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„Sie haben den Job!“ 22/09/2016

Posted by Hermione in Kollegen, Krankentransport, Rettungsdienst.
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Stellen wir uns ein Vorstellungsgespräch vor.

„Sie sind also Rettungssanitäter und möchten bei uns Kranken- und Rettungswagen besetzen?“
„Nein, ich bin Lehrrettungshelfer, aber im Ehrenamt besetze ich immer Rettungswagen als Transportführer!“
„Wow, das klingt ja alles sehr glaubwürdig. Können Sie sich auch vorstellen, bei uns als Fahrzeugführer eingesetzt zu werden? Wir halten uns meistens an die Vorschriften wenn wir keinen finanziellen Nachteil davon haben.“
„Aber nur, wenn ich jede Fahrt mit Blaulicht und Horn machen kann!“
„Klingt vernünftig. Darf ich mal Ihren Führerschein sehen?“
„Das geht nicht, den musste ich letzte Woche abgeben.“
„Ach so, naja, egal. Sind Sie denn teamfähig?“
„Solange alle meine Überlegenheit in jeder erdenklichen Situation anerkennen, schließlich war ich mit 16 mal ein halbes Jahr in der Jugendfeuerwehr.“
„SIE HABEN DEN JOB!“

So ungefähr muss es im letzten Jahr regelmäßig bei uns abgehen. Anders kann ich mir nicht erklären, was wir auf einmal für ne Vollidiotenschwemme haben.
Es gibt immer ein oder zwei Deppen, auf jeder Wache. Aber bei uns fällt jeder neue Mitarbeiter und jede neue Mitarbeiterin in diese Kategorie.

Da sitzt jemand, der vor zwei Wochen die Rettungshelferprüfung bestanden hat, mit nem mehrjahrzehntigen Rettungsassistenten auf nem KTW, und der Neue versucht den alten Hasen anzuleiten, damit er nach seiner Pfeife tanzt.
Da brettert ein selbsternannter Lehrrettungshelfer grundsätzlich mit Blaulicht durch die Stadt und legt sich mit allen und jedem an, weil er ja der König der Straße ist.
Da macht ein Rettungssanitäter nebenbei die „Ausbildung“ zum Heilpraktiker und übt seinen Schwurbelscheiß an unseren Patienten und verteilt seine Visitenkarten.

UND DEM CHEF GEHT’S AM ARSCH VORBEI!

Der gleiche Chef, der mich wegen jeder kleinen Scheiße zum Personalgespräch bittet, mir alle paar Monate sagt dass man sehr unzufrieden mit mir sei (weil ich mir meine Überstunden aufschreibe und in KTW-Schichten erst bei Dienstbeginn anfange, mich umzuziehen – Umziehzeit ist Arbeitszeit und das werde ich nicht in meiner Freizeit tun!, und ähnlichem Kinderkram), der Chef, der regelmäßig wegen kleinerer Albernheiten und Streichen, die jeder (auch die „Leidtragenden“) lustig finden, Stellungnahmen schreiben lässt.

Also, irgendwie bin ich im falschen Film. Wenn ich so mitkriege und höre, was da noch alles angestellt wird von den „jungen Wilden“, frag ich mich doch, ob wir irgendwann wirklich dressierte Affen aufs Auto gesetzt bekommen. Wenn man davon absieht, dass sie ab und zu mit Scheiße werfen oder irgendwen beißen, haben die sicher ein besseres Benehmen als 90% der „Neuen“.

Wenn ein bisschen Zeit ins Land gegangen ist, kann ich ja mal ein paar Details von deren Heldentaten erzählen, da sind so viele Knaller dabei, dass ich seit Tagen Bauchmuskelkater vor Lachen habe.

*springt lachend in die Kreissäge*

Kommentare»

1. justanothernursesblog - 22/09/2016

Klingt nach super Kollegen. Mein herzliches Beileid.
Also ich würde mich tatsächlich über die ein oder andere Geschichte freuen.
Sende dir ganz viel Durchhaltevermögen 🙈😊✌

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2. Moe - 22/09/2016

Ich finde es toll dass du dich erst in deiner Arbeitszeit umziehst. Das ärgert alle so bei dem Job meiner Mutter (Kassiererin im Supermarkt), die Kasse muss vor und natürlich nach der Schicht gezählt werden, dass muss sie außerhalb ihrer Arbeitszeit machen. Zur Öffnung und Schließung gehts nicht anders, da könnte man auch eine halbe Stunde mehr bezahlen. Könnte.
Das hat bei mir früher auf Arbeit immer gut funktioniert, da sind wir 10 Minuten vor Schichtbeginn an den Arbeitsplatz gegangen, damit die Kollegen pünktlich um 6 gehen können.
War jetzt nicht der Punkt deines Eintrags, freut mich einfach dass du da zurecht konsequent bist.

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Hermione - 22/09/2016

Das steht bei uns ja sogar in der Betriebsvereinbarung drin, nur irgendwie fordert der Chef trotzdem dauernd von den Leuten, dass sie doch mal ein bisschen Entgegenkommen zeigen. Würde der Chef uns auch mal entgegenkommen, wär das ja ausnahmsweise sicher mal drin, aber so?
Bei meinem Arbeitgeber davor gabs deswegen richtig Stress, weil die wiederholt von mir gefordert haben, dass ich früher zum Dienst erscheinen soll, damit ich zum Dienstbeginn bereits umgezogen und einsatzbereit bin. Stand aber auch da anders im Vertrag.
Bei RTW-Schichten ist das ja um Gottes Willen was anderes, da bin ich auch wie jeder andere ca 20 Minuten vorher da und zieh mich direkt um, damit die Altbesatzung pünktlich in den Feierabend kann und nicht nochmal rausgeschickt wird. Das regeln wir dann aber untereinander und im Gegenzug hab ich dann auch 15-20 Minuten eher Feierabend, weil ich eher abgelöst werde.

