jump to navigation

Ich sehe tote Menschen. 22/10/2016

Posted by Hermione in #medlife, Anatomie, Ich sehe tote Menschen, Lernen, Medizinstudium.
Tags: , , , , ,
trackback

Nach einem Semester Ruhe geht es jetzt mit dem nächsten Teil des Präpkurses weiter.
Wobei Histo letztes Semester jetzt nicht unbedingt die entspannte Auszeit war. Aber wenigstens haben die histologischen Präparate nicht nach Formalin gestunken. Und meine Kleidung hinterher. Und meine Haare. Und irgendwie alles.

Dieses Semester wird Anatomie die Hölle. Wir haben das umfangreichste Thema, und ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich das alles überhaupt in den Kopf kriegen soll, geschweige denn für das Testat an der Leiche beherrschen soll.
Unser Tisch hat von allen den krassesten und anspruchsvollsten Prof „gewonnen“.
Das heißt, dass unsere Wochen im Präpsaal nicht so spaßig werden, aber vor allem heißt das, dass unser Testat verdammt hart wird. Unsere studentische Hilfskraft meinte nur „Noch schlimmer hättet ihr es eh nicht treffen können“.
Aber wenigstens scheint sie okay und engagiert zu sein, quasi das Gegenteil von dem faulen Selbstdarsteller, den wir im ersten Semester hatten.

Lichtblick: Ich bin wieder mit Jamie an einem Tisch!
Es wird also wieder viel gelacht, das macht alles ein bisschen leichter und angenehmer. Wir sollten überhaupt alle viel mehr lachen.

Ähm. Höchste Zeit für den Disclaimer, den ich auch schon im letzten Präpkursartikel hatte.

Für den Fall, dass jemand es nicht zuordnen kann: In diesem Artikel geht es um den Präparierkurs, und ich werde die Leiche und wie wir sie präpariert haben beschreiben. Das ist nicht für jede(n) geeignet. Lies also nur weiter, wenn du meinst, dass du es wirklich lesen willst. Klick weg, wenn es dir zuviel werden sollte. Und sag nicht, ich hätte nicht gewarnt.

Wir haben dieses Semester einen männlichen Körperspender, und die vielen alten OP-Narben versprechen interessante Entdeckungen. Es ist ein bisschen wie eine Schatzsuche.
Der Kommilitone, der für unseren Tisch das Leichenprotokoll ausgefüllt hat, hat übrigens einfach nur „Narben“ eingetragen, ohne zu schreiben, wo.

Diagnose: Hufflepuff.

Wir haben erstmal nur die Haut vom Rücken abpräpariert und werden nächste Woche versuchen, die Hautnerven zu finden. Das heißt, falls die zweite Gruppe an unserem Tisch nicht wieder einen „Krieg der verbrannten Erde“ geführt und alles bis auf die Faszie weggeschabt hat. Das war im ersten Semester auch immer so schön, vor allem wenn man anderthalb Stunden damit zugebracht hat, nen wichtigen Nerv freizupräparieren und beim nächsten Termin war er einfach weg.

Unser Prof ist tatsächlich sehr anspruchsvoll und stellt viele Fragen. Ich versuche es dieses Semester mal mit der Hermine-Taktik und will an den Kurstagen einen so guten Eindruck bei ihm hinterlassen, dass er sich in der Prüfung daran erinnert und denkt „Ach, das ist doch die Studentin, die auch im Kurs immer so engagiert und gut vorbereitet war“.
Kann außerdem auch dahingehend nicht schaden, dass ich mich dafür dann tatsächlich sehr gut auf jeden Kurstag vorbereiten muss.

Anders wüsste ich aber auch nicht, wie ich das packen soll. Ich hab heute bereits anderthalb Stunden lang Karteikarten geschrieben (und gezeichnet) und damit nur die Themen der ersten und die der nächsten Anatomievorlesung abgearbeitet.

Irgendwie fühlt es sich noch an, wie Stochern im Nebel. Während mein Rücken brennt. Und drölf Leute um mich herumstehen und lachend mit dem Finger auf mich zeigen. Und meine eigentliche Aufgabe ist es, eine Bombe zu entschärfen, die in einer Minute hochgeht.

Ähm, ja.

Letzte Woche hab ich nen Abend schon mit der peripheren Hautinnervation beschäftigt und ein paar tolle Karteikarten gezaubert:

Dieses Semester geh ich Anatomie von Anfang an ernst an. Ananananananananan. Willkommen bei "Studentin sucht periphere Hautinnervation", die neue Fremdschämshow im Privatfernsehn! #hogwartsmedschool #studylikegranger #prokrastinationsscheiße #medlife

A photo posted by Hermione ☕️ Rescue (@hermione_rescue) on

Das Ganze mach ich dann noch für die ventrale Seite, und dann bin ich zufrieden.
Die restlichen Karteikarten sind nicht so aufwändig; für die Dermatome hab ich zum Beispiel nur geschrieben, nicht gezeichnet.

Ich glaub, das Wichtigste ist einfach, von Anfang an am Schnatz zu bleiben und dass ich einfach mein Bestes gebe. Ich will nicht zurückblicken und denken „Hätte ich mir nur mehr Mühe gegeben“.

So. Jetzt scroll ich noch einmal die Vorlesung für Montag durch, und dann bewaffne ich mich mit Tee und Keksen und guck noch ne Staffel Folge Grey’s Anatomy.🙂

Kommentare»

1. hetzbacke - 23/10/2016

Respekt mit wie viel Energie du dich auf die Vorlesungen/Seminare vorbereitest. Aus meiner Erfahrung in meinem Studium (ok „nur“ was technisches und nicht Medizin) kann ich sagen, dass genau diese Vorbereitungen vor allem auf praktische Seminare oder Labore aber sehr dabei helfen aus den Veranstaltungen für sich selbst viel Wissen mit raus zu nehmen und die Betreuer auch eher bereit sind einem noch mehr Ratschläge zu geben.

Gefällt mir


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: