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Mit Rückschlägen umgehen. [Manage Mischief] 06/10/2016

Posted by Hermione in #medlife, learn from my fail, Lernen, Manage Mischief, Medizinstudium, Prüfungen.
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Manage Mischief

Jede(r) fällt irgendwann mal durch eine Prüfung, oder besteht sie nicht mit der Note, auf die hingearbeitet und gehofft oder die benötigt wurde.

Das ist nicht schön. Das fühlt sich nicht gut an. Aber das gehört auch dazu.

Der Trick ist, daraus für die Zukunft zu lernen.
Einerseits zu lernen, mit frustrierenden Situationen umzugehen, es wieder zu versuchen und nicht aufzugeben, oder gegebenenfalls den großen Plan nochmal zu überdenken und anzupassen.
Und andererseits zu lernen, was im Vorfeld möglicherweise nicht optimal gelaufen ist und was man beim nächsten Mal besser machen muss.

Mit ner schweren Enttäuschung umzugehen ist nicht leicht, vor allem wenn man zum Großteil einfach von sich selbst enttäuscht ist.
Früher, zu Schulzeiten, war das irgendwie einfacher. Ich habe eine schlechte Note geschrieben und meine Eltern haben geschimpft. Mir selbst war es eigentlich eher egal.

Jetzt ist es mir aber nicht mehr egal. Ich bin enttäuscht von mir selbst, traurig, dass ich diese wichtige Klausur vergeigt habe und fühle mich einfach nur dumm.
Auf der anderen Seite weiß ich aber, und da komme ich später nochmal ausführlich zu, dass ich bei der Klausurvorbereitung wirklich nicht geschlunzt habe, dass ich die Themen echt gründlich durchgearbeitet habe und dass es nicht daran liegt, dass ich die Prüfung nicht ernst genug genommen habe.

Was macht man da? Nun, ich persönlich lasse meinen Frust gern erstmal raus. Dafür ist Twitter super, aber auch Kommilitonen, mit denen man sich über die beschissene Klausur und die unfairen Profs und was zur Hölle wollten die bei Aufgabe drei überhaupt von uns, ich hab nicht mal die Frage verstanden auslassen kann.
Ich hab ziemlich viele tolle Tweets und DMs bekommen, die mich getröstet und aufgemuntert haben. Danke dafür! Ich habe Sprachnachrichten mit Jamie ausgetauscht, die uns beide garantiert in Untersuchungshaft bringen werden.😉
Ich habe, und nein, das empfehle ich nicht als Problemlösungsstrategie, mir ne Flasche von meinem Lieblings-Schnaps und ne Packung Eis gekauft und mir selbst ne ausgiebige Pity Party geschmissen. Es gab sogar Twitterer, die sich aus Solidarität mit betrunken haben.❤

Und dann? Der erste Frust ist raus, und das ist gut und wichtig, aber jetzt muss man erstmal die Situation analysieren.

Was genau ist schiefgelaufen, und woran lag es?

Gibt es eine Klausureinsicht? Wenn ja, unbedingt hingehen, wenn es sich irgendwie vereinbaren lässt. Bei uns lag der Termin leider so beknackt, dass ich ihn nicht wahrnehmen konnte.
Nehmt euch bei der Klausureinsicht so viel Zeit wie möglich, eure Fehler zu verstehen. Also, nicht nur zu sehen „Das konnte ich nicht“, sondern auch hinterfragen, warum die Aufgabe falsch oder gar nicht gelöst wurde. Das muss nicht während der Einsicht passieren, wenn ihr euch Notizen (oder Fotos) machen dürft (oder wenn die Gelegenheit günstig ist und niemand hinsieht), nehmt euch eure Fehler mit nach Hause.

Was war falsch, was wäre richtig gewesen und woran lag es, dass ich den falschen Weg gewählt habe?

Kannte ich den richtigen Weg nicht, habe ich mich von irgendwas auf die falsche Fährte locken lassen, hab ich diesen Aufgabentyp einfach nur nicht oft genug geübt?
Waren die Aufgaben anders gestellt als in dem Übungsbuch oder in den Altklausuren? Habe ich die Theorie dahinter vielleicht nicht verstanden?

