in den Wartebereich. Wir rufen dann an.“

Okay, wir haben es echt versucht.
Wir bringen den Patienten in den Wartebereich, setzen ihn mit Müh und Not auf einen der Stühle, wünschen ihm alles Gute und „vielleicht bis später“ (weil man ja nie weiß, ob nicht vielleicht eines der beiden anderen KTW-Teams die Rückfahrt bekommt) und machen uns vom Acker.

„Wir rufen dann an, wenn er soweit ist!“ ruft die junge Frau am Empfang uns nach.

Der Weltrettungsteamkollege und ich, wir sehen es kommen. Aber meine Güte, wir haben es echt versucht und alles weitere ist nun nicht mehr unser Problem.
Wir schieben den Stuhl wieder in unseren KTW, melden uns frei und gucken uns nach ner Möglichkeit um, nen Kaffee oder ein Eis zu erbeuten.

Nach etwa ner Stunde ruft der Disponent lachend bei uns an und fragt uns, was wir denen in der Praxis denn erzählt haben. Die hätten gerade angerufen.

„Bitte geben Sie dem Krankenwagen Bescheid, der Patient kann jetzt in den Behandlungsraum gebracht werden.“

Haben wir natürlich nicht gemacht. Wir sind ein Krankenwagen, kein Concierge-Service. Die Krankenkassen bezahlen uns den Transport, nicht die Wartezeit („Die Behandlung dauert etwa ne dreiviertel Stunde, solange müssen Sie warten!“) und auch nicht so Späße, wie nochmal wiederkommen um den Patienten in den Behandlungsraum oder zum Arztgespräch ins Arztzimmer zu bringen.

Denken aber erstaunlich viele.

Kommentare»

1. Thomas Seifert (@Tho_masse) - 21/09/2016

Liebe Hermione,
ich musste schon nach dem ersten Absatz schmunzeln und wusste, was passieren wird.
In diesem Fall bin ich als Zahnarzztgatte froh, dass die Helferinnen meiner Frau mit an Sicheheit grenzender Wahrscheinlichkeit anders gehandelt hätten und dass Wartezeiten von 45 min. so gut wir nie vorkommen (Notfälle gibt es auch beim Zahnarzt).
Aber das Weltrettungsteam hat richtig gehandelt: Sich anbieten und versuchen zu erklären. Mehr geht nicht.

Ich werde Deinen Post aber weiterleiten, als warnendes Beispiel. Danke dafür und weiterhin fröhliches Weltenretten.

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Hermione - 21/09/2016

Oh, das wäre super! Wir haben es ja wirklich versucht (und uns war in der Situation auch direkt klar, was passieren wird, das ist so häufig…) Wir wollen ja niemanden das Leben schwer machen, aber mehr als reden kann ich auch nicht 😄

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2. petra1971 - 21/09/2016

Armer Patient eigentlich. Trotzdem lustig. Mit dem Schreibtischstuhl ist man ja in der Wohnung auch wendiger. Schwiegermutter hatte in der Wohnung auch immer die Fußstützen vom Rollstuhl ab weil es so eng war bzw. ist auf dem rollator sitzend durch die Wohnung rangiert.

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3. Ratzupaltuff - 22/09/2016

Klar, gerne. Stellen Sie schon mal den Transportschein aus?

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4. gedankenknick - 22/09/2016

Off Topic:
Habe gerade das Zauberstab-Bild gesehen. Das ist eches Recyclingplastik mit einem Kern aus Federstahl und gewundenem Kupfer… Oder?😀

Wenn Du den mit der Rückseite an ein Radio hältst und mit der Vorderseite Richtung eines Sendemasts wedelst, kannst Du Stimmen und Musik aus dem Nichts erschaffen…😉

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5. Kittelschnitte - 22/09/2016

Ich hab noch so viel Lesestoff der letzten Tage nachzuholen. Aber ich lache jetzt schon. Hart. 😂
Wenn das nicht nur irgendwie traurig wäre 😅

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Hermione - 22/09/2016

Hinterher können wir auch drüber lachen. xD

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JohnLessing - 12/10/2016

Dem kann ich mich nur anschließen🙂

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