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„Die Franzosen haben ein Wort für dich.“ 31/12/2016

Posted by Hermione in Kaffee, Kollegen, Krankenhaus, Rettungsdienst.
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Wir erleben zusammen immer die absurdesten Situationen. Wirklich. Wenn ich so zurückblicke und versuche, mich an die bescheuertsten und unfassbarsten Einsätze (und Situationen außerhalb von Einsätzen) zu erinnern, dann war in 90% der Fälle Remus mein Spannmann.
Wir können uns nicht drauf einigen, ob er derjenige ist, der es anzieht, oder ich, denn auch er sagt „nur mit dir erleb ich so ne Scheiße!“.
Vielleicht ist es wirklich die Kombination von uns beiden, die etwas im Raum-Zeit-Kontinuum verändert oder die Büchse der Pandora öffnet.

Highlight diese Woche war ganz klar die Reanimation. Und das meine ich nicht im positiven Sinn.

Am Mittwoch hatten wir unseren inkompetenten Tag. Ohne Witz, wir haben uns teilweise angestellt wie die letzten Deppen, als hätten wir das alles noch nie zuvor getan. Nicht, was die Behandlung der Patienten angeht, sondern das ganze Drumherum. Seitdem heißt die Neurologie der Uniklinik für uns auch nur noch „Der Ort der Schande“.
Wenn man versucht, cool zu improvisieren und dann genau an dem Punkt, an dem man wirklich nicht mehr zurück kann, merkt, dass das doch ne beschissene Idee war, muss man es leider bis zum Schluss durchziehen. Mit Pokerface, denn es gibt natürlich Zeugen.
Nächstes Mal nehmen wir die Anfahrt, die eigentlich vorgesehen ist.

Es war auch eine Reise zur Neurologie, die mir diese schöne Formulierung entlockte:

Ich meinte damit natürlich, dass er sich den Infektionsschutzkittel ausziehen muss, bevor er sich ans Steuer setzen kann. Die Patientin hat mich ziemlich irritiert angesehen und ich konnte nicht aufhören über mich selbst zu lachen.

Es gab aber auch Situationen, in denen Remus nicht aufhören konnte zu lachen; diese hier zum Beispiel:

Was hätte ich denn sonst tun sollen? Es gibt nunmal nur einen RTW für gesetzlich und privat Versicherte, und getan wird das was nötig ist. Es gibt keine bessere Behandlung für Privatversicherte. Besser im Sinne von „wir bestellen dann den guten Notarzt nach“, wirksamere Medikamente, besseres Krankenhaus, schnellere Anfahrt, etc.

Wir beide sind uns oft einig und schätzen Situationen gleich ein, ohne dass wir noch drüber reden müssen. Das ist Gold wert.

Was wir beide gar nicht mögen, ist wenn niemand beim Umlagern hilft, sondern jemand von der Pflege mit verschränkten Armen im Raum steht und wartet, dass das Bett endlich frei ist und neu bezogen werden kann. Da kann ich auch ziemlich unfreundlich werden. Was wir hier machen, ist Teamwork. Diese Woche hatten wir mehrfach das Vergnügen, auf der gleichen Station mit dem gleichen Pflegehelfer umlagern zu dürfen.
Diese eine Person hat dann beim ersten Mal nach einer klaren Aufforderung von mir zumindest an den Füßen mitgeholfen. Das ist immerhin schon etwas.
Beim zweiten Mal stand er wieder daneben und wollte uns Anweisungen geben, wie wir den Patienten umlagern sollen. Natürlich ohne selbst was zu tun. Nachdem Remus ihm gesagt hat, dass wir schon wissen, was wir tun, er aber auch mitanfassen muss, ging das wieder einigermaßen.
Dann wollte er allerdings, während ich noch überm Patientenbett hing um das Rollbrett wieder rauszuziehen, schonmal das (ziemlich verschmutzte) Bett neubeziehen, indem er alles am Laken zum Fußende zog. Ich glaube, so unfreundlich bin ich noch nie zuvor irgendwem gegenüber geworden. Auf mein „Wenn du mir das Kopfkissen des Patienten durchs Gesicht ziehst, geht das hier auch nicht schneller. Ein bisschen koordinierter mitarbeiten, dann klappt das auch besser!“ antwortete er allerdings nur mit „Genau!“, also glaub ich nicht, dass er verstanden hat was das Problem ist.
Beim dritten Mal an diesem Tag hab ich im Schwesternzimmer darum gebeten, dass uns jemand anders beim Umlagern hilft, weil ich es mit ihm nicht ein weiteres Mal ausgehalten hätte. Die Schwester wusste aber auch sofort, was ich meine, scheint also nicht das erste Mal gewesen zu sein, dass jemand sich beschwert hat.

Gestern hab ich ja bereits erzählt, dass wir unseren namenlosen Kollegen Spitznamen verpasst und uns Geschichten über sie ausgedacht haben.
Zwei Kollegen haben von uns Spitznamen bekommen, die nach einer ziemlich schlechten Polizeiserie klingen, und wir hatten sehr lange Spaß dabei, uns Funksprüche für sie auszudenken und uns ihre Einsätze auszumalen. 😀
Zwei andere Kollegen haben von uns eine Radiosendung bekommen, in der der eine ununterbrochen quatscht und der andere ab und zu im Hintergrund unverschämte Kommentare dazu ablässt. Das war übrigens auch der Kollege, den ich gestern den ganzen Tag beleidigt habe. (Auf dem gleichen Level, auf dem er mich schon seit drei Jahren dauernd beleidigt.)
Als er zum Rauchen vor der Halle saß, meinte Remus „Komm, wir fahren ganz dicht vor ihn und machen das Blaulicht und die Frontblitzer an, mal gucken ob er krampft.“, haben wir dann natürlich nicht gemacht. Die Vorstellung war aber sehr lustig.

Wir hatten auch sehr viel Spaß dabei, die Eigenheiten einer anderen Kollegin zu imitieren, und uns gegenseitig zu ermahnen, wenn etwas nicht so lief, wie sie es verlangen würde. 🙂

Unser Blaulicht-Spruch ist „Auf, auf! In Fuchur-Geschwindigkeit zum Einsatzort!“ (wir finden, dass unser RTW von vorne ein wenig aussieht wie Fuchur), und wir haben unserem RTW auch einen richtig tollen Spitznamen gegeben, den ich hier leider nicht teilen kann. In ein paar Jahren vielleicht.

Zweitliebster Spruch der Woche:

Merci für gar nichts, du Fotze!

Nein, das haben wir niemandem ins Gesicht gebrüllt, sondern immer nur uns gegenseitig damit beschimpft, in Anlehnung an die leicht nervige Merci-Radiowerbung.

Es war eine tolle Woche, und ich hoffe sehr, dass wir noch ein paarmal zusammen fahren dürfen.

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Kommentare»

1. Änschie - 31/12/2016

Also für die Privatpatienten könnt ihr ja ein wenig Deko im RTW haben und einen Cocktail und Snacks anbieten, wenns denen so wichtig ist besonders behandelt zu werden 😐 aber woran erkennt man einen Privatpatienten? Er sagts einem *augenroll*
😉 guten Rutsch meine Liebe!

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2. anneinsideoffice - 31/12/2016

Leben Retten ist doch für uns alle gleich, da macht ihr einen guten Job! Danke dass es euch gibt!!!!!

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Hermione - 31/12/2016

❤ ❤ ❤

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