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Schlechtes Vorbild? 01/02/2017

Posted by Hermione in Alltag, Zu lang für Twitter.
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Mir wurde heute Abend mitgeteilt, dass ich ein schlechtes Vorbild bin, weil ich meine momentane Diät mit einem hohen Defizit durchziehe und das auf Nachfrage nicht verleugne. 

Ich solle doch an die ganzen Minderjährigen denken, die mich lesen, und die ich in die Anorexie treiben könnte. 

Aha. 

Ja, ich esse momentan weit unter meinem Tagesbedarf (an Energie), aber ich achte darauf, dass die Mikronährstoffe stimmen, ich achte darauf die richtige Menge Protein zu essen (und sogar darauf, welche Aminosäuren es sind) und auf die essentiellen Fettsäuren. 

Ich weiß was ich tue. Ich rufe niemanden dazu auf, es nachzumachen. Ich verbitte mir nur, mich auf meinen Accounts deswegen anzumachen, oder mir eine Verantwortung zuzuschieben, die ich einfach nicht habe. 

Ja, ich bin ein schlechtes Vorbild.

Ich schlafe viel zu wenig und trinke viel zu viel Kaffee. Seit Jahren. Und ich schreibe auch seit 2009 darüber.

Ich ernähre mich manchmal monatelang von Fast Food. Oder von Schokolade. 

Ich trinke manchmal zu viel Alkohol. Ich poste auch Fotos von den Studentensaufabenden von Jamie und mir. Ich veranstalte mit meinen Followern Trashfilm-Trinkspiele auf Twitter und habe das Twilight-Trinkspiel sogar auf meinem Blog veröffentlicht.

Ich schiebe Arztbesuche und Kontrolluntersuchungen grundsätzlich raus, bis es nicht mehr geht, obwohl ich meiner Familie und meinen Patienten natürlich das Gegenteil rate. Einmal waren alle Appendizitis-Zeichen positiv, und ich hab trotzdem nichts unternommen und gedacht „Wenn ich morgen aufwache, kann ich ja immer noch in die Notaufnahme.“ Ich hab mich nach nem Arbeitsunfall mal selbst entlassen, weil ich keine Lust hatte zwei Tage zur Beobachtung im Krankenhaus zu bleiben, um ne Hirnblutung auszuschließen. Wenn meine Mutter das gemacht hätte, hätte ich sie sofort zurück ins Krankenhaus gebracht.

Ich fahre gerne schnell und manchmal (wenn der Verkehr es zulässt) auch zu schnell. Ich fluche beim Autofahren. 

Ich fluche überhaupt zu viel. Ich nutze üble Schimpfwörter. Ich habe einen tiefschwarzen Humor und mache Witze über Sachen, die normale Menschen als schwer pietätlos bezeichnen. 

Meine Wohnung ist meistens nicht aufgeräumt. Mein Konto ist meistens überzogen. Meine Haare sind meistens ungekämmt. 

Kritisiert das doch bitte gleich mit, während ihr die Tür hinter euch schließt. 

Ich bin ein schlechtes Vorbild. Aber ich bin authentisch. So bin ich nun mal. Deal with it. 

Ich werde mich weder verstellen noch etwas geschönt darstellen, um das Bild nach außen zu vermitteln, das andere für angemessen halten. 

Wer die perfekte Vorzeige-Medizinstudentin oder -Retterin lesen will, ist bei mir leider falsch. Wer ungeschönt an meinem Leben teilhaben möchte, auch wenn ich in vielerlei Hinsicht ein schlechtes Vorbild sein mag, ist herzlich willkommen.

Eifersüchtig? 28/01/2017

Posted by Hermione in Trollolololol, Zu lang für Twitter.
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Das wurde mir gerade zumindest von ein paar Briefträger-Fanboys vorgeworfen. xD

Nein, wirklich nicht. Ich bin zwar noch lange nicht an meinem Ziel angekommen, aber das heißt nicht, dass ich nichts erreicht habe – nur, dass ich mich nicht mit Zwischenzielen zufrieden gebe, sondern nach den motherfucking Sternen greife.