Es gibt so viele Kollegen, die sich ständig zu Ausnahmen und Zusatzdiensten und Überstunden überreden/erpressen lassen, weil sie Sorgen haben dass ihnen das negativ angelastet wird wenn es um die Vertragsverlängerung geht. Ich hab da von Anfang an klare Grenzen gezogen. Wenn man mich deswegen nicht weiter beschäftigt hätte, wär ich halt woanders hingegangen. Das können gerade die Kollegen, die in nem Alter sind, in dem es schwieriger wird nen Job zu finden, sich aber nicht unbedingt erlauben, und da find ich es doppelt scheiße, dass man mit denen sowas abzieht.

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derenergist - 23/09/2016

Ich kann auch nur empfehlen, sich da zu wehren. Der Betriebsrat ist ja leider nicht immer eine wirklich gute Rückendeckung, aber spätestens seit dem Mindeslohngesetz (Pflicht zum Aufzeichnen der Stunden durch den AN) kann man da sehr gut auch als einfacher Stoppelhopser Stunk machen.

Im Zweifelsfall gibt es die Möglichkeit bei einem Arbeitsrechtanwalt eine recht günstige Erstberatung zu nehmen.

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Hermione - 23/09/2016

Unbedingt, ja! Ich habe inzwischen nen unbefristeten Arbeitsvertrag dort, muss mir also keine Sorgen mehr machen, aber gerade bei denen mit den Jahres- und Zweijahresverträgen (insbesondere in der Probezeit) wird da ständig was versucht. Immerhin ist der Betriebsrat bei uns echt toll und ne große Hilfe.

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derenergist - 23/09/2016

Es ist auch irgendwie bezeichnend, daß gerade die öffentlich oder pseudo-öffentlichen Arbeitgeber es als selbstverständlich ansehen, daß sie mit so einem Scheiß durchkommen und dann ganz überrascht sind, wenn Ihnen einzelne Paroli bieten und nicht alles mit sich machen lassen.

Ich bekomme ja beide Welten mit – alle Fehler, die sich alle meine bisherigen privaten Arbeitgeber in Summe bisher geleistet haben, sind bei der Stadt hier in einer Woche locker durch. Allein die Tatsache, daß ich dieses Jahr noch keine einzige korrekte Monatsabrechnung erhalten habe, spricht ja schon Bände.

Insbesondere wenn man ein wenig Ahnung von Arbeitsrecht hat (ich habe an der Uni drei Veranstaltungen dazu besucht um die ich sehr froh bin) sind auch neue Dienstanweisungen immer wieder lustig.

„Ah, wir sollen also immer dann und dann diese Unterlagen einreichen?“ „Ja, es muß auch an diesem Tag sein.“ „Wie kommen wir da hin?“ „Na, Sie werden da ja wohl vorbeifahren können?“ „Ah, das ist also Arbeitszeit?“ „Nein, das ist natürlich keine Arbeitszeit!“ „Also soll ich diese Sachen in meiner Freizeit machen?“ „Ne, das gehört ja zu Ihrer Arbeit.“ „Also das, was man Arbeitszeit nennt?“ „Ne, Sie machen das ja, damit Sie Geld bekommen.“ „… Ich unterschreibe diese Dienstanweisung so nicht.“ „Dann müssen wir Sie abmahnen.“ „Ich bitte darum.“ „Aber dann können Sie gekündigt werden.“ „Nein, dazu müßte die Abmahnung ja Bestand haben.“ „Aber wir erwarten doch nur, daß Sie Ihrer Arbeit nachkommen.“ „Also doch Arbeitszeit?“ „…“

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Hermione - 23/09/2016

Kommt mir schwer bekannt vor. ^^

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3. brc_medic - 23/09/2016

Lol. Freue mich schon auf den Affenzirkus🙂 Dein Cheffe scheint auch in die Gruppe „Lobotomie ueberstanden“ zu gehören.

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Hermione - 23/09/2016

Wir arbeiten für Mindestlohn, er arbeitet mit Mindesthirn.

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4. Kittelschnitte - 23/09/2016

Das klingt echt nach sehr kollegialen neuen Mitarbeitern. -.-

Arbeitszeit ist keine Freizeit. Das hab ich bis jetzt auch bei jedem Arbeitgeber erlebt. Im OP gab es nur eine (!) von zig Schwestern und Pflegern, die sich echt durchgesetzt hat und auf die Minute genau mit dem Umziehen begonnen hat. Im Pflegedienst wird erwartet, dass man die Zeit, die man früher vor Tourbeginn erscheint (denn mir reichen keine 10 Minuten, um das Übergabebuch zu lesen, zwischen Dutzenden Kollegen aus EINEM Schlüsselkasten meine Schlüssel zu suchen, meine Medikamente zusammenzusuchen und meinen Plan durchzugehen) nicht als Arbeitszeit aufschreibt. Wurd auch schon öfter mal dafür um Stellungnahme gebeten, hab’s ganz sachlich erklärt, verstanden wird es trotzdem nicht.

Ich wünsch dir viel Durchhaltevermögen und mehr Dienste mit deinem/deinen Lieblingskollegen🙂

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5. gedankenknick - 25/09/2016

Das mit den Affen, die beißen und mit Kot schmeißen, ist eventuell so beabsichtigt…
Kot schmeißen: 1x Ganzkörperentkeimung
Beißen: 1x Tollwut-Akutbehandlung

Oder wie ging der Spruch? Vom Rettungswagen überfahren zu werden zeugt zumindest von Geschäftskenntnis!
*duck&cover*

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Hermione - 25/09/2016

Kaltakquise!

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