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Jahresrückblick 2/4: Rettungsdienst und Krankentransport. 28/12/2016

Posted by Hermione in Krankentransport, Rettungsdienst.
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Zweiter Teil meines persönlichen Jahresrückblicks! 🙂

Auch in dieser Hinsicht war es ein recht gutes Jahr für mich. Ich konnte zwar Anfang des Jahres bis zu den Semestterferien nicht so viele Dienste machen und hatte dementsprechend echt wenig Kohle, aber dafür passt es momentan zeitlich alles ein bisschen besser und ich kann mir meistens auch in der letzten Woche des Monats noch was zu Essen leisten. 🙂

Ich habe außerdem endlich einen unbefristeten Arbeitsvertrag! *lässt nochmal die Korken knallen*
Bisher hab ich ja branchenüblich oft den Arbeitgeber gewechselt und war damit eigentlich auch nie unglücklich – die guten Kollegen wechseln ja auch und im Grunde sind wir alle ein riesiger Mitarbeiterpool, der immer mal wieder bei gemeinsamen Arbeitgebern landet.
Außerdem bin ich auch ein Mensch, der mit unfähigen Vorgesetzen wirklich nicht klarkommt und dann lieber nach ein paar Jahren weiterzieht, bevor ich mir den Bullshit länger antu. Bei meinem letzten Arbeitgeber war es ganz schlimm, da bin ich immer noch sehr froh, zusammen mit meiner Lieblingskollegen weitergezogen zu sein. Wir zwei Zugvögel. 🙂

Bei uns läuft auch nicht alles optimal, wirklich nicht. Unser Wachleiter ist eine selbstherrliche Kröte (stellt ihn euch vor wie eine Mischung aus Umbridge und Dudley), und Personalentscheidungen werden grundsätzlich wie von betrunkenen Kleinkindern getroffen, aber das ist ja im Grunde fast überall so. Und wenn’s nicht das ist, ist es was anderes.

Dafür komme ich mit den meisten der Kolleginnen und Kollegen, die schon länger da sind und noch geblieben sind, menschlich verdammt gut zurecht, und das ist unbezahlbar! Es gibt wenig schlimmeres, als 24, 12 oder 10 Stunden mit jemandem zusammen aufm Auto zu sitzen, den man so gar nicht leiden kann.
Die Namen auf dem Dienstplan sind mir allerdings inzwischen auch zur Hälfte völlig fremd, und da die Neuen, die wir momentan haben, sich ja nicht vorstellen (weder bei mir noch bei den Vollzeitkräften, mit denen sie nicht auf dem Dienstplan stehen), hab ich auch keine Ahnung, wer wer ist. Abgesehen natürlich von denen, die bereits einen oder zwei Dienste mit mir gefahren sind, und die haben sich (bis auf eine Ausnahme) auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Nein, das liegt nicht nur daran, dass bei uns inzwischen die größten Deppen mit der Einarbeitung betraut sind, das ist auch ne Charakterfrage. Und um es nochmal zu betonen: das geht nicht gegen alle Neuen weltweit, sondern ganz konkret gegen die, die momentan bei uns rumlaufen und denken, sie stehen über allem.
Dass es nicht leicht ist, neu irgendwo dazuzukommen, weiß ich (siehe oben, ich habe oft die Arbeitgeber gewechselt), aber das ist kein Freifahrschein sich zu benehmen, als wäre man unter Steinen sozialisiert worden.
Das ist halt auch wieder ein Problem bei der Personalpolitik. Ich habe hier mal darüber gebloggt, wie unsere Vorstellungsgespräche momentan aussehen müssen, und nach welchen Kriterien momentan bei uns eingestellt wird (Spoiler: Atmen und auf zwei Beinen stehen können reicht) und ich glaube ganz fest daran, dass dies der Realität sehr nahe kommt.
Aber keine Sorge, nicht nur die Neuen gehen mir auf die Nerven, auch ein paar von den Alten waren dieses Jahr gut dabei. Und einige davon sind nicht nur in ihren Arbeitsabläufen festgefahren.