„Ich habe zu spät angefangen zu lernen.“

Nun, hier ist es relativ einfach, zumindest in der Theorie. Beim nächsten mal eher anfangen, zu lernen. Das lässt sich nicht immer leicht umsetzen, gerade bei vollgepackten Semesterwochen, Klausurphasen mit geknubbelten Terminen, wenn man nebenbei arbeiten muss um nicht zu verhungern, oder einfach bei anderem Quatsch, den die Uni (oder Schule) verlangt und der viel Zeit kosten kann.
Versucht trotzdem, das irgendwie hinzukriegen beim nächsten Mal. Macht euch rechtzeitig ne Liste mit allen Klausurthemen, schaut nach wieviele Seiten im Buch oder Skript das jeweils sind, und schätzt grob ein, wie lange ihr pro Thema braucht. Schlagt dann auf jedes Thema nochmal mindestens die gleiche Zeit drauf. Und dann gebt euch noch ne Zeitphase, um das Gelernte zu wiederholen, ohne neuen Stoff dazuzunehmen.
Wenn das nicht das Problem war (war es bei mir diesmal wirklich nicht), suchen wir weiter.

„Ich habe die falschen Themen gelernt.“

Das ist traurig, aber das kommt auch vor. Je umfangreicher ein Fach ist, desto schwieriger ist es, sich anständig auf ne Klausur vorzubereiten. Bei nur zehn Aufgaben, die Stoff aus zwei Semestern abdecken, ist klar dass nicht alles drankommen kann. Es ist aber auch klar, dass es schwer ist alles richtig gut zu können. Meist kristallisiert sich beim Durchgehen der Altklausuren heraus, was wahrscheinlich geprüft wird und was eher nicht so.
Das kann aber auch täuschen. Ich versuche, alle Themen zumindest okay zu können, und wenn ich dann noch Zeit habe, gehe ich bei ausgewählten Themen, die häufiger geprüft werden als andere, und bei Themen die mich besonders interessieren oder die mir leicht fallen, noch ein bisschen mehr ins Detail.
Das hat bei Histo wunderbar funktioniert, bei Chemie hab ich halt leider auf die falschen Pferdchen gesetzt.
Was kann man da tun? Nun, wenn die Themen in der Prüfung komplett anders waren als das Bild, dass sich aus den ganzen Altklausuren geboten hat, fragt euch, woran das liegen könnte. Neuer Professor? Oder habt ihr euch doch nur auf die Aufgaben konzentriert, die ihr eh schon konntet, weil das Erfolgserlebnis schöner ist als immer wieder damit frustriert zu werden, was man nicht kann?

„Ich habe nicht prüfungsbezogen genug gelernt.“

Auch das kann ein Problem sein. Ein weiser Mensch *hust* hat in einem Prüfungsvorbereitungsartikel mal sinngemäß gesagt, dass es nichts bringt, wenn man den Unterrichtsstoff in Verteidigung gegen die Dunklen Künste von Professor Lupin im Schlaf kann, solange die Prüfung von Professor Snape im Fach Zaubertränke gehalten wird.
Das war vielleicht tatsächlich ein Problem bei mir. Ich habe mich, weil ich wirklich viel Zeit zur vorbereitung hatte, hauptsächlich auf die Theorie konzentriert und darauf, zu verstehen, warum etwas abläuft wie es abläuft, und hätte das alles auch echt runterbeten können in ner mündlichen Prüfung. Mit den Altklausuren habe ich dann zu spät begonnen. Das passiert mir nicht nochmal.
Zu verstehen, was man da tut, ist wichtig, und ich glaube insgeheim ja immer noch, dass das viel sinnvoller ist, als einfach nur Antworten der Altfragen auswendig zu lernen. Aber wenn die Uni es nicht anders will, mach ich in Zukunft halt beides, und wenn die Zeit nicht reicht, konzentrier ich mich eher auf die Altklausuren als auf die Bücher. Das ist frustrierend. Das ist Bulimielernen. Das gefällt mir ganz und gar nicht. Willkommen im Medizinstudium.

„Ich habe die Fragen nicht verstanden.“

Das kann auch passieren und ich finde, dass das auch überhaupt nicht schlimm ist, wenn das mal passiert. In ner Prüfung ist man eh aufgeregt, und da kommt es schonmal vor, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht und sich hinterher an den Kopf fasst, warum zur Hölle man da nicht drauf gekommen ist.
Wenn man die Frage aber auch hinterher nicht versteht, gibts nur eins: rausfinden, was die Frage von einem wollte. Erstmal selbst versuchen, dahinter zu kommen. Wenn das nicht geht, die Kommilitonen fragen, ob sie die Aufgabe lösen konnten und ob sie die Frage auseinandernehmen können. Oder den Prof. Also fragen, nicht auseinandernehmen.

