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Da sind ja gar keine Schmetterlinge im Bauch! 21/11/2016

Posted by Hermione in #medlife, Anatomie, Ich sehe tote Menschen, Medizinstudium.
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Höchste Zeit für ein Präpkurs-Update!
Wir sind endlich ein bisschen weitergekommen und haben eeeendlich das Abdomen eröffnet! Ganz schön vollgepackt, der Bauch. Es ist ein seltsames, aber interessantes Gefühl, so im Gekröse rumzuwühlen.

Und jetzt erstmal schnell den Präpkurs-Disclaimer, bevor es weitergehen kann.

Für den Fall, dass jemand es nicht zuordnen kann: In diesem Artikel geht es um den Präparierkurs, und ich werde die Leiche und wie wir sie präpariert haben beschreiben. Das ist nicht für jede(n) geeignet. Lies also nur weiter, wenn du meinst, dass du es wirklich lesen willst. Klick weg, wenn es dir zuviel werden sollte. Und sag nicht, ich hätte nicht gewarnt.

Unsere Tutorin sagt, wir haben Glück, dass der Darm ziemlich leer ist. Bei ihrer Leiche war der wohl in manchen Abschnitten noch mit Füllung. Das wär ja nicht so lecker.
So geht es jetzt aber. Es ist wirklich eigenartig, im kühlen, feuchten Bauch rumzuwühlen, den Dickdarm hochzuklappen und durch den Dünndarm zu blättern.
Den Darm im Bauch kann man sich ungefähr so vorstellen, wie einen Koffer, den ich gepackt habe. Oder mein Tiefkühlfach. Alles reinstopfen und dann schnell schließen.
Wenigstens ist der Darm gut befestigt, da geht nichts verloren und man kann auch keine Unordnung reinbringen. Zumindest, bis wir ihn rausschneiden.

Unsere Leiche sieht jetzt schon ziemlich zerpflückt aus.

Ich durfte die Leber herausoperieren, das war ein ganz schöner Kampf, bei all den Ligamenten und der doch sehr begrenzen Bewegungsfreiheit. Ich sollte ja kein anderes Organ beschädigen.
Dass die Leber das größte parenchymatöse Organ des Menschen ist, war mir bewusst, aber dieses schwere Riesenteil dann endlich in den Händen zu halten ist schon was anderes.😀

An der Front (mit der anderen Gruppe) hat sich nicht wirklich was getan. Ich glaube, die haben an ihrem letzten Termin gar nichts präpariert, es sah zumindest alles so aus, wie wir es hinterlassen haben. Vielleicht durften sie nicht, weil sie immer alles zerstören. xD

Oh, und ich wurde beim letzten Termin vom Professor gelobt, weil ich eine (anscheinend) schwierige Frage beantworten konnte. War eigentlich mehr so eine Standard-Rettungsdienst-Differenzialdiagnose, aber ihn hat es so beeindruckt, dass er es mit „Ausgezeichnet!“ kommentierte. Ich hätte ja nicht gedacht, dass meine Berufserfahrung mir schon in der Vorklinik mal was nützen könnte, aber hey.

Mit dem Vor- und Nachbereiten der Kurstage komm ich ganz gut durch, aber irgendwie hab ich immer noch das Gefühl, lediglich an der Oberfläche zu kratzen. Ich werd mir für heute Nachmittag mal vornehmen, die portokavalen Anastomosen auswendig zu lernen. Also die ganzen Zwischenschritte. Anfang, Ende und die grobe Richtung sind ja eh klar.
Außerdem muss ich mir die Nervenplexus nochmal geben. Da ist aus dem ersten Semester nicht viel übrig geblieben, teilweise nicht einmal die Merksprüche. Schande über mich!
Wirklich keine Lust hab ich auf die Gesichtsmuskulatur. Die werde ich wohl so lang es geht prokrastinieren.😉

Am Wochenende hab ich beim Kreuzen auf Thieme online (es ist ja nicht mehr so lang hin bis zur Klausur) aber festgestellt, dass ich viele Details, die ich letztes Semester für Histo gelernt habe, noch abrufen kann wenn es in einer Anatomiefrage darum geht. Cool. Hab ich ja doch nachhaltiger gelernt als es mir zwischendurch vorkam.

Wir haben nur noch knapp einen Monat mit unserer Leiche, danach sind wir fertig. Schade eigentlich. Etwas mehr Zeit wäre cool gewesen, um nicht unter Zeitdruck präparieren zu müssen, sondern sich alles noch viel ausgiebiger angucken zu können und die einzelnen Strukturen ein bisschen länger zu erhalten.
Hätte ich nach dem blöden Kurs im ersten Semester auch nicht gedacht, dass ich mal traurig sein würde, dass der Präpkurs nur über das halbe Semester geht.
Aber wenigstens haben wir überhaupt einen, das wird ja an deutschen Hochschulen immer seltener. Formalin lässt grüßen.

Anders als im ersten Semester finde ich, dass mir dieser Kurs richtig was bringt. Es sind jetzt halt doch nicht nur theoretische Gebilde aus bunten Abbildungen in den Büchern oder vom Sectra-Table.
Ich hatte (fast) alles schon mal in der Hand und kann die Erinnerung daran, wo ich es gefunden habe und wie es sich anfühlt mit dem Wissen aus den Büchern verknüpfen.

Toll, dass es so viele Menschen gibt, die ihren Körper nach ihrem Tod für unsere Ausbildung zur Verfügung stellen.

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