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Bulimielernen. [Manage Mischief] 05/11/2016

Posted by Hermione in #medlife, Anatomie, Lernen, Manage Mischief, Medizinstudium, Prokrastinationsscheiße.
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Manage Mischief

Das ist die Art zu Lernen, die ich mitunter am meisten hasse und die ich auch überhaupt nicht für gut oder sinnvoll erachte.

Aber manchmal, da muss das einfach sein. Es gibt Fächer, da geht es weniger um Verstehen *hust*Anatomie*hust* sondern einfach darum, sich jedes kleine Pinöppelchen, jede Delle, jede blöde Tuberositas und den Ursprung, Ansatz und die Innervation von drölfzig Muskeln, deren Existenz man nie erwartet hätte, die einen auch überhaupt nicht interessieren und deren Namen man sich schon kaum merken kann, reinzuprügeln. Und zwar so, dass man in der Klausur und, noch wichtiger, in der mündlichen Prüfung den ganzen Kram auskotzen kann.

Das kann man blöd finden und sich sagen, dass diese Art zu Lernen doch Müll ist, auf lange Sicht überhaupt nichts bringt, dass man lieber vernetzt und verständnisorientiert lernt, dass es besser ist, Zusammenhänge zu begreifen und dass die Fähigkeit, Telefonbücher auswendig zu lernen noch lang keinen guten Arzt oder eine gute Ärztin aus einem machen.

Ja. Willkommen im Medizinstudium.

Wie bereits tausendmal hier und in anderen Blogartikeln sowie auf Twitter erwähnt, geschimpft und geheult – ich sehe das genauso. Ich mag das nicht.
Aber will ich irgendwann zurückblicken und sagen „Wenn ich mich, wie meine Kommilitonen, auch aufgerafft und den Scheiß auswendig gelernt hätte, wäre ich nicht ausgesiebt worden“? Nei-en.

Also los.

Ich hab mitbekommen, dass viele Erstis jetzt in Anatomie die gleichen scheiß Probleme haben, die ich im ersten Semester hatte. (Hurra, es lag nicht an mir!)

  1. Brüll deine Wut über das scheiß System raus.
  2. Fang jetzt an. Jetzt. Sofort!
  3. Investier jeden Tag Zeit in dieses Projekt.
  4. Rock die Prüfung!

Gehen wir die Punkte einzeln durch.

1. Brüll deine Wut über das scheiß System raus.

Wir alle finden es kacke, und der eigenen Wut Ausdruck zu verleihen tut manchmal ganz gut. Bleib aber nicht in dem Alles-ist-scheiße-Modus, sondern setz dich hin und tu alles, um deinen Traum trotzdem zu verwirklichen.

2. Fang jetzt an. Jetzt. Sofort!

Wirklich. Es ist weniger Zeit, als du denkst. Es ist mehr Stoff, als du glaubst. Ich habe im ersten Semester zu spät angefangen, und das hat sich bitter gerecht. Learn from my fail.
Auch dafür ist mein Blog hier da; um mich und andere an die Fehler zu erinnern, die ich gemacht habe, als Mahnmal für blödes Verhalten und als Aufforderung, es (in Zukunft) besser zu machen.

Wo sollst du anfangen? Lern nicht ziellos hier und da irgendwas aus dem Prometheus auswendig. Geh mit System vor.
Ich persönlich finde kurz vor den Prüfungen Kurzlehrbücher und Skripte toll. Zeit, die dicken Wälzer durchzublättern, hat man nur, wenn man nicht erst kurz vor den Prüfungen anfängt.
Gibt es Zusammenfassungen der Prüfungsthemen für deine Uni? Hat eure Fachschaft für euch eine Dropbox (oder vergleichbares) mit wichtigen Informationen, Altklausuren und alten Prüfungsprotokollen eingerichtet? Habt ihr ne Facebook-Seite? Nutzt ihr Docsdocs? Mach dich schlau, welche Informationsquellen es gibt. Und nutze diese zu deinem Vorteil.

Mach dir einen Plan. Du weißt jetzt, welche Themen in der Prüfung abgefragt werden und idealerweise auch, wie detailreich du lernen musst. Die meisten werden wohl sagen, dass Ursprung und Ansatz in mündlichen Prüfungen selten gefragt werden und dass es reicht, die Innervationen auswendig zu lernen; aber ratet, was ich in meinem Testat gefragt wurde (und nicht beantworten konnte)? Trotzdem, wenn gesagt wird, dass ihr das eher nicht braucht, konzentriere dich mehr darauf, was wirklich dringend gewusst werden muss.