„Ich habe mich in der Klausur mit schwierigen Aufgaben verhaspelt oder Aufgaben übersehen.“

Ja, das ist schlecht. Meine Taktik ist, dass ich zur nächsten Aufgabe weiterblätter, wenn ich es nicht schaffe ein Problem in der in etwa dafür vorgesehenen Zeit zu lösen. Die Teilpunkte einer halbgelösten schwierigen Aufgabe sind es nicht wert, dafür eine Reihe lösbarer Aufgaben zeitlich nicht mehr zu schaffen. Wenn am Ende noch Zeit ist, kann man ja nochmal zu der harten Nuss zurückkehren.
Und Aufgaben übersehen, dass passiert jedem mal. Da hilft nur, genauer hinzugucken und ne Weile vor der Abgabe nochmal zu checken, ob nicht zwei Seiten zusammenkleben oder so.

„Ich habe die Klausur nicht ernst genug genommen.“

Das ist schade, aber ich finde es wichtig, sich auch sowas einzugestehen. Warum nicht? War das Thema öde, ist der Schein eh unwichtig, wurde der Aufwand oder Anspruch unterschätzt?

„Ich habe gedacht, ich krieg das auch ohne lernen hin.“

Ja, das geht in der Schule meistens gut, und bei Themen, für die man früher schon was getan hat, vielleicht auch. An der Uni klappt das möglicherweise nur noch in den anspruchsloseren Kursen, in denen man sich viel aus der Frage herleiten kann. Ich wollte eigentlich Medizinische Soziologie als Beispiel nennen, aber das war bei uns auch recht anspruchsvoll, auch wenn ich die Klausuren zugegebenermaßen mit nem recht hohen Lotto-Anteil bestanden habe.

„Das Thema fällt mir schwer, und ich habe wirklich ernsthaft gelernt, komme aber trotzdem nicht weiter.“

Dann ist es vielleicht ganz gut, über Nachhilfe nachzudenken. Entweder (das ist eigentlich optimal) sucht man sich am schwarzen Brett der Uni nen Hauptfachstudenten, der einem das alles erklärt und erklärz und erklärt, bis man es wirklich verstanden hat und die Aufgaben im Halbschlaf lösen kann, oder man lässt sich das nochmal von Kommilitonen erklären, die in der Klausur gut waren. Die haben meistens aber eher nicht die Zeit, sich ewig mit euren Problemen zu beschäftigen, weil für sie ja auch noch eigene Klausuren anstehen.
Wenn niemand Zeit hat und das Geld nicht für viele Nachhilfestunden reicht, find ich auch immer noch die ganzen nachhilfekanäle auf Youtube echt empfehlenswert. Man kann sich auch damit einem Thema annähern und für den Feinschliff, sollte einer nötig sein, dann ein oder zwei „echte“ Nachhilfestunden nehmen. Vielleicht steuern die Eltern oder Großeltern dazu ja noch ein paar Scheinchen bei?

„Das Thema interessiert mich aber wirklich nicht!“

Ja, mich auch so oft nicht, aber es muss sein, wenn ich das Studium überstehen will. Mir persönlich hilft es da, mir auszumalen, wo ich hin will im Leben (und dass ich dieses Studium dafür bestehen muss), aber auch, zurückzudenken welche Hürden ich auf dem Weg bisher überwunden habe. Das zeigt mir einerseits, dass ich mich echt durchbeißen kann, wenn es drauf ankommt, und gibt mir andererseits das „Nach all dem geb ich jetzt doch nicht wegen basenkatalysierter Esterhydrolyse auf“-Gefühl.
Wenn es nicht nur das Thema der Klausur, sondern doch eher das gesamte Studium betreffen sollte, wäre es aber vielleicht nicht schlecht, ne Studienberatung in Anspruch zu nehmen und sich (sehr gründlich) zu überlegen, ob der gewählte Weg einen auf Dauer glücklich machen kann.