Wenigstens läuft es nach einigen Rangeleien inzwischen wieder mit dem Dienstplan, und der reicht auch endlich wieder weiter als nur bis zum nächsten Tag. Das war ja scheiße, nicht planen zu können. Joa.

Nachdem ich letztes Jahr und Anfang des Jahres eher hauptsächlich KTW gefahren bin, steh ich momentan dauernd auf dem RTW-Dienstplan. Das war Anfangs schon wieder ne Umstellung, aber es ist schon schön, mal wieder „mehr“ zu tun.
Ich mag aber beides. Das ist auch so ne Erkenntnis, die mir dieses Jahr erst so richtig kam, dass ich auch vom KTWen richtig viel „für später“ lernen kann und dass es vor allem auch ne Tätigkeit ist, bei der ich menschlich gesehen echt viel für die Patienten tun kann.

Ich mag meinen Beruf wirklich und immer noch und bereue nichts! Und ja, ich bin ein bisschen traurig darüber, dass ich, wenn alles läuft wie geplant, nur noch wenige Jahre darin arbeiten kann. Wahrscheinlich werde ich vorher aber noch einmal woanders hingehen, irgendwo, wo man ganz großes Landrettungskino hat. 🙂

Highlights gabs einsatzmäßig natürlich auch!

„Sie haben keine Sonderrechte!“ war ein Einsatz wie aus dem Lehrbuch. Aber nicht aus dem Kapitel mit den Algorithmen, sondern aus dem Kapitel, wie man am besten improvisiert und irgendwie durchkommt, wenn es gar nicht so läuft wie geplant, Pöbler und Gaffer dazukommen und man kurz vorm Bandscheibenvorfall steht.

Die „Besondere Situation.“ war dann gottseidank doch keine. 😀

Eine Krankenwagengeschichte habe ich mit „Sie können den Patienten jetzt in den Behandlungsraum bringen.“ auch noch zu erzählen, und es ist leider eine recht typische. Also, wie andere Berufsgruppen uns zu sehen scheinen, wenn wir als KTW wo ankommen. Wenigstens können wir darüber lachen.

Mit meinem Lieblingskollegen Remus hab ich auch einiges angestellt; so sind wir einmal zum Beispiel undercover als Eiswagen unterwegs gewesen. ❤

Um nochmal die Sache mit dem bösen Rettungsdiensthumor klarzustellen, das nennt sich Psychohygiene und ich habe hier mal ausführlich darüber gebloggt.

Dann gab es noch viele, viele kleine Highlights, über die ich nicht gebloggt, sondern nur getwittert habe.
Freundliche Patienten, freundliche Angehörige, freundliches Personal im Krankenhaus und Altenheim, viel geschenkte Schokolade und Kaffee.

Es gab natürlich auch traurige Momente. Ein Kollege, mit dem ich auch immer gern zusammengearbeitet hab, ist woanders hingegangen. Zwei unserer Dialysepatienten, die mir beide richtig ans Herz gewachsen sind (der eine hat damals sogar geheult, als ich ihm von meinem Studienplatz erzählt hab und ihm sagte, dass wir uns jetzt nicht mehr so häufig sehen werden), sind leider verstorben. Da merk ich immer, dass gerade die Patienten, die man öfter fährt, doch irgendwie mehr sind als nur Patienten.

Ich will nicht mit so traurigen Gedanken abschließen, deswegen nochmal was lustiges:

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Kommentare»

1. Änschie - 28/12/2016

man man man, immer so spannend deine Blogs 😀 danke dafür! freu mich auf Teil 3 😉

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2. derenergist - 29/12/2016

Ich darf Dich in einem Punkt korrigieren: Dein Vertrag ist begrenzt. Auf den Tag, an dem Du Deinem AG die Appobation auf den Tisch legst 🙂

(Ging meinem Bruder gerade so. Da ähnlich wie bei Dir strukturierter Wachleiter wohl ein ziemlich gutes Gefühl.)

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derenergist - 29/12/2016

Jaja, und ich kaufe ein R. ;D

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Hermione - 29/12/2016

Geschnitten oder am Stück?