Ich solle doch erstmal mein Studium abschließen, bevor ich ihm was vorwerfe. Nun, ich habe bereits ein abgeschlossenes Hochschulstudium. Und eine abgeschlossene Berufsausbildung. Und Abitur (an einer Privatschule). Das alles hab ich mir hart selbst erarbeitet, das wurde mir nicht auf dem Silbertablett serviert und ich habe auch nicht betrügen oder Unterlagen fälschen müssen, um das zu erreichen.
Warum soll ich also still halten, während dieser Betrüger das Maul aufreißt und mich den ganzen Abend über belästigt und beleidigt? Warum gilt „Du hast das Medizinstudium nicht abgeschlossen, also sei ruhig“ für mich, aber nicht für jemanden, der mit gefälschten Unterlagen vorgegeben hat, ein Medizinstudium absolviert zu haben? Hat das Fanboydasein da etwa jemandem das Hirn vernebelt? 😉

Ich würde ja auch ziemlich gefeiert werden, und wäre eifersüchtig auf die Aufmerksamkeit, die er bekommt.
Zuerst, ich werde nicht gefeiert. Ich habe interessierte Leser*innen, keine Fans. Und das ist auch gut so. Ich will auf Augenhöhe mit meinen Leser*innen reden, nicht dafür angehimmelt werden, dass ich ne Ausbildung habe, studiere und Worte und Sätze sinnvoll aneinanderreihen kann. Das ist eine Leistung, die Millionen andere auch erbringen.

Meine Zielgruppe besteht halt aus klugen Menschen, die hinter die Kulissen im Gesundheitssystem blicken wollen und die intelligenten Humor zu schätzen wissen. Nicht aus Menschen, die einen Betrüger dafür feiern, „die Schwachstellen im System aufgedeckt“ zu haben. WTF. Wie selbstlos. Demnächst werden wohl auch noch Steuerbetrüger auf ein Podest gehoben, oder wie?

Ich musste mir das grad mal aus dem Kopf schreiben, weil es mich mehr nervt als ich möchte, und ich mich gleich noch ne halbe Stunde auf die Uni konzentrieren möchte.
Denn wie bereits erwähnt: Ich habe nicht vor, irgendwelche Unterlagen zu fälschen, ich arbeite dafür, meine Ziele zu erreichen.

Normalerweise schalte ich die Kommentarfunktion unter meinen Beiträgen nicht aus, aber ich habe keine Lust auf noch mehr marodierende Fanboys in meinem virtuellen Wohnzimmer. Tobt euch woanders aus. Ich mute oder blocke euch sowieso.

Tut mir also leid für alle nichtverblendeten Leser*innen, dass die Küche heute Abend kalt bleibt. 😉

Gute Nacht!

Team Asoziales Pack 09/05/2016

Posted by Hermione in Rettungsdienst, Zu lang für Twitter.
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Ein Hashtag, der auf Twitter für einige Verwirrung sorgte und immer noch sorgt, und so manchem schlichteren Geist* Anlass gab, meine Follower anzupöbeln, die diesen Hashtag aus Solidarität in der Bio haben/hatten.

*um genau zu sein, eine überhebliche Medizinstudentin, die zuerst mich dumm von der Seite anmachte von wegen „Auf dem Krankenwagen darf man ja auch keine Bildung erwarten“ und dann auf meine Follower wegen dieses Hashtags losging. Ich weiß gar nicht mehr, auf was die blöde Kuh arrogante junge Dame im vorklinischen Teil des Studiums sich da ursprünglich bezogen hat und es ist mir ehrlich gesagt auch egal.

Aber wie kam es überhaupt zu dem Hashtag?

Nun, wie vor wenigen Wochen in „Das Leben ist schön“ angedeutet, hatte das weltbeste Weltrettungsteam (= wir) einen Einsatz, der uns psychisch total mitgenommen hat. Kindernotfälle sind ja eh an sich ein besonderer Stressfaktor für die meisten von uns, und wenn es dann noch um so etwas geht, kann man leicht daran kaputtgehen …

… wenn man nicht eine Möglichkeit hat, den ganzen Seelenmüll irgendwo abzuladen.