„Ich habe mich selbst zu sehr unter Druck gesetzt.“

Das kann passieren, vor allem wenn die Anzahl der möglichen Prüfungsversuche bis zur Zwangsexmatrikulation sehr begrenzt sind und es sich schon um einen der letzten Versuche handelt. Hier kann ich zumindest mit gründlicher und rechtzeitiger Vorbereitung ne Grundlage schaffen, mir immer wieder zu sagen dass ich echt gut vorbereitet bin und dass ich mir keinen Stress machen darf. Klappt mal besser, mal schlechter. Schön ist es trotzdem nicht, mit so nem Riesendruck in die Prüfung zu müssen. Das System ist scheiße.

„Meine Hilfsmittel waren scheiße.“

Der Taschenrechner ging dauernd aus oder war nicht vertraut (anderes Modell als sonst, weil neu oder geliehen), das Periodensystem war unübersichtlicher als das, mit dem man sonst gelernt hat, der Kugelschreiber hat ständig den Geist aufgegeben, es war wegen vergessener Brille oder Kontaktlinsen nicht möglich, die Aufgaben schnell zu lesen (oder die Lösungen vom Blatt der Nachbarin hust*), usw.
Meine Güte, das ist vermeidbar. Ist mir auch schon passiert, war scheiße. Wird mir nicht mehr passieren. Ich packe meine Klausurmaterialien jetzt immer schon Tage vorher in eine Tasche, und räume sie nach dem Lernen auch immer direkt wieder dort hinein.

Diese und viele weitere Gründe könnte es geben. Wichtig ist, meiner Meinung nach, zuerst die Gründe zu erkennen (auch wenn es schmerzhaft sein kann, sich einzugestehen warum es schiefgelaufen ist), sich dann eine bessere Taktik für die Zukunft zu überlegen, und da dann auch dabeizubleiben.

Nicht aufgeben und nicht runterziehen und entmutigen lassen.

Wie sind eure Strategien, mit Rückschlägen umzugehen? Und was sind bei euch am ehesten die Gründe dafür gewesen? Bekommt ihr das gut in den Griff, oder müsst ihr anders ausgleichen?

Kommentare»

1. yelanarella - 06/10/2016

Ich bevorzuge ja traurig in die Ecke legen… Und mir danach wieder klar machen, dass ich nicht Student werden wollte, sondern was ich später unbedingt machen will. Dafür muss der Stress dann eben sein – so bekomme ich wieder Motivation und weiß, warum ich nicht aufgeben darf!

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2. Andreas Neumann (@nunAmen) - 07/10/2016

Was die Klausureinsicht betrifft: Wenn der Termin nicht möglich ist, hilft es oft einen Alternativtermin zu erbitten. Die meisten Profs kommen einem entgegen, vor allem wenn es mehrere Personen betrifft.

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Hermione - 07/10/2016

Bei uns wird das definitiv nicht gemacht, aber man kann nen Vertreter schicken. Wenn das an anderen Unis möglich ist, ist das aber super.

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3. Sylana - 07/10/2016

Strategie:
1. Heulen
2. Irgendwas zerkloppen.(Zum Glück genug blödes Geschirr im Hause)
3. Wein trinken
4. Kater auskurieren (Nie wieder Alkohol!………..)
5. Einsicht (Mal wieder zu kompliziert gedacht, hast ja nicht viel gemacht, hätteste mal die ganze Zeit ernst nehmen sollen, das Fach…)

Mir „gelingen“ die Rohrkrepierer immer dann, wenn ich wirklich intensiv vorbereitet bin. Sachen, wo ich vorher dachte, das sie in die Hose gehen, fielen oft erstaunlich gut aus.
Ich habe so den Eindruck, wenn man wirklich extrem vorbereitet ist, dann will man alles darbieten, was man kann, und verheddert sich dann. Das ist aber jetzt nur so ein Bauchgefühl und außerdem ne Gratwanderung, und weniger machen kann ja fürs Medizinstudium auch nicht die Lösung sein.
Also, wenn Snape nicht vorne steht, gelingen auch die Zaubertränke.

Ansonsten, aufstehn, Röckchen abbürsten, Krönchen graderücken. Bauch rein, Brust raus, weiter geht’s!

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Andi - 07/10/2016

Biete auch noch eine Strategie an:
1. Auf den Atem achten.
2. Schweifen die Gedanken ab, wieder zum Atem zurückkehren.
Nach 30min. bist Du fit, um Dich mit doppeltem Elan ans Studieen zu begeben.
(stammt eigentlich von Buddha, ist aber evidenzbasiert wirksam). …und das Geschirr bleibt heil!

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Sylana - 09/10/2016

Ich sagte blödes Geschirr. Muss ja auch mal weg, nich?

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