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Hermione - 29/12/2016

Ja, aber das käme einer Kündigung gleich. Unbefristet heißt ja nicht, dass ich dem Wachleiter meine Seele verkauft habe. 😂

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Hermione - 29/12/2016

Deswegen hab ich ja auch geschrieben, dass ich nicht mehr so lang in dem Beruf arbeiten darf. 😄

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Rabenhexe - 31/12/2016

Was hat die Apropation mit der Tätigkeit im Rettungsdienst zu tun? also mal abgesehen davon das man sich „unter Wert“ verkauft wüsste ich kein Gesetz das Ärzten verbietet RTW zu Fahren.

Ich wünsche dir und deinen Lesern einen guten Start ins neue Jahr

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Hermione - 31/12/2016

Ich zitiere die Bezirksärztekammer Südwürttemberg:

Der approbierte Arzt ist grundsätzlich berechtigt, eine Tätigkeit als Rettungssanitäter oder Rettungsassistent zu übernehmen. Die gesetzlichen Regelungen zum Ausbildungsberuf des Rettungsassistenten bzw. der Tätigkeit als Rettungssanitäter stehen dem nicht entgegen.
Die Anforderungen an den staatlichen Ausbildungsberuf des Rettungsassistenten sind im Rettungsassistentengesetz vom 10.07.1989 niedergelegt. Die Tätigkeit als Rettungssanitäter erfolgt nach den vom Bund-Länder-Aussschuss „Rettungswesen“ am 20. September 1977 beschlossenen „Grundsätzen zur Ausbildung des Personals im Rettungsdienst“ (520-Stunden-Programm) und erfordert eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung zum Rettungssanitäter.

Der Sorgfaltsstandard, der von einem approbierten Arzt gefordert wird, geht weit über den des Rettungssanitäters und auch über den des Rettungsassistenten hinaus. Denn vom approbierten Arzt wird verlangt, dass er Patienten, die er behandelt, nach dem Sorgfaltsstandard der aktuellen medizinischen Wissenschaft und Kunst versorgt. Sobald der Medizinstudent also sein Studium beendet hat und die Approbation als Arzt erhalten hat, ist er verpflichtet, einem Verunfallten die nach dem medizinischen Standard erforderliche Hilfe zu erbringen. Diese Hilfe ist dem approbierten Arzt auch zumutbar. Hilft er nicht wie ein Arzt, kann der im Rettungsdienst (als Rettungssanitäter oder Rettungsassistent) eingesetzte Arzt nach Auffassung der Bezirksärztekammer Südwürttemberg gemäß § 323 c StGB, dem Tatbestand der unterlassenen Hilfeleistung, bestraft werden.

Diesem Dilemma kann der approbierte Arzt, der im Rettungsdienst als Rettungsassistent oder Rettungssanitäter eingesetzt wird, nur dadurch umgehen, dass er seine Approbation als Arzt zurückgibt.

Arbeitsrechtlich und ehrenamtsrechtlich ergibt sich noch ein weiteres Problem. Wenn der approbierte Arzt als Rettungssanitäter oder als Rettungsassistent arbeitet, wünscht der Arbeitersamariterbund oder eine andere Rettungsdienstorganisation nur den Sorgfaltsmaßstab eines Rettungsassistenten bzw. Rettungssanitäters. Wenn der Arzt aber, was er als Arzt muss, über diesen Sorgfaltsmaßstab hinausgeht und den eines Arztes erbringt, haftet dafür die Hilfsorganisation im Rettungsdienst nicht. Der Arzt haftet damit allein in vollem Umfang. Gegen diese Haftpflicht muss er sich unbedingt versichern.

Aus den vorgenannten Gründen heraus hat die Bezirksärztekammer Südwürttemberg schon mehrfach staatlich anerkannten Rettungsassistenten oder Rettungssanitätern, die eine Erlaubnis zur Tätigkeit als AiP oder eine Approbation als Arzt erhalten hatten, empfohlen, sich entweder für die Tätigkeit als AiP/approbierter Arzt zu entscheiden oder als Rettungsassistent bzw. Rettungssanitäter tätig zu werden. Diese Empfehlung ergeht auch weiterhin.

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Hermione - 31/12/2016

Dir auch einen guten Rutsch ins neue Jahr 🙂

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