Gehe jetzt gezielt vor. Mach dir nen Plan. Wieviel Zeit hast du noch? Reicht die Zeit, Karteikarten zu schreiben, oder ist es dafür schon zu knapp? Karteikarten sind klasse, wenn man auswendig lernen muss, vor allem wenn man mit Spaced Repetition (diesem Fünf-Abteilungen-System) arbeitet, aber Karteikarten schreiben braucht Zeit. Vor allem bei so umfangreichen Fächern.
Wenn die Zeit nicht reicht, schreib dir die Informationen, die du können musst, trotzdem raus. Leg dir ein „Vokabelheft“ dafür an oder mach ne Tabelle in deinem Block. Was auch immer dir besser gefällt. Auch wenn es dir wie ne Zeitersparnis oder ne Abkürzung vorkommt, kopier nicht einfach die Tabelle von jemand anderem (oder aus dem Buch). Durch das selbst zusammenschreiben bleibt schon ein bisschen was hängen.

Teile alles nach Themen ein. Obere Extremität, untere Extremität, Muskeln (mit Innervation, gegebenenfalls auch Ursprung und Ansatz), Gelenke, Aponeurosen, bla.
Wenn du die einzelnen Dinge einigermaßen sortiert und gruppiert lernst, fällt es dir leichter, sie auch zusammen abzuspulen.
Ein weiterer Vorteil ist, dass die Stoffmenge dadurch weniger „unschaffbar“ wirkt, weil du sie in Portionen geteilt hast, die zwar auch schon hart sind, aber irgendwie doch noch okay. Wenn du einen Bereich drin hast, geh zum nächsten. Und mach zwischendurch kurze Pausen, die auch wirkliche Pausen sind. Quasi wie bei der Pomodoro-Methode. Kurze Pause bedeutet aber nicht, zwei Stunden PS4 zocken oder ne Staffel Grey’s Anatomy gucken. Hör dein Lieblingslied und tanz durch die Wohnung, spiel ein paar Minuten mit deinem Haustier, spring kurz unter die Dusche, schmier dir ein Brot – sowas.

Teile die Informationen vor allem auch in „Wissen, das einfach nur auswendig abgespult werden muss“ und „Strukturen, die ich an der Leiche zeigen muss“ auf.

Die Informationen aus der ersten Kategorie lernst du auswendig. Entweder mit Karteikarten, die du immer mit dir rumschleppst und mehrmals am Tag durchgehst, oder mit deinem Vokabelheft oder der Tabelle. Immer rein damit. Lass keinen Tag aus und fang wirklich sofort damit an, wenn die Klausur nur noch wenige Wochen oder Tage entfernt ist. Es ist viel Stoff. Und es gibt keine andere Möglichkeit, außer auswendiglernen. Die Innervation eines Muskels oder den Verlauf eines Nervs kann man nicht verstehen, man muss es sich merken. (Siehe 3.)
Für manches gibt es gute Eselsbrücken (für die Plexus zum Beispiel – Gutes Geld kommt ins Portemonnaie, In Indien gibts kein frisches Obst, …), probier also auch mal aus, ob du dir damit die Sachen leichter merken kannst.
Wenn du noch ein bisschen mehr Zeit hast und nachhaltiger lernen willst (bzw soviel Zeit hast, dass du es dir noch erlauben kannst, nachhaltig zu lernen), schau dir mal Kenhub an. Die kostenlose Version lässt ziemlich viel zu, und das Lernen ist damit eigentlich ganz angenehm und spielerisch.
Vergiss auch nicht, dich auf eine Anatomieklausur mit Lass mal kreuzen und Thieme Examen online vorzubereiten.