Glücklicherweise hab ich Twitter und meinen Blog, und ohne die beiden (also ohne euch) wäre ich schon längst wahnsinnig geworden. Ernsthaft.

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Wochenrückblick in Tweets. 25/04/2016

Posted by Hermione in #medlife, Medizinstudium, Rettungsdienst, Zu lang für Twitter.
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Es ist viel passiert in der zweiten Woche des zweiten Semesters, und den Großteil habe ich „nur“ getwittert. Damit nichts davon für zukünftige Generationen (beziehungsweise für mich, wenn ich in ein paar Jahren dement bin) verloren geht, hier eine kleine Sammlung.

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„Studier doch selbst und mach’s besser!“ 12/09/2014

Posted by Hermione in Krankenhaus, Rettungsdienst, Zu lang für Twitter.
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Einer meiner Lieblingssätze, in der Regel geäußert von kompletten Vollspacken wie meinem niegelnagelneuen Hater Benny auf Twitter, oder dem Maulhelden, der diesen Artikel zum Gehalt von Rettungsassistenten so kompetent kommentiert hat.

Schonmal nen Meter weitergedacht, ihr Vollpfosten?

Wenn jeder, der mit den Arbeitsbedingungen und dem Gehalt im Rettungsdienst, Krankentransport, der Kranken- oder Altenpflege unzufrieden ist, „einfach selbst mal studieren“ würde, um dann als Ärztin oder Arzt zu arbeiten (und dann bessere Arbeitsbedingungen vorzufinden? Auf welchem Planeten lebst du nochmal??) – wer macht sich dann für nen Hungerlohn die Finger schmutzig und macht unsere Arbeit??
Ist das das Bild, dass ihr Maulhelden von uns habt? „Wer in der Pflege arbeitet oder aufm RTW sitzt, ist nur zu blöd für’s Medizinstudium gewesen?“ „Hättet ihr mal in der Schule besser aufgepasst, müsstet ihr jetzt nicht so nen Scheißjob machen!“

???

Mir macht meine Arbeit Spaß, auch wenn ich mich oft drüber aufrege. Trotzdem erwarte ich ein Mindestmaß an Wertschätzung, halbwegs erträgliche Arbeitszeiten und -bedingungen und ein Gehalt, das nicht nur gerade eben für Miete und Nahrung reicht.

Leute, wenn „dann sucht euch halt nen besser bezahlten Job, wenn ihr nicht zu blöd dafür seid!“ eure Einstellung ist, dann denkt mal darüber nach, wer euch und eure Angehörigen im Notfall, bei einem Krankenhausaufenthalt oder im Alter, wenn’s allein nicht mehr geht, versorgt.

Das sind dann wohl wir, die Deppen aus dem Rettungsdienst und der Pflege, auf die ihr herabseht, weil wir ja für nen „guten“ Beruf zuwenig Synapsen im Hirn haben.
Seid vielleicht mal lieber dankbar und froh, dass so viele engagierte und kluge Menschen sich für diese Jobs entschieden haben, ansonsten hättet ihr nämlich Retter und Pfleger, die wirklich zu blöd und zu unmotiviert wären, irgendwas auf die Kette zu kriegen.

Schönen Dank auch. Immer wieder gern.

DEINE MUDDA!

Growing old is mandatory. 18/08/2014

Posted by Hermione in Alltag, Zu lang für Twitter.
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Growing up is optional.

Es gibt Momente im Leben, da denk ich „Scheiße, jetzt bin ich erwachsen geworden!“. Und dann, wenige Stunden später, bretter ich mit dem Rettungswagen durch eine herrliche, riesige Pfütze und schreie laut „HUUUIIIIIIIIII!“, und dann weiß ich: die Situation ist wieder unter Kontrolle.