Die zweite Kategorie ist einerseits schwieriger und andererseits leichter. Schwieriger, weil du hier wirklich was zuordnen können musst und es nicht so leicht ist, das zuhause zu lernen. Leichter, weil du hier zumindest was zum „Anfassen“ hast und die Informationen mit Leben füllen kannst. Du siehst, was du wissen musst.
Hast du noch Termine im Präpsaal? Könnt ihr außerhalb der Termine rein um euch mit der Leiche zu befassen? Wenn ja, nutz diese Zeit. Geh strukturiert vor. Wenn du irgendwas noch nicht erkennst, schnapp dir nen Anatomieatlas und versuch, z.B. jedem Muskel einen Namen zu geben. Lass dich von einer Freundin oder einem Freund abfragen. Übe in beide Richtungen: Finde den Muskel, wenn dir sein Name genannt wird, und nenne den Namen eines Muskels, der dir gezeigt wird.
Wiederhol das so lange, bis du die Muskeln auch im Schlaf findest und benennen kannst.
Verbinde auch die Informationen, die du gerade stur auswendig lernst, mit dem, was du da siehst.
Wenn du nicht mehr in den Präpsaal kannst, ist das ungünstiger, aber dennoch schaffbar. Arbeite mit einem Anatomieatlas (eventuell auch mit nem Fotoatlas). Deck die Beschriftungen ab (mit Post-its o.ä.) und wiederhol das alles so lange, bis du das Gefühl hast, zu finden was du suchst und die Namen dir nicht mehr wie Zaubersprüche vorkommen.

Du kannst auch ein bisschen kombinieren. Schreib dir z.B. Namen und Innervation eines Muskels auf die entsprechende Stelle deines Körpers. Mal dir den Verlauf eines Nervs auf (lass dir dabei gegebenenfalls helfen). Beschrifte deinen Partner oder deine Partnerin.

3. Investier jeden Tag Zeit in dieses Projekt.

Wirklich jeden Tag. Lass keinen Tag ungenutzt verstreichen, und sag dir auch nicht „Ich hab doch noch ne Woche Zeit, das wird schon reichen“ oder „Ich hätte jetzt zwar Zeit, aber ich lern trotzdem erst heute Abend“. Nutz die Zeit, die dir bleibt. Wenn du an den letzten Tagen vor der Prüfung noch Zeit übrig hast, obwohl du schon alles auswendig kannst, super. Besser, als zwei Tage vor der Prüfung festzustellen, dass du doch besser drei Tage eher angefangen hättest. Nimm die Karteikarten/Listen überall hin mit und wiederhol alles, bis es (zumindest größtenteils) hängen bleibt.

Das macht keinen Spaß, aber es geht vorbei.

Geh nach der bereits genannten Pomodoro-Methode vor, vielleicht auch mit der Forest-App. Da kannst du dir angucken, wie viel du gelernt hast. Das ist einerseits eine tolle Selbstkontrolle (weil du genau siehst, wenn du doch nur ne halbe Stunde aufgerafft hast, und weil du dein Handy in der Zeit nicht nutzen kannst) und andererseits auch eine gute Motivation. Wer wünscht sich keinen schönen Wald? Und guck mal, wie viel du schon geschafft hast. Das muss einfach klappen.

Auswendiglernen braucht vor allem eins: regelmäßige Wiederholung.

4. Rock die Prüfung!

Du hast dein Bestes gegeben. Du hast die Zeit so gut es ging genutzt. Du hast dich aufgerafft.
Dann wirst du diese Prüfung jetzt auch rocken. Du kannst das schaffen. Lass dich nicht verunsichern. Alle sind nervös, und es ist auch okay, das ein bisschen zu zeigen. Du schaffst das trotzdem.

Und wenn nicht? Auch kein Weltuntergang. Dafür hat der liebe Gott die Wiederholungsprüfung geschaffen, und es ist überhaupt keine Schande, nochmal antreten zu müssen. Lass dich nicht entmutigen.

Du schaffst das. Also setz dich hin und fang jetzt an.

Hat hier noch jemand andere Tipps, wie man sich große Mengen an Information schnell reinknallen kann?

Kommentare»

1. Claus - 06/11/2016

Als Lehrer, der auch ständig damit beschäftigt ist sich zu überlegen wie meine Schüler/innen am besten für irgendwas lernen können und wie ich Prüfungen gestalten kann, dass sie nicht in Bulimie-Lernerei ausarten (auch wenn verknüpftes Denken und NICHT reine Wissenswiedergabe für die meisten Schüler/innen total abwegig ist und sies nicht verstehen [wollen])… True dat.
Einzig „problematische“ methode: Vokabelheft. Ist zum Nachschlagen zwar super, zum Lernen selber aber nur mäßig geeignet, wenn man niemanden hat, der einen abprüft. Weil man dann nämlich beginnt sich die Reihenfolge der Vokal zu merken. „Ah, jetzt war gerade das, als nächstes kommt jenes, auch wenn ich gar nicht weiß was das Vokabel heißt oder ist, ich weiß dass DAS als nächstes kommen MUSS!“. (Auch oft beobachtet in Prüfungen: „Das war das oben rechts, oder?“) Karteikarten haben dem gegenüber halt den Vorteil, dass man sie mischen kann und die Reihenfolge damit verändert.

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Hermione - 06/11/2016

Ja, optimal ist n Vokabelheft zum Vokabellernen nicht, aber wenn man verschiedene anatomische Strukturen nach ihrer räumlichen Nähe gruppiert, ist es hilfreich wenn man sie einigermaßen zusammenhängend behält. Wenn ich in der Prüfung weiß, „Das muss irgendwas am Fuß sein, denn es war mit den tausend anderen Fuß-Sachen in einer Liste“, hab ich zumindest ne deutlich höhere Ratewahrscheinlichkeit als wenn ich nichtmal weiß, wo ich suchen soll.
Die Namen der Handwurzelknochen einzeln zu lernen bringt nicht viel, sich ihre Reihenfolge zu merken schon. (Das ist jetzt ein eher blödes Beispiel, was das leicht zu merken ist, aber ich hatte noch keinen Kaffee [Alarmsirenen] und mir fällt kein besseres ein).😀

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Claus - 06/11/2016

Klar, GANZ doof ists ja auch nicht (deswegen steht „problematisch ja auch unter „“).
Kaffee ist übrigens eine gute Idee. /o/

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Hermione - 06/11/2016

Übrigens, klasse dass du versuchst, die Prüfungen so zu gestalten dass man sich sinnvoll drauf vorbereiten kann!🙂

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Claus - 06/11/2016

Allerdings, wie gesagt, sind es die meisten Schüler nicht gewohnt auf Verständnis zu lernen. (Bei uns heißt das auf superschlau „Kompetenzorientiert“)
Sie WOLLEN bloße Faktenwissen lernen. Natürlich. Ist ja auch einfacher im Schulkontext, bei vergleichswese überschaubaren Stoffmengen, wenn man nur Wiederkäuen muss. Kannste machen. Is dann halt doof.

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Hermione - 06/11/2016

Die werden euch später noch danken, dass ihr versucht habt ihnen das kompetenzorientierte Lernen nahezubringen.😀

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Claus - 06/11/2016

Vor allem weil sies für die Matura (=Abi) brauchen, da dort die Fragestellungen kompetenzorientiert sein müssen.

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2. tim - 07/11/2016

jetzt mal ne doofe frage: wenn du so fleißig, prüfungsorientiert und strukturiert lernst, warum verkackst du dann chemie? und warum brauchts dann so einen großen zeitaufwand? scheint doch alles maximal optimiert zu sein…
vielleicht ist dein system doch nicht so perfekt?

und eine anmerkung zu den „dicken wälzern“: einfach komplett weg lassen. kurzlehrbücher oder sogar medilearn-scripte sind im medizinstudium vollkommen ausreichend und verstellen nicht den blick auf den prüfungsrelevanten grundstock. details braucht man nicht.

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Hermione - 07/11/2016

Vielleicht war die Klausur auch einfach scheiße gestellt? Vielleicht liegt mir Chemie auch einfach nicht?
Bei unseren mündlichen Prüfungen reicht das Wissen aus Skripten jedenfalls nicht aus.

Und eigentlich hab ich nach dem Einstieg gar keine Lust, mich mit dir zu unterhalten. Da du auch nicht einmal die Eier hattest, eine richtige eMail-Adresse anzugeben, ist es ganz leicht eine passende Schublade für dich zu finden. Danke für deine grandiose Wortmeldung. Bye.

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3. Miki - 13/11/2016

Mein Tipp/ Erfahrung: nicht nur ein Fachgebiert reinprügeln, sondern 2 bis 3 gleichzeitig. Lernziel (Zeitpunkt) definieren und die Kapitel, die dann sitzen müssen, auf die verfügbaren Tage aufteilen. Und das auf mehrere Fachgebiete verteilt, möglichst unterschiedlich. Das verkraftet das Gehirn wohl besser… hat mir hinterher jemand gesagt. Ganz wichtig: wenn es am nächsten Tag weitergeht, alles andere wiederholen. Ich hab es so zu einem Fachschulabschluss „sehr gut“ geschafft. Und es ist auch einiges hängen geblieben😉 Viele Erfolg!

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